Tourismus

So sollen Urlaubsgäste in Stormarn länger verweilen

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Lutz Kastendieck
Auf der Trave lässt es sich auch bei 33 Grad aushalten. Paulina Becker genießt die idyllische Landschaft.

Auf der Trave lässt es sich auch bei 33 Grad aushalten. Paulina Becker genießt die idyllische Landschaft.

Foto: Janina Dietrich / HA

Kreis hat sich neues Tourismuskonzept erstellen lassen. Experten plädieren für Erlebniswelten, die Highlights verknüpfen.

Bad Oldesloe.  Die Corona-Pandemie hat auch in den touristischen Bilanzen Stormarns deutliche Spuren hinterlassen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres registrierten die Hotels und Pensionen mit zehn und mehr Betten nur 30.048 Ankünfte, rund 36 Prozent weniger als im Vorjahr. 2019 sind es noch 96.497 gewesen, mehr als dreimal so viele. Etwas weniger dramatisch hat sich die Zahl an Übernachtungen entwickelt, sie fiel mit 70.692 etwa 29 Prozent geringer aus. 2019 wurden indes noch 191.630 gezählt. Und noch ein Wert bleibt im Vergleich zu den benachbarten Kreisen Herzogtum Lauenburg und Segeberg deutlich zurück. Während die Gäste dort bei 171.737 Übernachtungen von Januar bis Juni im Schnitt 5,5 und bei 167.758 Übernachtungen 4,5 Tage verweilten, waren es in Stormarn gerade 2,4.

Bis zu sieben Millionen Tagesgäste pro Jahr

„Was die Statistik allerdings nicht ausweist, sind die vielen Tagesgäste“, sagt Günter Schmidt, Geschäftsführer der Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH (HLMS), die den Tourismus in beiden Kreisen managt. Laut Schätzungen besuchen Stormarn rund sieben Millionen Tagesausflügler pro Jahr. Und die schlagen bei der wirtschaftlichen Gästebewertung im Umland der großen Hanse-Metropole Hamburg immerhin mit bis zu 55 Prozent zu Buche. In den offiziellen Statistiken fehlten zudem die Campingtouristen und jene Urlauber, die in privaten Ferienzimmern sowie kleinen Pensionen mit weniger als zehn Betten nächtigen. Schmidt beziffert allein dieses Klientel auf etwa 200.000 Besucher. „Stormarn ist bislang vor allem ein Kreis für Kurztrips und Zwischenstation für Durchreisende“, so Schmidts Fazit.

Das soll sich aber ändern. Deshalb hatte der Kreis bereits im August 2020 ein neues Tourismuskonzept in Auftrag gegeben. „Es soll uns eine Vision für die künftige Aufstellung des Tourismus in Stormarn liefern, konkrete Handlungsfelder sowie effiziente und marktorientierte Schritte für die Weiterentwicklung benennen“, umreißt Fachdienstleiter Thilo Scheuber die Intention.

Urlaub in Deutschland ist stärker nachgefragt

„Bis Ende der 2000er-Jahre war der Kreis auf der touristischen Landkarte Deutschlands doch kaum existent“, befand Andreas Lorenz vom Berliner Büro tourismus plan B, der die 104 Seiten umfassende Analyse unlängst im Wirtschaftsausschuss des Kreistages vorstellte. Spätestens 2011 sei mit Gründung des Tourismusmanagements Stormarn (TMS) erkannt worden, dass der Tourismus längst zu einem entscheidenden Standortfaktor im Wettbewerb zwischen den Regionen geworden ist. Zumal sich die Freizeit- und Reisebedürfnisse der Deutschen im Zuge der Corona-Pandemie deutlich verändert hätten.

„Die Nachfrage nach Urlaub in Deutschland hat deutlich zugenommen“, weiß Lorenz. Und dieser Trend werde sich aller Voraussicht nach verstetigen. Ebenso wie der Drang von Stadtbewohnern raus aufs Land und in die Natur zu wollen. „Mit den Bewohnern der Hansestädte Hamburg und Lübeck hat Stormarn hier einen riesigen Quellmarkt direkt vor der Haustür, der mit zielführenden Angeboten noch besser erschlossen werden kann“, so Lorenz.

Emotionale Erlebnisse entlang der Servicekette sind gefragt

Gut aufgestellt sei der Kreis bereits hinsichtlich des Radtourismus. Er verfüge flächendeckend über viele Rad- und Wanderwege, auf denen themenbezogene Touren, etwa entlang alter Bahntrassen oder Krimi-Trails, möglich seien. Was aber oft fehle, sei die Verknüpfung mit Alleinstellungsmerkmalen, wie zum Beispiel dem Schloss Ahrensburg oder dem Schloss Reinbek als Imageträger, dem Barockgarten Jersbek oder dem Kloster Nütschau.

„Wenn ein Gast mit dem Rad unterwegs ist, will er mehr als gut ausgeschilderte Wege und ein Hotelbett“, sagt Lorenz. Er wolle auch emotionale Erlebnisse entlang der Servicekette, die in Erinnerung bleiben. „Deshalb müssen touristische Themen wie Natur, Sport, Sightseeing und Kultur kombiniert und in Erlebniswelten gebündelt werden“, erklärt der Experte. Aus diesem Grund empfiehlt das Berliner Büro tourismus plan B die Vermarktung von vier Erlebniswelten: „Natürlich Stormarn“, „Landpartie Stormarn“, „Stormarn kulturell-kreativ“ und „Sportlich Stormarn“ sowie „Stormarn plus“, touristische Verknüpfungen mit Hamburg, Lübeck und der Ostseeküste.

Rund 70 Projekte haben die Gutachter vorgeschlagen

Bei Touren in die Naturschutzgebiete und Moore geht es in erster Linie um die Verbindung von Naturerlebnissen, Stressabbau und sportlichen Aktivitäten. Bei Landpartien um das Erleben ländlicher Idylle und regionaler Küche und, ja, auch um Müßiggang. Für sportive Herausforderungen sollen Kanu-Touren auf der Trave ebenso sorgen wie SUP-Touren auf den Seen oder Trailrunning und Trekking durch Wald und Flur. Und bei Ausflügen zu Schlössern, Herrenhäusern, Gärten und Kunststätten stehen kulturelles Interesse, Horizonterweiterung und Inspiration im Vordergrund.

Rund 70 Projekte haben die Konzeptkreateure vorgeschlagen, um die touristischen Highlights noch besser in Szene zu setzen und damit mehr Gäste für einen längeren Aufenthalt in den Kreis zu locken. Von besonderen Veranstaltungen an besonderen Orten über Exkursionen in die Moore bis zu mehr Verleihstationen für (E-)Bikes, Kanus und SUPs. „Für emotionale Urlaubsversprechen, die so eben nur in Stormarn einlösbar sind“, sagt Andreas Lorenz.

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