Schleswig-Holstein

Landesstraßen sind noch viel schlechter als erwartet

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Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) beim Besuch der Baustelle auf der A 215 zwischen dem Autobahndreieck Bordesholm und der Anschlussstelle Blumenthal.

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) beim Besuch der Baustelle auf der A 215 zwischen dem Autobahndreieck Bordesholm und der Anschlussstelle Blumenthal.

Foto: Frank Molter / dpa

Große Schäden verzögern die seit drei Jahren laufende Sanierung. Auch die Vorhaben in Trittau und Oststeinbek müssen warten.

Ahrensburg. Die von Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) ausgerufene „Aufholjagd“ bei der Reparatur aller Landesstraßen dauert länger als geplant. „Entgegen den ursprünglichen Erwartungen unserer Experten sind die Schäden an vielen Landesstraßen nicht nur größer, sondern buchstäblich auch tiefgründiger. Das macht die Reparaturen langwieriger und kostspieliger“, sagt Buchholz. Den neuen Zeitplan erläuterte der Minister jetzt mit Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH), und Geschäftsbereichsleiter Christoph Köster.

Sowohl die bisherigen Baustellen als auch die jüngste gutachterliche Zustandserfassung haben deutlich mehr und massivere Schäden zutage gefördert als 2018 beim Start des Landesstraßen-Sanierungsprogramms prognostiziert. Rund ein Drittel des 3500 Kilometer umfassenden Netzes sei wieder in einem Top-Zustand. Weiterhin werde die Rekordsumme von bis zu 90 Millionen Euro pro Jahr auf die Straßen gebracht – doch schafften die Baufirmen dafür im selben Zeitraum weniger Kilometer.

Ortsdurchfahrt von Lütjensee soll nächstes Jahr fertig sein

Im Kreis Stormarn verschieben sich beispielsweise die Sanierungen der L 93 und L 94 in Trittau (neuer Zeitraum offen) aufgrund kommunaler Planungen. Und in Oststeinbek kann die L 94 wegen der länderübergreifenden Baustellenkoordinierung mit Hamburg frühestens ab 2024 saniert werden. Dann soll auch die L 93 in Großensee an der Reihe sein. Die marode Ortsdurchfahrt Lütjensee (L 92) soll 2022 fertig werden.

Laut LBV.SH-Chef Conradt verschiebt sich für knapp über die Hälfte der noch offenen Sanierungsprojekte der Fertigstellungstermin um mindestens ein Jahr. „Erschwerend kommt eine neue zeitliche Koordinierung einzelner Maßnahmen hinzu, um Umleitungsstrecken frei zu halten, aber auch fehlendes Personal sowie Kostensteigerungen und Lieferengpässe infolge der Corona-Pandemie.“ Es gebe aber keine Alternative. „Eine schnelle und oberflächliche Sanierung – wie sie in früheren Jahren durchaus üblich war – wird es mit uns nicht geben“, sagt Buchholz. Reine Straßen-Kosmetik vergrößere das Problem zu Lasten späterer Generationen.

In den kommenden vier Jahren folgen 500 Kilometer Straßen einschließlich Radwege

Die vor wenigen Tagen abgeschlossene Zustandserfassung hat ergeben, dass aktuell rund 767 Kilometer Landesstraßen dringend sanierungsbedürftig sind. Bis Ende dieses Jahres werden mehr als 400 Kilometer Landesstraßen und knapp 200 Kilometer Radwege wieder nahezu neuwertig sein. „In den kommenden vier Jahren sollen weitere 500 Kilometer einschließlich der dortigen Radwege folgen“, so Buchholz.

Zum Sanierungsprogramm zählen auch Brücken und die Ausstattungen der Straßen. Dafür stelle die Landesregierung in der laufenden Legislaturperiode rund 360 Millionen Euro zur Verfügung. In Stormarn sind oder waren dieses Jahr unter anderem die L 90 (Todendorf), die K 80 (Reinbek), die L 225 (Ahrensburg) und mehrere Radwege an der Reihe.

Anteil schlechter Abschnitte liegt weiter bei 27 Prozent

„Leider müssen wir erkennen, dass viele der Landesstraßen in den tief liegenden Tragschichten – also dem Herzstück einer jeden Straße – sich zu häufig als signifikant maroder herausstellten, als man es durch die reine Erfassung der Oberflächenstruktur hätte annehmen können“, sagt Torsten Conradt. „Das ist auch für uns Straßenbauer eine harte Erkenntnis, weil sie zeigt, dass wir in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahrzehnten viel zu lange mit der Sanierung abgewartet haben.“

Trotz der massiven Modernisierung stagniert der Anteil schlechter Landesstraßenabschnitte (Zustandsnote unter 3,5) laut Conradt und Köster bei etwa 27 Prozent. Minister Buchholz erinnerte daran, dass die Landesregierung die Erhaltungsinvestitionen für die Landesstraßen im Vergleich zur letzten Legislaturperiode mehr als verdoppelt habe. „Wenn wir und künftige Landesregierungen diesen Kurs beibehalten, dann werden unsere Landesstraßen Mitte der 2030er-Jahre wieder nahezu flächendeckend in Ordnung sein“, so Buchholz.

( kx )

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