Tiere

Großhansdorferin (20) will Galápagos-Pferde retten

| Lesedauer: 6 Minuten
Filip Schwen
Pferde sind die große Leidenschaft von Katharina Kramer aus Großhansdorf. Die 20-Jährige hat den Verein EAW International gegründet, um kranken Tieren in Südamerika zu helfen.

Pferde sind die große Leidenschaft von Katharina Kramer aus Großhansdorf. Die 20-Jährige hat den Verein EAW International gegründet, um kranken Tieren in Südamerika zu helfen.

Foto: Filip Schwen / HA

Katharina Kramer geht nach dem Abitur nach Südamerika und erlebt dort das Leid der Tiere. Mit einem Verein möchte sie helfen.

Grosshansdorf. Unberührte Natur, Riesenschildkröten und Pinguine – so stellte sich Katharina Kramer die Galápagos-Inseln vor, als sie sich nach dem Abitur von Großhansdorf aus nach Südamerika aufmachte, um dort ein halbes Jahr herumzureisen und im Tierschutz zu arbeiten. Doch auf dem Archipel im Südpazifik angekommen, bot sich der 20-Jährigen eine andere Realität.

Großhansdorferin gründet Verein zur Rettung der Pferde auf den Galápagos-Inseln

„Ich habe schnell die Schattenseiten kennengelernt“, sagt Kramer. „Wenn man die Hunde sieht, wie sie in großer Zahl sterbend am Straßenrand kauern, lässt einen das nicht mehr los“, sagt die 20-Jährige. Wie in vielen Teilen Südamerikas seien streunende Straßenhunde auch auf den Galápagos-Inseln ein Problem. Doch nicht nur Hunde, auch Pferde verendeten angebunden am Wegesrand. „Die Tiere werden noch immer vor allem als Arbeitshelfer gehalten“, erzählt Kramer. Die rund 25.000 Einwohner der Inselgruppe nutzen die Pferde in der Landwirtschaft als Lastentiere und zum Zusammentreiben von Viehherden.

Die Versorgung kranker Tiere ist für die Menschen zu teuer

Ihre Vorfahren wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Galápagos-Inseln eingeführt. „Inzwischen gibt es viel mehr Pferde als gebraucht werden“, sagt die Großhansdorferin. „Und ein Großteil der Menschen ist arm und kann sich die Versorgung eines kranken, nicht arbeitsfähigen Tieres nicht leisten.“ Schwache und verletzte Tiere würden ausgesetzt, mit der Folge, dass diese sich unkontrolliert vermehrten. „Es kommt zu Inzucht, die häufig zu Fehlbildungen und Krankheiten bei den Fohlen führt.“

Wieder zurück in Deutschland gründet Kramer einen Verein

Die Großhansdorferin möchte ihnen helfen. „Ich hatte schon immer einen engen Bezug zu Pferden, weil meiner Mutter geritten ist“, erzählt Katharina Kramer. Sie selbst habe mit drei Jahren erstmals auf einem der Huftiere gesessen. Wieder zurück in Deutschland hat die 20-Jährige deshalb einen eigenen internationalen Tierschutzverein gegründet. „Society for Ethics and Animal Welfare International“, kurz EAW International, heißt er. „Wir unterstützen Tierschutzorganisationen und Projekte in aller Welt“, sagt Kramer.

Nach dem Abitur geht die Großhansdorferin nach Südamerika

Doch zurück zum Anfang: 2019 absolviert Katharina Kramer ihr Abitur an der Stormarnschule in Ahrensburg. „Für mich war immer klar, dass ich Medizin studieren möchte“, sagt sie. Doch bevor sie damit anfängt, möchte die Großhansdorferin etwas von der Welt sehen. „Ich wollte Spanisch lernen und etwas anderes machen, als die anderen. Deshalb bin ich nach Südamerika gegangen“, erinnert sich Kramer. Zunächst reist die 20-Jährige entlang des Inka-Trails durch den Andenstaat Peru, absolviert dann zur Vorbereitung auf das Medizinstudium ein Praktikum in einem Krankenhaus in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito.

Kramer arbeitet als Freiwillige bei einer Schildkröten-Auffangstation

„Da bin ich das erste Mal mit den großen Herausforderungen im Tierschutz in Südamerika in Kontakt gekommen“, erzählt Kramer. „Eine Kollegin hat täglich zwei Schichten als Krankenpflegerin gearbeitet, um über die Runden zu kommen, und sich trotzdem nach Feierabend noch für die Straßenhunde engagiert.“ Das habe sie beeindruckt. „Tierschutz lag mir durch meinen Bezug zu Pferden schon immer am Herzen“, sagt Kramer. Zum Abschluss ihrer Reise geht die Großhansdorferin für zwei Monate auf die Galápagos-Inseln, um dort als Freiwillige bei einer Auffangstation für Schildkröten zu arbeiten.

Tierschutz beschränkt sich auf den Galápagos-Inseln auf einheimische Arten

„Dabei ist mir aufgefallen, dass sich der Tierschutz vor Ort sehr stark auf die einheimischen Arten fokussiert, während Nutztiere wenig Beachtung finden und in den Straßen verenden.“ Die Eigentümerin des Hostels, in dem sie gelebt habe, habe ihr schließlich von dem Projekt „Galapagos Horse Friends“ erzählt, das die Münchenerin Claudia Moreno vor einigen Jahren ins Leben gerufen habe. Kramer besucht das Projekt auf der Insel Santa Cruz.

Münchenerin versorgt kranke Pferde auf kleiner Farm

„Claudia ist eigentlich Optikerin“, erzählt die Großhansdorferin. „Als sie mit dem Leid der Pferde hier konfrontiert war, hat sie zuerst zwei Tiere aufgenommen.“ Dann seien es immer mehr geworden. „Inzwischen hat sie ihren Beruf aufgegeben und versorgt die Pferde auf einer kleinen Farm.“ Das Herzblut und die Aufopferung, die Moreno in die Tiere stecke, hätten sie tief berührt. „Claudia bietet den Tieren nicht nur ein Zuhause, sie versorgt die ausgesetzten Pferde auch medizinisch und leistet Aufklärungsarbeit“, so Kramer.

Rettungsprojekt benötigt Geld für eine eigene Ranch

Um die Menschen auf den Inseln für das Schicksal der Tiere zu sensibilisieren, lade Moreno immer wieder Schulklassen auf ihre Ranch ein. „Außerdem plant sie, pferdegestützte Therapie für Kinder mit einem Trauma oder psychischen Problemen anzubieten“, erzählt Kramer. Das Problem: Die Ranch, auf der Moreno die Tiere beherberge, gehöre ihr nicht. „Sie zahlt eine Pacht, aber das kann sie auf Dauer nicht leisten“, so die 20-Jährige. Dem Projekt ein eigenes Grundstück zu finanzieren, sei deshalb der Hauptanstoß für die Gründung von EAW International gewesen.

Langfristig möchte Kramer weitere Projekte unterstützen

Langfristig wollen sie Moreno mit dem Verein auch bei den laufenden Kosten unterstützen und weitere Projekte aufnehmen. „Der Verein ist nicht selbst in der Tierrettung aktiv, sondern unterstützt Projekte an verschiedenen Orten, indem wir Spenden sammeln und Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Kramer, die selbst auch Vorsitzende von EAW International ist.

Vereinsgründung war eine „Herzensentscheidung“

Neben der Großhansdorferin wirken auch Moreno, ein Tierarzt aus Großbritannien und eine Pferdetherapeutin im Vorstand mit, die Kramer während ihrer Zeit in Südamerika kennengelernt hat. „Natürlich war es eine Herausforderung, sich die rechtlichen Grundlagen für eine Vereinsgründung anzueignen“, gibt die 20-Jährige zu. „Aber für mich war das eine Herzensentscheidung“, sagt Kramer und fügt hinzu: „Wegsehen finde ich schrecklich.“

Wer den Verein unterstützen möchte, spendet an Hamburger Sparkasse, IBAN: DE96 2005 0550 1501 8571 61, BIC: HASPDEHHXX

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