Polizei Ahrensburg

Tote in Flüchtlingsheim: Ermittler schließen Selbstmord aus

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Mitarbeiter der Spurensicherung stellen am Dienstagmittag in der Einrichtung am Kornkamp Beweismittel sicher.

Mitarbeiter der Spurensicherung stellen am Dienstagmittag in der Einrichtung am Kornkamp Beweismittel sicher.

Foto: Filip Schwen / HA

Leiche weist zahlreiche Stichverletzungen auf. Ermittler gehen von Gewaltverbrechen aus. 38-jähriger Ehemann festgenommen.

Ahrensburg. Einen Tag nach dem Fund einer Frauenleiche in der Flüchtlingsunterkunft am Kornkamp in Ahrensburg haben Polizei und Staatsanwaltschaft erste Ermittlungsergebnisse bekanntgegeben. Demnach handelt es sich, wie vermutet, um die 23 Jahre alte Ehefrau des Afghanen, der am Dienstag in Bayern festgenommen wurde.

Ermittler schließen Selbstmord nach Fund einer Frauenleiche in Flüchtlingsheim aus

Der Mann, dessen Alter die Ermittler auf 38 Jahre korrigieren, hatte bei seiner Vernehmung angegeben, dass seine Ehefrau tot in der gemeinsamen Wohnung in Ahrensburg liege, wo sie sich zwei Tage zuvor selbst gerichtet haben soll.

Beamte in der Schlossstadt gingen dem Hinweis nach und fanden tatsächlich die Leiche der ebenfalls aus Afghanistan stammenden 23-Jährigen vor. Die Ermittler halten die Darstellung des 38-Jährigen für nicht glaubwürdig und gehen von einem Gewaltverbrechen aus.

Der Leichnam weist eine Vielzahl Stich- und Schnittverletzungen auf

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam die Frau durch eine erhebliche Anzahl Schnitt- und Stichverletzungen zu Tode. „Nach erster Einschätzung eines Rechtsmediziners aufgrund der Untersuchung des Leichnams am Fundort spricht nichts dafür, dass die Frau sich die Verletzungen selbst beigebracht haben könnte“, so die Ermittlungsbehörde. Die Obduktion der Toten soll am heutigen Mittwoch erfolgen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Ehemann wollte mit Reisebus in Richtung Mailand ausreisen

Unterdessen machten Polizei und Staatsanwaltschaft auch weitere Angaben zu dem Umständen der Festnahme des Ehemannes. Demnach war der 38-Jährige mit einem Reisebus mit dem Fahrtziel Mailand auf der Autobahn 9 unterwegs, als Beamte der Bundespolizei am Autohof Münchberg (Landkreis Hof) eine Routinekontrolle vornahmen. Der Afghane, der erstmals 2018 nach Deutschland eingereist sei, habe über einen gültigen Reisepass seines Heimatlandes sowie über Dokumente, die eine Duldung belegen, verfügt, aber dennoch ausreisen wollen.

Der 38-Jährige soll noch heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden

Zugleich sei jedoch ein abgelaufener italienischer Aufenthaltstitel bei dem 38-Jährigen gefunden worden. Zudem habe es Widersprüche zwischen den Angaben des Mannes zu seinem Aufenthalt und den Erkenntnissen der Polizeibeamten dazu gegeben.

„Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat beim Amtsgericht Hof den Erlass eines Untersuchungshaftbefehls wegen des dringenden Verdachts des Totschlags beantragt“, so eine Sprecherin. Der 38-Jährige soll noch heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Staatsanwaltschaft und Bezirkskriminalinspektion (BKI) in Lübeck haben die Ermittlungen übernommen.

( fsn )

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