Lesung

Fußball-Rebell Ewald Lienen tritt in Trittau auf

| Lesedauer: 5 Minuten
Arne Bachmann
Unikat in der Fußballwelt: Ewald Lienen hat Interessantes und Amüsantes aus seiner Zeit als aktiver Profi und Trainer zu berichten.

Unikat in der Fußballwelt: Ewald Lienen hat Interessantes und Amüsantes aus seiner Zeit als aktiver Profi und Trainer zu berichten.

Foto: Markus Tedeskino / Knacker Einfach GmbH

Früherer Profi und Trainer liest in der Wassermühle aus Autobiografie. Veranstalter ist ein Fußballfunktionär aus Stormarn.

Trittau.  Als Fußballer gewann er mit Borussia Mönchengladbach den Europapokal, er trainierte Proficlubs in der Bundesliga, in Griechenland und Spanien und ist aktuell Marken- und Wertebotschafter beim FC St. Pauli. Bekannt geworden ist Ewald Lienen aber auch für sein Auftreten neben dem Platz. Am Freitag, 5. November, liest der 67-Jährige in der Trittauer Wassermühle aus seiner Autobiografie.

Nach langer Zeit ohne Veranstaltungen geht es endlich wieder auf die Bühne

„Ich war schon immer ein Rebell: Mein Leben mit dem Fußball“, heißt das 2019 veröffentlichte Buch, das von Lienens langer Karriere im Profisport erzählt. „Ich freue mich schon sehr auf die Lesung in Trittau“, sagt Lienen. „Nach einer langen Zeit ohne Veranstaltungen vor Publikum geht es endlich mal wieder auf die Bühne. Noch dazu in der Nähe von Hamburg, also im Einzugsbereich unserer Fans vom FC St. Pauli.“

Auch für jene spannend, die sonst mit Fußball nicht viel am Hut haben

Was Lienen im Zusammenspiel mit einem Moderator berichten und aus seinem Buch lesen wird, ist aber längst nicht nur für die Fans seines aktuellen Arbeitgebers interessant. Es ist sogar für jene spannend, die sonst mit Fußball nicht viel am Hut haben. Das Buch bietet witzige und erstaunliche Anekdoten aus mehreren Jahrzehnten, beschreibt mit viel Humor Geschichten, die unvergessen sind oder heute undenkbar wären.

Viel mehr Geschichten als jene um das berühmte Foul des Bremers Norbert Siegmann, der Ewald Lienen mit seinem Stollen den halben Oberschenkel aufschlitzte – und dafür die Gelbe Karte sah.

Lienen jagte mit Bart und langen Haaren über den Platz

Als Lienen in den 1970er-Jahren seine Spielerkarriere begann und mit Bart und langen Haaren über den Platz jagte, war der Sport ein anderer. Noch wurde nicht jedes Spiel gefilmt und wenn der Schiri wegsah, gab’s abseits des Balles schon mal ordentlich auf die Socken, um den Gegner einzuschüchtern. Das habe seiner pazifistischen Weltanschauung ja eigentlich widersprochen, sagte Lienen einmal mit einem Augenzwinkern.

Tatsächlich machte und macht er sich für seine Werte immer wieder auf eine Weise gerade, wie es im Business Profifußball die Ausnahme ist. So brachte sich der Linksaußen um die Chance auf eine Nominierung für die Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien, weil er nicht über die dortige Militärdiktatur schweigen mochte.

Als akribischer Trainer wurde er oft „Zettel-Ewald“ genannt

Noch heute kritisiert „Zettel-Ewald“, wie er als akribischer Trainer oft genannt wurde, regelmäßig das Geschäft, in dem er selbst tätig ist. Über Investoren im Fußball lässt sich Lienen auf seiner Internetseite so zitieren: „Ich habe es mal Raubtier-Kapitalismus genannt. Aber das ist eigentlich eine Beleidigung für die Raubtiere, die nicht 800 Zebras auf Halde legen, um das Angebot zu verknappen und die Zebras dann teuer auf den Markt zu schmeißen.“

Man müsse sich zur Wehr setzen, um das Schöne und Liebenswerte am Fußball zu bewahren. Und man müsse aufpassen, dass der Fußball nicht seine Wurzeln verliere.

Carsten Holst organisiert die Lesung in der Wassermühle

Eingefädelt hat die Lesung jemand, der sein Leben lang an der Wurzel, also im Amateurfußball, aktiv ist. Carsten Holst (62) trainierte unter anderem Mannschaften aus Bargteheide, Barsbüttel, Trittau, Großensee und den SSC Hagen Ahrensburg, wo er sich aktuell als Ligamanager um administrative Dinge kümmert. Ähnlich wie Lienen weicht Holst vom Klischee des breitbeinigen Fußball-Prolls ab. Er liest Bücher, beschreibt sich als faszinierten Theatergänger und richtete schon früher selbst Kulturveranstaltungen aus.

„Vor zehn Jahren habe ich regelmäßig Veranstaltungen gemacht, zum Beispiel mit Harry Rowohlt oder Eva-Maria Hagen“, erzählt Holst. „Vergangenes Jahr im Mai saß ich zu Hause und habe überlegt, was man machen könnte. Ewald Lienen fand ich immer interessant, weil er ein sehr eigenständiger, nicht stromlinienförmiger Charakter ist und auch ein sehr guter Analytiker. Was er sagt, ist fundierter als das, was man meistens hört.“

Holst hofft, dass in die Trittauer Wassermühle auch viele Sportler aus der Region kommen und im Anschluss an den Leseteil ihre Fragen stellen. „Viele von Ewald Lienens Anekdoten vom Platz oder aus der Kabine sind bestimmt ähnlich mit den Erfahrungen der Amateurfußballer“, sagt er.

Die Lesung am Freitag, 5. November, beginnt um 20 Uhr. Einlass in die Wassermühle Trittau (Am Mühlenteich 3) ist von 19 Uhr an. Tickets an der Abendkasse kosten 22 Euro. Der Buchladen von Anja Wenck in Trittau (Poststraße 31) bietet einen Vorverkauf zum vergünstigten Preis von 18,50 Euro an.

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