Ahrensburg

Schreitmüller geht mit 1600 Stimmen Vorsprung in Stichwahl

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Harald Klix
er von der CDU nominierte Thomas Schreitmüller (r.) feiert mit Familie und Unterstützern nach einem langen Abend im Restaurant Strehl den Sieg im ersten Wahlgang.

er von der CDU nominierte Thomas Schreitmüller (r.) feiert mit Familie und Unterstützern nach einem langen Abend im Restaurant Strehl den Sieg im ersten Wahlgang.

Foto: Filip Schwen / HA

CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Schreitmüller ist Favorit. SPD-Mann Eckart Boege setzt aufs ausgeschiedene Grünen-Lager.

Ahrensburg. Am Morgen danach saßen die beiden Gewinner des ersten Durchgangs der Ahrensburger Bürgermeisterwahl pünktlich in ihren Büros. Thomas Schreitmüller (53) beschäftigte sich als Verwaltungschef im Barsbütteler Rathaus mit den Gemeindeergebnissen der Bundestagswahl. Und Eckart Boege (43) kümmerte sich als Leiter für Energieeinkauf bei einem Hamburger Versorger für Geschäftskunden um Preise für Grünstrom und Gas.

Wenige Stunden zuvor standen noch ihre eigenen Zahlen im Mittelpunkt. Mit 42,4 Prozent geht der von der CDU nominierte Schreitmüller als Favorit in die Stichwahl am Sonntag, 17. Oktober, gegen SPD-Kandidat Boege (34,5 Prozent). Der Vorsprung entspricht gut 1600 Stimmen. Genau 8696 Bürger votierten für Schreitmüller und 7084 für Boege. Die große Frage ist: Was passiert mit den 4730 Stimmen des mit 23,1 Prozent ausgeschiedenen Grünen-Bewerbers Christian Schubbert?

Beteiligung von 76,5 Prozent dürfte deutlich sinken

„Ich bin zunächst froh über die gute Ausgangslage“, sagt Thomas Schreitmüller. Gerade einmal 20,9 Prozent der Zweitstimmen hat die CDU bei der Bundestagswahl in Ahrensburg bekommen, sein Ergebnis ist doppelt so hoch. „Die Menschen können sehr wohl zwischen einem politischen Amt und der Verwaltungsaufgabe eines Bürgermeisters unterscheiden“, sagt Schreitmüller. Wobei der bundesweite Abwärtstrend der CDU auch ihn möglicherweise wichtige Stimmen gekostet hat.

Für die Stichwahl in drei Wochen setzt Schreitmüller weiter auf Fachlichkeit. Der gebürtige Ahrensburger hat Verwaltung von der Pike auf gelernt, ist seit 2000 Bürgermeister (erst in Tangstedt, seit 2007 in Barsbüttel) und Landesvorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags. Nun gelte es, seine Wähler erneut zu mobilisieren und auch die Schubbert-Anhänger zu überzeugen. Denn trotz des sicheren Polsters sei die Wahl keineswegs gelaufen. „Das ist wie bei der Verlängerung“, sagt der Hobbyfußballer. „Wie gut man in den 90 Minuten vorher war, spielt keine Rolle mehr.“ Sonnabends werde er wie bisher auf dem Rondeel um Stimmen werben. Weitere Aktionen seien geplant.

Boege holte mehr Stimmen als Amtsinhaber Sarach

Auf dem autofreien Platz in der Ahrensburger Innenstadt trifft er dann mit Sicherheit auch Eckart Boege. „Ich bin zuversichtlich, dass ich die Stimmen der Grünen hinzugewinnen kann“, sagt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende, der mit seiner Familie seit zwölf Jahren in Ahrensburg lebt. Auch wenn er andere Schwerpunkte besetzt habe, gebe es durchaus programmatische Übereinstimmungen. „Beispielsweise stehe ich glaubwürdig für Klimaschutz und dessen Umsetzung“, sagt er. Fast 7100 Stimmen seien zudem mehr, als Amtsinhaber Michael Sarach (ebenfalls SPD-Kandidat) bei seinen beiden Wahlsiegen errang.

„Viele Menschen haben sich aus Überzeugung für mich entschieden, damit sich etwas tut“, sagt Boege. Um das Ziel zu erreichen, bitte er alle Unterstützer darum, unbedingt auch an der Stichwahl teilzunehmen.

Bei der Wahl 2009 waren die Bedingungen ähnlich

Erfahrungsgemäß wird die hohe Wahlbeteiligung von 76,5 Prozent nicht erneut zu erreichen sein, da der Motivationsfaktor Bundestagswahl wegfällt. Eine ähnliche Konstellation gab es im September 2009. Damals stimmten die Ahrensburger parallel über Bundestag und Landtag sowie in einem Bürgerentscheid über den Kastenlinden-Baumschnitt in den Innenstadt ab, was zu 73,7 Prozent Beteiligung an der Bürgermeisterwahl führte. Jörn Schade (CDU) lag mit 33,0 Prozent und einem Plus von 135 Stimmen knapp vor Michael Sarach (SPD, auch von FDP unterstützt) mit 32,3 Prozent. Die unabhängigen Bewerber, Stadtjustiziar Thomas Reich und Klaus Schädel, schieden mit 22,1 beziehungsweise 12,5 Prozent aus. Bei der Stichwahl sank die Beteiligung auf 44,6 Prozent. Schade verlor 845 Stimmen, Sarach gewann 41 hinzu – und war mit 53,3 Prozent neuer Bürgermeister.

Die weiteren Parteien in der Stadtverordnetenversammlung bleiben wohl dabei, keine Empfehlung auszusprechen. Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Bellizzi haben sich die beiden Kandidaten durchgesetzt, die als Experten eine Verwaltung führen können. „Es hat sich gezeigt, dass man mit extremen Forderungen keine Bürgermeisterwahl gewinnen kann“, sagt er über das Abschneiden des Grünen-Kandidaten.

Ähnlich fällt die Einschätzung von Peter Egan aus, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft WAB. „Wir haben ja schon vorher gesagt, dass wir mit allen Kandidaten zusammenarbeiten werden“, sagt er. Die Linke zeigte sich von keinem Bewerber zu 100 Prozent überzeugt.

Ärger über lange Warteschlangen vor Wahllokalen

Etwa 45 Minuten Wartezeit im Wahlbezirk 14 im Heimgarten-Schulzentrum gegen 11 Uhr am Sonntag: Viele Ahrensburger ärgerten sich dort und in anderen Wahllokalen über lange Schlangen, die vor allem älteren Menschen zu schaffen machten. Ein Bürger berichtet, dass Bitten nach dem Aufstellen von Stühlen von Wahlhelfern eher schroff abgelehnt worden seien.

Nur zwei Wahlkabinen habe es gegeben – in großen Bezirken mit 1400 Wahlberechtigten ebenso wie in kleinen mit 400. Wenn die Stimmabgabe einem so schwer gemacht werde, sei es durchaus nachvollziehbar, nicht zur Wahl zu gehen.

Das Problem dürfte sich bei der Stichwahl vermutlich von selbst lösen. Zum einen ist nicht parallel Bundestagswahl, zum anderen ist die Beteiligung erfahrungsgemäß deutlich niedriger.

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