Bundestagswahl

AfD-Kandidatin findet Angriffe auf Wahlplakate respektlos

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Lutz Kastendieck
Wiebke Neumann, AfD-Direktkandidatin im Wahlkreis 10 Herzogtum Lauenburg/Stormarn-Süd, auf dem Gelände des Waldkindergartens ihrer Heimatgemeinde Trittau, den sie selbst mit ins Leben gerufen hat.

Wiebke Neumann, AfD-Direktkandidatin im Wahlkreis 10 Herzogtum Lauenburg/Stormarn-Süd, auf dem Gelände des Waldkindergartens ihrer Heimatgemeinde Trittau, den sie selbst mit ins Leben gerufen hat.

Foto: Lutz Kastendieck

Wer schafft den Sprung in den Bundestag? Das Abendblatt stellt Direktkandidaten vor. Heute: Wiebke Neumann (AfD) im WK 10.

Trittau.  „Ich bin Wiebke – aber normal“. Mit diesem Slogan endet ein Imagefilm der Alternative für Deutschland, mit dem sich Wiebke Neumann für das Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis 10 Herzogtum Lauenburg/Stormarn-Süd bewirbt. Zu sehen ist es seit vergangenem Wochenende auf der Video-Plattform YouTube. Andere, frei zugängliche Informationen sind eher rar. Ebenso wie sonst übliche Wahlplakate mit ihrem Konterfei.

Wie viele es überhaupt in ihrem Wahlkreis gibt, vermochte die kaufmännische Angestellte bei einer mittelständischen Hamburger Firma für Tankstellentechnik nicht einmal zu sagen. Zumal ja auch immer wieder Wahlplakate der Partei beschädigt oder gleich ganz verschwinden würden.

Auch Kreisverband Stormarn erwägt Kopfprämie

„Ich empfinde das als respektlos. Wir stellen als demokratisch gewählte Partei aktuell immerhin die größte Oppositionsfraktion im Bundestag. Also sollten wir ebenfalls das Recht haben, unsere Kandidaten und Positionen öffentlich zu machen“, sagt Wiebke Neumann. Deshalb seien die Angriffe nicht nur undemokratisch, sondern formaljuristisch auch Sachbeschädigung. Und damit keineswegs ein „Kavaliersdelikt“. Nach dem Kreisverband im Herzogtum erwäge der Kreisverband Stormarn nun ebenso das Aussetzen einer „Kopfprämie“ für Hinweise auf Täter.

Laut Neumann haben die verbalen Attacken bei Wahlkampfauftritten und an Infoständen zwar nachgelassen, die Gewaltbereitschaft, insbesondere aus dem linksradikalen Lager, aber zugenommen. Wie jüngst bei einer Wahlveranstaltung in Hamburg-Harburg, die massiv von Mitgliedern der Antifa gestört worden sei.

Der eigene Lebensgefährte als Bodyguard

Deshalb gebe es de facto keine Auftritte im öffentlichen Raum ohne eine gewisse Sollstärke an Parteimitgliedern und zusätzlichen Security-Kräften. Fast immer sei auch die Polizei vor Ort. Und so oft es gehe, werde sie von ihrem Lebensgefährten, einem kräftigen Handwerker, als Bodyguard begleitet.

Neumann selbst ist keineswegs ängstlich. Im vergangenen Jahr hat sie sogar mit dem Boxtraining begonnen. „Es kräftigt, ist gut für die allgemeine Fitness und Beweglichkeit, stärkt das Selbstbewusstsein. Und es eignet sich wunderbar, um Dampf abzulassen“, umreißt sie die zahlreichen positiven Aspekte des sportlichen Faustfechtens.

Von ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn beseelt

Zum Dampfablassen gebe es ihrer Ansicht nach viel Anlass. Als Mensch mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn störe sie nicht nur der oft pauschalisierende Umgang mit ihrer Partei. Das knapp drei Minuten lange Imagevideo bündelt all das, was aus ihrer Sicht schiefläuft in Deutschland:

Den Verlust von Grundrechten durch die Corona-Pandemie. Die Verschwendung von Steuergeldern für die Zuwanderung. Die Schwächung des Mittelstands durch Bürokratie, hohe Abgaben und unverhältnismäßige Infektionsschutzmaßnahmen. Die Stigmatisierung und Kriminalisierung der Landwirte. Die zunehmende Spaltung des Landes. Um diese „Missstände“ zu verändern, bedürfe es eines radikalen Richtungs- und Paradigmenwechsels in der Politik.

Dass die Mutter zweier erwachsener Söhne dafür sogar in Berlin in den Ring steigen will, hat der Rückzug des eigentlich vorgesehenen AfD-Direktkandidaten Bruno Hollnagel ermöglicht. Ende Juni dieses Jahres hat der Wirtschafts- und Finanzexperte und ehemalige Spitzenkandidat des Landesverbands der Bundestagsfraktion seiner Partei den Rücken gekehrt. Dadurch ist Wiebke Neumann nun auch noch auf den aussichtsreichen Platz vier auf der Landesliste vorgerückt.

Daheim den Waldkindergarten durchgesetzt

Nach einigen Jahren als Gemeindevertreterin für die freie Bürgergemeinschaft Trittau (BGT) hat sie längst der Ehrgeiz gepackt, den politischen Diskurs nun sogar in der Kapitale zu befeuern. „Idealismus ist da im Ernstfall wichtiger als Erfahrung“, sagt Neumann und traut sich die neue Rolle in Deutschlands wichtigstem Parlament allemal zu.

„Dass ich etwas bewegen kann, habe ich bei der Durchsetzung des Waldkindergartens in meiner Heimatgemeinde gesehen“, sagt Neumann. 13 Monate habe es gedauert, doch dann sei sie mit ihren Mitstreitern gegen viele Widerstände endlich erfolgreich gewesen.

Am Rande der Hahnheide aufgewachsen und verwurzelt

Wiebke Neumann spürt eine große Verbundenheit zu ihrer Heimatgemeinde Trittau. Hier, am Rande der Hahnheide, ist sie aufgewachsen und zur Schule gegangen. Hier war schon ihr Vater Arno Trapp viele Jahre Gemeindevertreter für die CDU und stellvertretender Bürgermeister. Nicht alle hätten ihren Wechsel 2018 zur AfD nach einem Test am Wahl-O-Mat goutiert. „Damit kann ich aber leben“, sagt die resolute Blondine.

Eine Alternative zur Alternative für Deutschland sehe sie im gegenwärtigen Parteienspektrum jedenfalls nicht. „Sie ist meine politische Heimat, weil sie eine echte Volkspartei ist, in der viele Ansichten toleriert werden“, sagt sie. Einen extrem rechten Flügel vermag sie dort trotz Mitgliedern wie Björn Höcke und Co. aber nicht zusehen, zwei starke Flügel aber schon: „Ist doch gut so, denn zum Fliegen braucht es nun mal zwei Flügel.“

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