Lobby für Senioren

In Trittau kann der Seniorenbeirat auch mal nerven

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Elvira Nickmann
Bürgermeister Oliver Mesch (l.) und der Seniorenbeiratsvorsitzende Christian Gajda vor dem Bürgerhaus. Dort hält der Beirat seine Sprechstunden ab.

Bürgermeister Oliver Mesch (l.) und der Seniorenbeiratsvorsitzende Christian Gajda vor dem Bürgerhaus. Dort hält der Beirat seine Sprechstunden ab.

Foto: Gemeinde Trittau

Christian Gajda (75) will nach zwölf Jahren Amtszeit nicht erneut kandidieren. In dieser Zeit hat er viel für Ältere erreicht.

Trittau. Es gibt Dinge, die darf man erst ab einem gewissen Alter: Bundespräsident werden ist zum Beispiel erst ab 40 Jahren möglich. Wer für den Seniorenbeirat in Trittau kandidieren will, muss sogar mindestens 60 Jahre alt sein. Christian Gajda setzt sich seit zwölf Jahren als Mitglied des Seniorenbeirats für die Belange von älteren Trittauern ein, davon elf Jahre als Vorsitzender des Gremiums. Wenn am 18. November der neue Seniorenbeirat gewählt wird, wird Gajda nicht mehr zur Wahl stehen. Für seine Entscheidung führt der 75-Jährige persönliche Gründe an. Unter anderem will er den Weg freimachen für andere, die gern gestalten und anpacken. Gajda sagt: „Neue Leute bringen frische Ideen mit.“ Er halte es außerdem für keine gute Idee, den Vorsitz abzugeben, aber weiterhin als Mitglied aktiv zu sein. „Das ist eine Belastung für den neuen Seniorenbeirat, wenn der alte Vorsitzende da mitmischen will“, bringt er es auf den Punkt.

Kandidaten dürfen ruhig ein bisschen frech sein

Konsequent zu Ende gedacht, immer das Wohl der Zielgruppe vor Augen: So haben Verwaltung und Politik Gajda über die Jahre hinweg erlebt. Bürgermeister Oliver Mesch formuliert das so: „Christian Gajda hat die Arbeit der Gemeinde konstruktiv-kritisch begleitet.“ Das müsse auch so sein, so Mesch weiter. „Ein guter, engagierter Seniorenbeirat, der sich für die Interessen der Senioren einsetzt, ist wichtig.“ Dazu gehöre auch, „dass er auch einmal nerven muss“.

Bei Gajda hört sich das so an: „Kandidaten sollten eine soziale Einstellung haben, neugierig und auch ein bisschen frech sein.“ Denn manchmal komme man mit Logik allein nicht weiter und „dann muss man zu härteren Mitteln greifen“, sagt er mit einem Zwinkern.

Beirat hat Rederecht, darf aber nicht abstimmen

Bevor sich ein Interessent zur Wahl aufstellen lasse, solle er gründlich prüfen, ob er in der Lage sei, das Amt vier Jahre verantwortlich auszufüllen. Es gehe in der Hauptsache darum, die Belange der Senioren gegenüber der Verwaltung und Politik zu vertreten. „Wir sitzen in der Gemeindevertretung, allen Ausschüssen und im Kuratorium der Volkshochschule“, zählt Gajda auf. „Ohne Stimmrecht, aber mit Rederecht zu allen Themen.“ Dass er nicht abstimmen dürfe, störe ihn weniger, so Gajda. „Ich möchte die Leute lieber überzeugen von Anliegen, die mir wichtig sind.“ Der Beirat dürfe Vorschläge machen, aber das Abstimmen sei den Ausschussmitgliedern vorbehalten.

Welchen Stellenwert das Rederecht hat, ordnet Bürgermeister Mesch so ein: „Christian Gajda hat wichtige Wortbeiträge und Impulse geliefert und Dinge angesprochen, die sonst nicht auf der Agenda gelandet wären.“ Wie den barrierefreien Zugang zur Wassermühle, dessen letzter Bauabschnitt 2022 fertiggestellt werden soll. Oder die elf Bänke, auf denen nicht nur Senioren auf ihren täglichen Wegen durch die Gemeinde eine Rast einlegen können.

Gemeinde unterstützte Projekte anfangs nicht

Dabei habe die Gemeinde anfangs nichts von den Ideen des Beirates hören wollen, es habe nur geheißen, dass dieser sich dann eben Sponsoren suchen müsse. „Irgendwann hat die Gemeinde wohl gemerkt, dass es vielleicht peinlich ist, wenn sich der Seniorenbeirat allein um alles kümmert“, sagt Gajda. So habe dieser die Schach-Anlage hinter dem Bürgerhaus über Sponsoren finanziert, die Boulebahn und die Fitnessgeräte habe jeweils die Gemeinde beigesteuert.

Inzwischen ist Gajda nach eigenem Bekunden sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. „Wenn ich mit etwas Neuem komme, überlegen wir gemeinsam, ob und wie das Vorhaben umgesetzt werden könnte.“ Die Diskussion darüber werde inzwischen auf allen Ebenen und in allen Abteilungen offen geführt, „und wir haben immer eine Lösung gefunden“.

Notfallmappe und Frühstück kommen gut an

Gajda war es auch, der die Notfallmappe für Senioren initiiert hat, für die es sogar eine Anfrage aus Hessen gab. „Darauf bin ich stolz, das hat Kreise gezogen“, sagt der sonst so bescheiden auftretende Vorsitzende.

Als Erfolg verbucht er auch das vor Pandemiezeiten regelmäßige Frühstück für Senioren, zu dem jeweils ein Dozent zu unterschiedlichen Themen wie polizeilicher Prävention, Unfällen im Haushalt oder medizinischen Inhalten eingeladen wurde. Das Angebot kam bei den Bürgern unglaublich gut an, etwa 60 Senioren waren bei jedem Termin zugegen.

Vorsitzender findet auch mal deutliche Worte

Wer im Seniorenbeirat mitarbeiten wolle, solle gern mit Menschen zu tun haben und sich Gedanken über sie machen, so Gajda. Die Arbeit habe ihm all die Jahre über Spaß, Freude und Zufriedenheit gebracht. Manche Bürger hätten die Sprechstunde genutzt, um bei Schwierigkeiten mit der Verwaltung um Unterstützung zu bitten. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man vermitteln und jemandem in schwierigen Umständen helfen kann“, findet Gajda.

Doch es geht auch drastisch, wenn nötig. Als ein Ausschussmitglied den Vorschlag machte, die Rettungsdienste im Schwimmbad in der Mittagszeit zu reduzieren, erwiderte Gajda, es wäre doch schade, wenn Schulkinder deswegen genau in dieser Zeit ertränken. Er ziehe es eher vor, wenn dieses Los stattdessen die Ausschussmitglieder ereile. Der Vorschlag wurde abgelehnt.

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