Ehrenpreisverleihung

Klaus-Peter Leiste: Der Mann mit Herz für Willinghusen

| Lesedauer: 4 Minuten
René Soukup
Klaus-Peter Leiste (76) hat diesen Findling über einen Landwirt besorgt anlässlich der 777-Jahr-Feier in Willinghusen. Er organisiert Veranstaltungen für den Bürgerverein und bringt auf diesem Weg Menschen zusammen.

Klaus-Peter Leiste (76) hat diesen Findling über einen Landwirt besorgt anlässlich der 777-Jahr-Feier in Willinghusen. Er organisiert Veranstaltungen für den Bürgerverein und bringt auf diesem Weg Menschen zusammen.

Foto: René Soukup

Barsbüttel zeichnet Klaus-Peter Leiste mit Ehrenpreis aus. Der engagiert sich seit Jahrzehnten für Ortsteil Willinghusen.

Barbüttel. Anpacken und sich dabei für die Gemeinschaft einsetzen: Das beherzigte Klaus-Peter Leiste schon in seiner Jugend. Zum Beispiel im Februar 1962 bei der Hamburger Sturmflut als Jugendrotkreuz-Mitglied (JRK). Mit einem Helikopter ließ er sich vom Jenischpark, wo ein provisorischer Landeplatz eingerichtet war, ins Alte Land bringen, verteilte dort Lebensmittel und Wolldecken.

Auch für sein Dorf, den Barsbütteler Ortsteil Willinghusen, legt sich der Rentner seit Jahrzehnten mächtig ins Zeug und bringt vor allem Menschen zusammen. Für sein Engagement wurde er jetzt mit dem Ehrenpreis der Gemeinde ausgezeichnet. „Ich weiß das zu schätzen und bin sehr dankbar“, sagt der 76-Jährige. Ein Leben ohne Ehrenamt könne er sich nicht vorstellen. „Das hält fit, vor allem geistig.“ Leiste ist Beisitzer im 150 Mitglieder zählenden Bürgerverein, der Klöntreffs organisiert und Veranstaltungen mit Live-Musik – noch in einer ehemaligen Kneipe, die er und seine Mitstreiter in Eigenregie renoviert haben. Die Gemeinde hat das Haus gemietet, stellt Räume zur Verfügung. Im Dezember endet der Vertrag. Dann geht es für den Verein in die Rhabarberkate, wo er bestimmte Zeitfenster bekommt. Den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses hat die Politik wegen der hohen Schulden Barsbüttels zurückgestellt. Dass das Projekt nicht in der Schublade verstaubt, dafür wird sich Leiste weiterhin einsetzen.

Erfolgreicher Kampf gegen Magnetschwebebahn

Kämpfen kann der gebürtige Blankeneser. Vor rund 30 Jahren ging er mit einer Bürgerinitiative gegen die geplante Transrapidstrecke entlang der A 24 an. „Wir haben Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg besucht, Informationsmaterial an die Bevölkerung verteilt. Dadurch haben sich weitere Initiativen gebildet“, sagt er im Rückblick mit Genugtuung. Die Magnetschwebebahn wurde nicht gebaut.

Leiste ging in die Politik, war erst wählbarer Bürger im Ortsbeirat und dann SPD-Gemeindevertreter. Wegen Meinungsverschiedenheiten trat er aus der Partei aus. 20 Jahre brachte sich der Ehrenamtler im Festausschuss der Feuerwehr ein und ist inzwischen Ehrenmitglied. Seine organisatorischen Fähigkeiten bewies er vor allem bei der 777-Jahr-Feier Willinghusens 2015. Unter Leistes Leitung entwickelte ein Team ein dreitätiges Programm unter anderem mit Musikern, Open-Air-Gottesdienst, Ausstellung und Kinderspielen. An das Jubiläum erinnert ein Findling samt Gravur nur wenige Meter entfernt von seinem Endreihenhaus. Den Stein hatte er über einen Landwirt besorgt.

Leiste lebt mit seiner Frau Siegrid (74) seit 1986 im Süden Stormarns, die beiden sind seit 46 Jahren verheiratet. Tochter und Sohn wohnen ebenfalls in Barsbüttel. Mit Begeisterung erzählt er von seinen drei Enkelkindern, definiert Glück nicht mit materiellen Dingen, sondern finde dieses in einer zufriedenen Gemeinschaft. „Es ist schön, im Ort etwas bewegen zu können für ein besseres Miteinander“, sagt der Ehrenpreisträger, der viel in der Welt herumgekommen ist.

Erst Seemann, dann Hauptkommissar

Nach der Schule macht Leiste eine dreimonatige Grundausbildung an der Seemannsschule Blankenese, fährt anschließend rund um den Globus. Er wird Schiffsoffizier, Routen führen nach Japan, Indonesien, Südamerika, Kanada. In New York sitzt er drei Monate fest, weil die Hafenarbeiter streiken. Sein Verdienst in den 60er-Jahren: 75 Mark im Monat. „Der Wechselkurs war schlecht, für vier Mark gab es einen Dollar, da konnten wir keine großen Sprünge machen.“ Trotz aller Widrigkeiten wie etwa 30 Meter hoher Wellen im Nordatlantik und vieler Überstunden bereue er keinen Tag auf See.

Trotzdem war es an der Zeit, sesshaft zu werden. Weil Leiste das nautische Patent erworben hatte, ergaben sich neue berufliche Möglichkeiten. Er heuerte 1973 bei der Wasserschutzpolizei an, wurde Hauptkommissar und setzte sich als stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Hamburg für Kollegen ein.

„Klaus-Peter Leiste ist ein unermüdlicher Kämpfer für Willinghusen. Er vertritt seine Interessen mit Nachdruck und Beharrlichkeit, bleibt dabei aber immer sachorientiert“, sagt Rainer Eickenrodt, Fraktionschef der Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (BfB). Die Politiker im Hauptausschuss entscheiden, wer den Ehrenpreis erhält. Parteimitglieder werden noch oft von Leiste hören. Denn solange der Bau des Dorfgemeinschaftshauses nicht sicher ist, wird er keine Ruhe geben.

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