Ahrensburg

Bürgermeisterkandidaten liefern sich finales Triell im Süden

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Filip Schwen
Die drei Bewerber um das Ahrensburger Bürgermeisteramt, Eckart Boege (SPD, v. l.), Thomas Schreitmüller (parteilos) und Christian Schubbert (Grüne) bei der Debatte im Stadtteil Ahrensfelde.

Die drei Bewerber um das Ahrensburger Bürgermeisteramt, Eckart Boege (SPD, v. l.), Thomas Schreitmüller (parteilos) und Christian Schubbert (Grüne) bei der Debatte im Stadtteil Ahrensfelde.

Foto: Filip Schwen / HA

Bei der Debatte in Ahrensfelde geht es um die S 4, die geplante Gütertrasse, Durchgangsverkehr und die Erreichbarkeit des Rathauses.

Ahrensburg. Ausbau der S 4, Gütertrasse, Durchgangsverkehr und die politische Beteiligung der Ortsteile am Stadtrand – bei der Debatteder Bewerber um das Ahrensburger Bürgermeisteramt am Donnerstag im Stadtteil Ahrensfelde standen die Themen im Fokus, die den Süden der Schlossstadt bewegen. Doch nicht nur, weil viele der diskutierten Punkte auch für den Rest Ahrensburgs von Relevanz sind, war die Veranstaltung erkenntnisreich.

Bürgermeisterkandidaten liefern sich finales Triell in Ahrensfelde

Gute eineinhalb Wochen vor der Wahl nutzten die drei Kandidaten Eckart Boege (SPD), Christian Schubbert (Die Grünen) und Thomas Schreitmüller (parteilos) das finale Aufeinandertreffen, um sich noch einmal voneinander abzugrenzen. Und: Die bislang omnipräsente Parkplatz-Debatte fand überraschend mit keinem Wort Erwähnung. Eingeladen hatten diesmal die Bürgergemeinschaften aus den südlichen Ahrensburger Stadtteilen Waldgut Hagen, Am Hagen, Ahrensburger Kamp und Ahrensfelde sowie die Interessengemeinschaft Tunneltal.

Die Veranstaltung stößt auf großes Interesse bei Zuschauern

Das Interesse war groß: Rund 60 Zuschauer kamen in die Reithalle des Barghofs in Ahrensfelde, um die Debatte der Bürgermeisterkandidaten zu verfolgen. So viele, dass die Veranstalter kurzfristig noch zusätzliche Hocker heranschaffen mussten. Die Moderation übernahm, wie schon bei der Runde vor den Kaufleuten und Gastronomen, erneut Hauke Wendt, Leiter der Musicalschule Ahrensburg. Den Fragenkatalog hatten die Veranstalter im Vorfeld festgelegt.

Ahrensfelder beklagen Raser und Zunahme des Durchgangsverkehrs

Zuerst ging es um die Verkehrssituation auf der Dorfstraße und dem Braunen Hirsch. Anwohner beklagen seit Jahren eine drastische Zunahme des Durchgangsverkehrs, da viele Autofahrer die Trasse als schnelle Verbindung zwischen Volksdorf und der Autobahn 1 nutzten. Besonders in der Dorfstraße in Ahrensfelde halte sich kaum jemand an Tempo 30 – trotz Fahrbahnverschwenkungen und Verkehrsinseln. „Viele Ahrensfelder fühlen sich wie die Anwohner einer großen Hauptstraße und fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder“, führte Wendt ein und wollte von den Kandidaten wissen, wie sie Abhilfe schaffen wollten.

Boege möchte sich für weitere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen einsetzen

Alle drei Bewerber versprachen Nachbesserungen. Boege gab zu bedenken, dass die Stadt Ahrensburg nicht die Aufsicht über den fahrenden Verkehr habe, sondern diese beim Kreis liege. Tempokontrollen fielen daher nicht in die Zuständigkeit des Bürgermeisters. Er versicherte aber: „Ich werde mich für weitere bauliche Maßnahmen einsetzen, denn alles, was den Verkehr verlangsamt, macht die Route unattraktiver für den Durchgangsverkehr.“

Schubbert will Zuständigkeit für fahrenden Verkehr im Rathaus ansiedeln

Schubbert verwies darauf, dass sich seine Fraktion bereits in der Vergangenheit für eine Verkehrsberuhigung in Ahrensfelde eingesetzt habe. Er wolle als Bürgermeister beim Kreis dafür werben, dass Ahrensburg die Aufsicht über den fahrenden Verkehr von diesem übertragen bekommen. „Norderstedt hat das auch geschafft“, sagte der Grüne.

Schreitmüller versucht, mit eigener Biographie zu punkten

Schreitmüller versuchte, mit biografischen Elementen zu punkten. „Ich kenne die Verkehrssituation in Ahrensburgs Süden seit Jahrzehnten“, sagte der 53-Jährige, der im Hagen aufgewachsen ist. Auch Barsbüttels amtierender Verwaltungschef möchte die Kontrollbefugnis in Ahrensburgs Hände legen. In Anspielung auf Schubbert sagte er: „Der Kreis ist aber der falsche Ansprechpartner, die Entscheidung trifft das Innenministerium in Kiel.“

Der Südtangente erteilen alle drei Bewerber eine Absage

Der Südtangente, die in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert worden war, um die Strecke durch Ahrensfelde und den Hagen zu entlasten, erteilten alle drei Kandidaten eine Absage. „Die Trasse wurde ausführlich geprüft, mit dem Ergebnis, dass sie nicht realistisch ist“, sagte Schreitmüller. Auch Boege hält die Südtangente für „ausdiskutiert“. Schubbert wies darauf hin, dass eine solche auch aus finanziellen Gründen derzeit nicht möglich sei.

Kandidaten wollen notfalls gegen Ausbau der Gütertrasse klagen

Beim Thema S-4-Ausbau bekräftigten alle drei Kandidaten, im Notfall gegen den von der Bahn geplanten Ausbau der Gütertrasse durch Ahrensburg in Richtung künftiger Fehmarnbeltquerung klagen zu wollen. Boege gab allerdings zu bedenken, dass die Erfolgsaussichten eher gering seien. „Leider ist der Einfluss Ahrensburgs in dieser Sache begrenzt und ich befürchte, dass er nicht ausreichen wird, selbst, wenn wir uns alle anstrengen“, so der SPD-Bewerber.

Bei der Diskussion über Ortsteilbeiräte gehen die Meinungen auseinander

Auseinander gingen die Meinungen bei der Frage, ob sich die Kandidaten für die Gründung von Ortsteilbeiräten als beratende Gremien für die Stadtverordnetenversammlung einsetzen wollen, damit die Interessen der Randgebiete der Schlossstadt politisch mehr Gehör fänden. Schreitmüller und Schubbert antworteten mit Ja. „Wir haben in Barsbüttel sehr positive Erfahrungen mit solchen Gremien gemacht“, sagt der parteilose Kandidaten, der von der CDU nominiert wurde.

Boege wünscht sich stattdessen Stadtverordneten aus Ahrensfelde

Schubbert versprach, Ortsbeiräte vom Justiziar prüfen zu lassen. Einzig Boege stellte sich gegen die Idee. „Ich möchte, dass wir die Dinge gemeinsam als Stadt angehen, anstelle die Ortsteile gegeneinander auszuspielen“, sagte der 43 Jahre alte Diplom-Mathematiker. Er wünsche sich stattdessen, dass jemand aus Ahrensfelde als Stadtverordneter kandidiere.

Schubbert möchte politische Sitzungen nicht ins Internet übertragen

Unterschiedliche Positionen gab es auch dazu, ob politische Sitzungen ins Internet übertragen werden sollten, um die Transparenz für Bürger zu erhöhen. Boege und Schreitmüller warben dafür. „Es gibt eine Reihe Kommunen, in denen das praktiziert wird“, sagte Schreitmüller. Schubbert äußerte Bedenken. „Viele Stadtverordnete haben Bedenken, dass ihre Wortbeiträge mitgeschnitten und anschließend verkürzt oder verfälscht weiterverbreitet werden“, sagte der 52-Jährige, der selbst seit 2008 in Ahrensburgs Stadtparlament sitzt.

Über dringenden Handlungsbedarf bei der Digitalisierung besteht Einigkeit

Auch beim Thema Digitalisierung der Verwaltung gingen die Meinungen auseinander, auch wenn alle Kandidaten Handlungsbedarf sehen. Schreitmüller und Schubbert sprachen sich dafür aus, das Personal in der IT-Abteilung aufzustocken. Boege möchte lieber auf externe Dienstleister zurückgreifen.

Alle Bewerber wollen bessere Erreichbarkeit des Rathauses

Einig waren sich wiederum alle, dass die Erreichbarkeit der Verwaltung verbessert werden müsse. Zurzeit ist das Rathaus als Folge der Pandemie noch immer für den Besucherverkehr geschlossen. Viele Bürger beklagen eine schlechte Erreichbarkeit per Telefon und lange Wartezeiten für Termine.Dafür gab es von allen drei Bewerbern scharfe Kritik. „Die Telefonanlage der Verwaltung ist schrott, das muss man so deutlich sagen“, sagte Schubbert. Der selbstständige Werbeartikelhändler fügte hinzu: „Der amtierende Bürgermeister möchte sie bis zum Ende der Rathaussanierung erneuern lassen, ich sage, das geht auch sofort.“

Schreitmüller: „Gibt keine Vorschrift, dass wir die Türen abschließen müssen“

Boege sagte. „Wir sind nur in dieser Situation, weil die Verwaltung die Digitalisierung verschlafen hat.“ Da gelte es, schnell aufzuholen. Schreitmüller äußerte grundsätzliche Kritik daran, dass das Rathaus noch immer nicht wieder für jeden zugänglich sei. „Es gibt keine Arbeitsschutzvorschrift, die vorschreibt, dass wir die Türen abschließen müssen.“ In Barsbüttel sei das Rathaus lange wieder geöffnet. Der CDU-Kandidat sagte: „Ich denke, egal wer am Ende gewählt wird, das wird sich sofort ändern.“

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