Auszeichnung

Große Ehre für eine großherzige Oststeinbekerin

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Susanne Tamm
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) überreicht der Oststeinbekerin Renate Vorbeck die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. 

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) überreicht der Oststeinbekerin Renate Vorbeck die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland. 

Foto: Patrik Kraft / Renate Vorbeck

Renate Vorbeck engagiert sich in der Kinderkrebshilfe. Dafür bekommt sie die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland.

Oststeinbek. Ihr Ehrenamt ist eine emotionale Herausforderung: Bei vielen Begegnungen in ihrem Einsatz für die Kinderkrebshilfe schwingt der Abschied für immer mit. Renate Vorbeck zeigt ein Foto eines kranken, etwa zehnjährigen Jungen, der eine sehnlichst gewünschte Uhr bekommen hat. Mittlerweile ist er gestorben. Doch das Glück, das in jenem Moment in seinem Blick aufblitzt, bleibt.

Es ist dieses Glück, das Renate Vorbeck mit der von ihr gegründeten Kinderkrebshilfe Oststeinbek und mit der Fördergemeinschaft Kinderkrebszentrum Hamburg ermöglichen kann. Es entschädigt für einiges. „Dieses Gefühl, ich kann etwas bewirken, ist für mich immer wieder der Antrieb, weiterzumachen“, sagt sie. „Und ich bekomme so viel zurück. Jetzt wurde sie für ihren ehrenamtlichen Einsatz mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

513.000 Euro Spenden hat sie im Laufe der Jahre gesammelt

Jedes Jahr sterben in Hamburg 15 bis 20 Kinder an Krebs. Das große Ziel: dass eines Tages alle Kinder überleben und die Nebenwirkungen und Spätfolgen der Behandlung weiter eingedämmt werden können. Auch dafür hat die 73-Jährige im Laufe der fast 35 Jahre, in denen sie sich für die krebskranken Kinder engagiert, viel getan. Immer wieder ist es ihr gelungen, Spenden einzuwerben, unter anderem auch um die Forschung zu unterstützen.

Fast 513.000 Euro konnte sie im Laufe der Jahrzehnte an Spenden sammeln: 1992 etwa der Kinderkrebshilfe mit der Hälfte der Kosten für ein lebensrettendes Gerät helfen oder 1996 mit 128.000 Mark für Laborräume. Laborpatenschaften, Typisierungen, Musik- oder Maltherapien, Unterstützung für die Familien, die durch die Krankheit des Kindes in finanzielle Engpässe geraten: Bedarf gibt es überall und sie unterstützt, wo sie kann.

Ein Radiobeitrag vor 35 Jahren war Anlass für ihr Engagement

„Es gibt Familien, die daran zerbrechen. Manche Mütter müssen ihre Berufe aufgeben, sie sind zwei Jahre mit auf der Station“, erzählt Renate Vorbeck. Da kann schon ein Gutschein für einen Friseur auf dem Klinikgelände viel bedeuten. Und auch für die Pflegekräfte tut sie einiges, spendiert Weihnachtsfeiern oder Theaterkarten. „Die Schwestern haben wirklich meine Hochachtung“, betont sie. „Sie leisten schwere Arbeit, haben eine hohe Verantwortung und arbeiten unter hohem Druck.“

Vor fast 35 Jahren, Renate Vorbeck war Mutter eines kleinen Jungen, bewegte ein Radiobeitrag über die schwierige Situation auf Kinderkrebsstationen sie dazu zu helfen. 1987 gründete sie die Kinderkrebshilfe Oststeinbek. „Anfangs haben wir zu jedem Frühlingsanfang Blumen gebunden und verkauft“, erzählt sie. 489,90 Mark kamen beim ersten Mal zusammen.

Aber sie baute auch den engen Kontakt zum Kinderkrebszentrum Hamburg und der Station auf, wurde dort im Vorstand der Fördergemeinschaft Kinderkrebszentrum Hamburg aufgenommen. „Das war spannend“, erzählt sie. „Denn ich konnte mit über die Verwendung der Gelder entscheiden.“ 1997 bat der Vorstand sie, hauptberuflich die Öffentlichkeitsarbeit der Kinderkrebshilfe zu übernehmen.

Die Medaille liegt erst einmal auf dem Nachtschrank

Als der damalige Bürgervorsteher Gerhard Bülow und ihr Mann Hans-Joachim 2010 die Idee für eine Bürgerstiftung Oststeinbek hatten, wussten sie schon, wer ein Händchen hat, um Spenden einzuwerben. Sie wurde auch zur Vorsitzenden dieser Stiftung gewählt. „Wir haben im Laufe der Zeit Projekte für 59.000 Euro realisiert“, erzählt sie. „Ich wundere mich immer, dass niemand bei uns um Unterstützung fragt. Aber es macht Spaß, ich kann kreativ sein und schauen, wo ist Bedarf.“

Kein Wunder, dass sie nicht mehr zum Malen oder Klavierspielen kommt. Die Medaille liegt erst einmal auf ihrem Nachtschrank. „Aber ich werde schon noch ein Plätzchen für sie finden“, verspricht sie stolz. „Immerhin ist das die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland.“

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