Bargteheide

Nach tagelangem Protest: Bürger bekommt neuen Pass

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Finn Fischer
Carsten Schaar aus Bargteheide hält endlich seinen vorläufigen Reisepass in den Händen.

Carsten Schaar aus Bargteheide hält endlich seinen vorläufigen Reisepass in den Händen.

Foto: Finn Fischer

Carsten Schaar bekam keinen Online-Termin im Rathaus und saß 20 Stunden vor dem Bürgerbüro. Erst ein Abendblatt-Bericht half.

Bargteheide.  Mehr als 20 Stunden musste Carsten Schaar vor dem Bürgerbüro in Bargteheide ausharren und zahlreiche Telefonate führen, um an einen neuen Reisepass zu kommen. Erst nachdem das Hamburger Abendblatt über den Fall berichtete, kam endlich Bewegung in die Sache. Am Donnerstag konnte er das lang ersehnte Dokument entgegennehmen.

Freude bereitet die Beantragung oder Verlängerung von Ausweisdokumenten selten. Carsten Schaar hat ein kleines Martyrium hinter sich. Umso zufriedener war der Bargteheider, als er sich am Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr in die Schlange vor dem Bürgerbüro neben dem Rathaus stellen konnte: „Am Dienstagnachmittag hat mich die Bürgermeisterin angerufen, um mit mir eine Lösung zu finden. Das hat dann auch geklappt. Darüber freue ich mich.“

Er braucht den Pass für die Arbeit in Istanbul

Carsten Schaar arbeitet in Istanbul, braucht also einen Reisepass, um zur Arbeit zu kommen. Deswegen bemühte sich der Geschäftsmann früh um Ersatz. Doch der 59-Jährige wurde Opfer einer Systemumstellung. Vor sechs Wochen richtete die Stadtverwaltung eine Online-Buchung für Personalausweise, Passverlängerung und andere Behördenleistungen ein. „Ich hatte bereits vorher mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen, und in dem Telefonat wurde mir dazu geraten, online einen Termin zu vereinbaren, sobald der Online-Service eingerichtet ist“, sagt Schaar.

Was er zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Die Termine werden derzeit nur zwei Wochen im Voraus vergeben. Für den Großteil der Bargteheider mag dieser Umstand kein Problem sein. Für ihn schon. Kurz nachdem der Online-Service freigeschaltet wurde, ging Carsten Schaar auf die Internetseite der Stadtverwaltung, um einen Termin zu buchen. Doch das war nicht möglich, weil er in den darauffolgenden Wochen außer Landes war und dementsprechend nicht persönlich hätte auf dem Amt erscheinen können. Große Sorgen bereitete ihm das nicht: „Es sah zu dem Zeitpunkt nicht danach aus, dass die Terminvereinbarung zu einem Problem werden könnte. Es waren noch viele Slots frei, als ich nachgesehen habe.“

Bürgerbüro verwies ans Generalkonsulat in Istanbul

Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich dann später herausstellte. Zurück von seiner Geschäftsreise rief Carsten Schaar am 20. September erneut das Online-Tool des Bürgerbüros auf. Doch dann hatte sich die Online-Terminvergabe bereits in der Stadt herumgesprochen. Laut System gab es während seines Heimataufenthalts zwischen 23. September und 1. Oktober keinen einzigen freien Termin. In seiner Not wandte sich Schaar am 21. September per E-Mail erneut an das Bürgeramt. Einen Tag später erhielt er die Antwort, er möge entweder einen verfügbaren Termin in Bargteheide buchen oder den Pass beim deutschen Generalkonsulat in Istanbul beantragen.

Dort hieß es auf Nachfrage allerdings, die Ausstellung sogenannter Express-Pässe dauere in der Regel 15 bis 20 Werktage. Darauf wollte sich der Bargteheider nicht verlassen. Denn sein Arbeitsvisum für die Türkei läuft am 25. Oktober ab. Also setzte der gebürtige Oldesloer seine Hoffnungen darauf, dass das Bargteheider Bürgerbüro doch noch einlenkt. Doch bis dahin sollte Carsten Schaar noch einige Stunden in das Reisepass-Projekt investierten. Mit einer weiteren E-Mail setzte er die Stadtverwaltung darüber in Kenntnis, dass er ab sofort in Erwartung eines freien Slots vor dem Amt ausharren werde: „Ich dachte, dass vielleicht jemand schneller fertig ist oder zu einem Termin nicht erscheint.“

Vor dem Rathaus wurde ihm ein Platzverweis erteilt

Doch stattdessen bekam er vom Sicherheitsdienst einen Platzverweis. Nach Hause ging Carsten Schaar nicht. Mehrere Tage, insgesamt mehr als 20 Stunden, verbrachte er an einem Tisch vor der benachbarten Elvis Lounge. Bis Dienstag dann endlich der erlösende Anruf von Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht kam. Wohl auch, weil das Abendblatt eine Anfrage zu dem Fall gestellt hatte.

Laut Alexander Wagner, Referent der Bürgermeisterin, war der Stadtverwaltung der Ernst der Lage lange nicht bewusst: „Es hat eine Weile gebraucht, um zu erkennen, dass sich Herr Schaar in einer wirklichen Notlage befindet.“ Erst am Montag habe die Bürgermeisterin von den Hintergründen erfahren. Am Dienstagnachmittag sicherte Kruse-Gobrecht dem 59-Jährigen dann telefonisch zu, dass bis Donnerstag eine Lösung gefunden werde.

Fertige Dokumente können jetzt auch ohne Termin abgeholt werden

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, erklärt Alexander Wagner mit der Systemumstellung: „Wir haben das neue Verfahren erst vor sechs Wochen eingerichtet. Zwei Monate nach dem Start soll geschaut werden, welche Probleme es gibt.“ Auch wie mit derartigen Sonderfällen umgegangen wird. Außerdem weist Wagner darauf hin, dass es am Donnerstag vor einer Woche zu einem längeren Systemausfall gekommen ist, wodurch die Mitarbeiter des Bürgerbüros gebunden gewesen seien.

Erste Konsequenzen aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen mit der neuen Online-Terminvergabe hat die Bargteheider Stadtverwaltung bereits gezogen. So ist es nun jeden Donnerstag möglich, beantragte Dokumente ohne vorherige Terminvereinbarung abzuholen. Wagner: „In der vergangenen Woche sind mehr als 70 Ausweisdokumente ausgestellt worden, deren Abholung nicht über das Online-Buchungssystem vereinbart werden musste.“ Dadurch erhofft sich die Verwaltung eine Entspannung bei der Terminvergabe.

In 15 Minuten war der vorläufige Reisepass fertig

Damit wird sich Carsten Schaar erst wieder bei der Verlängerung eines anderen Ausweisdokuments auseinandersetzen müssen. „Am Montag fliege ich zurück in die Türkei mit einem Zwischenstopp in Frankreich“, sagt der Bargteheider, nachdem er das Bürgerbüro nach 15 Minuten mit seinem vorläufigen Reisepass in den Händen wieder verlässt: „Den richtigen Pass wird meine Frau in einer Woche abholen.“

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