Insektensterben

Kreispolitik streitet um Saatgut für Blühstreifen

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Lutz Kastendieck
Gemüsebauer Dirk Beckedorf hat in Reinbek-Büchsenschinken Blühstreifen an den Rändern der Felder gesetzt, um Insekten Lebensraum zu geben.

Gemüsebauer Dirk Beckedorf hat in Reinbek-Büchsenschinken Blühstreifen an den Rändern der Felder gesetzt, um Insekten Lebensraum zu geben.

Foto: Imke Kuhlmann / BGZ

CDU will weiter finanzielle Anreize für Landwirte setzen. SPD und Grüne sind gegen eine dauerhafte Subventionierung des Projekts.

Bad Oldesloe.  Das gravierende Problem des Insektensterbens ist in den vergangenen Wochen aus den nationalen und lokalen Schlagzeilen weitgehend verschwunden. Die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie der allgegenwärtige Bundestagswahlkampf haben die öffentliche Debatte maßgeblich bestimmt. In der jüngsten Umweltausschusssitzung des Kreises wurde allerdings deutlich, dass in Stormarn das Insektenthema im Wortsinn weiter beackert wird. Peter Koll, Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Stormarn und Herzogtum Lauenburg, zog eine Bilanz der Aktion „Stormarn blüht auf“ und gab zugleich einen Ausblick, wie in der Causa weiter verfahren werden sollte.

60 Landwirte haben sich am Auftakt der Aktion beteiligt

„Aus unserer Sicht war die Initiative, bei der es darum ging, Blühstreifen und Blühflächen anzulegen, ein Erfolg“, resümierte Koll. Kreisweit hätten sich seit März dieses Jahres rund 60 Landwirte, Grundeigentümer und Vereinigungen aktiv beteiligt. Damit habe das Projekt aus dem Stand etwa zehn Prozent aller aktiven Landwirte erreicht, was durchaus als positive Resonanz gewertet werden könne. Und berechtigten Anlass zur Hoffnung gebe, dass sich bei einer Neuauflage noch mehr Landwirte mit weiteren Flächen beteiligten.

Insgesamt sind laut Erhebungen des Kreisbauernverbands Flächen in einem Gesamtumfang von 86 Hektar zur Verfügung gestellt worden, vornehmlich entlang von Bachläufen und Wirtschaftswegen. Die 200 Einzelflächen hatten Ausmaße zwischen 1000 Quadratmetern und drei Hektar.

Kreis finanzierte Saatgut im Wert von 7500 Euro

„Das ist wirklich beachtlich und keineswegs selbstverständlich, weil die betreffenden Flächen zuvor auch noch gemäht und gemulcht werden mussten“, so Koll. „Das bedeutet definitiv einen Mehraufwand, für den die Landwirte nicht entschädigt werden“, erklärte Koll. Zudem habe es bei einigen Berufskollegen eine gewisse Skepsis gegenüber unbekannten Pflanzen gegeben, mit denen man auch nach der Blüte in den nächsten Jahren weiter umgehen müsse.

Ein positiver Anreiz für eine Beteiligung an dem Projekt sei fraglos die Bereitschaft der Kreispolitik gewesen, für die Blühstreifen und -flächen Saatgut in einem Gesamtwert von 7500 Euro zur Verfügung zu stellen. Die Initiative zu diesem niedrigschwelligen Angebot an die Landwirte war zwei Jahre zuvor vom Kreisbauernverband ausgegangen.

Drei verschiedene Mischungen wurden geordert

Bis dahin waren die Blühstreifen vor allem auf Eigeninitiative der Bauern entstanden. Das aber erschien dem Verband nicht ausreichend. „Um noch mehr Landwirte erreichen zu können, sind wir im Herbst 2019 auf die Politik zugegangen und haben um Unterstützung für unser Vorhaben gebeten“, so der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Friedrich Klose. Der Vorstoß war in den Kreistagsfraktionen auf eine breite Zustimmung gestoßen.

Um die Bedenken etlicher Landwirte hinsichtlich der Qualität des Saatguts zu zerstreuen, hatte der Verband nach der Finanzierungszusage seitens der Kreises beim bekannten regionalen Händler Stoltenberg in Lasbek drei verschiedene, an hiesige Anbaubedingungen angepasste Saatgut-Mischungen geordert, insgesamt zwei Tonnen.

Landwirte signalisieren, weiter dabei zu bleiben

„Alle Landwirte, die in diesem Jahr dabei waren, haben bereits ihre Bereitschaft erklärt, sich auch im nächsten Jahr an der Aktion zu beteiligen“, berichtete Peter Koll. Das kostenfreie Saatgut sei tatsächlich zur erhofften Initialzündung geworden. Nun müsse die Bereitschaft zur Anlage von Blühflächen jedoch weiter gefördert werden.

Deshalb sollte die Aktion „Stormarn blüht auf“ unbedingt mit der Bereitstellung von kostenlosem Saatgut fortgesetzt werden. „Das wäre zugleich ein Zeichen der Wertschätzung des Einsatzes der Landwirte für Umweltbelange“, so Koll. Zumal sie dafür ja sogar auf mögliche Erträge aus den zur Verfügung gestellten Flächen verzichten würden.

Einsatz der Landwirte soll honoriert werden

Die Kreistagsfraktion der CDU hatte die Argumentation in einen Antrag gegossen, in dem sie eine Fortsetzung des finanziellen Engagements durch den Kreis forderte. „Um so die Insektenvielfalt im Kreis Stormarn zu erhalten und zu fördern, aber auch den Einsatz der Landwirte zu honorieren“, begründete Fraktionsmitglied Claudia Rathje. Auf diese Weise könnten Anreize gesetzt werden, damit mehr Bauern dem Beispiel ihrer Kollegen folgten.

Die SPD-Fraktion sprach sich hingegen ebenso gegen eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung des Projekts durch den Kreis aus, wie die Grünen. „Wir sind bislang von einer Anschubfinanzierung ausgegangen und dabei sollte es aus unserer Sicht auch bleiben“, erklärte Sozialdemokrat Heinz Hartmann. Sabine Rautenberg, Fraktionschefin der Grünen, pflichtete ihm ausdrücklich bei: „Wir haben das Anschieben der Initiative unterstützt, sind aber eindeutig gegen eine Dauerfinanzierung.“

Da auch aus anderen Fraktionen Bedenken geäußert wurden, soll es jetzt eine haushaltstechnische Prüfung geben. Deshalb ist die Entscheidung des CDU-Antrags vertagt worden bis zu den anstehenden Haushaltsberatungen.

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