Kommunalpolitik

Oststeinbeks Volkshochschule soll mit Nachbar kooperieren

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René Soukup
In diesem Gebäude an der Möllner Landstraße hat die Oststeinbeker Volkshochschule ihren Sitz. Im Erdgeschoss ist eine Bücherei.

In diesem Gebäude an der Möllner Landstraße hat die Oststeinbeker Volkshochschule ihren Sitz. Im Erdgeschoss ist eine Bücherei.

Foto: René Soukup

VHS in Oststeinbek ist seit mehr als einem Jahr ohne Leitung. Politiker wünschen sich Partnerschaft mit Glinde oder Reinbek.

Oststeinbek. Das Frühjahrssemester 2022 ist gestrichen, die ehrenamtliche Leitungsstelle seit mehr als einem Jahr vakant: Die Oststeinbeker Volkshochschule hat gewaltige Probleme. In der Gemeinde gibt es Befürworter einer Schließung, doch die ist abgewendet. Stattdessen streben die Kommunalpolitiker eine Kooperation an – entweder mit Glinde oder Reinbek. Bürgermeister Jürgen Hettwer hat diesbezüglich bereits vorgefühlt und unter anderem Glindes Verwaltungschef Rainhard Zug kontaktiert, sagt: „Eine grundsätzliche Bereitschaft ist da.“

2019 fielen 20 Kurse aus ob fehlender Anmeldungen

Den Auftrag, die Zusammenarbeit mit einem der Nachbarn bis 31. Oktober zu vereinbaren, bekam Hettwer jetzt vom Finanz- und Wirtschaftsausschuss. Ziel ist es, in der neuen Konstellation am 1. Januar zu starten. Eine hauptamtliche Person einzustellen mit 20 Stunden pro Woche, die für die Geschicke der Einrichtung zuständig ist, lehnte die Politik ab. Pro Jahr wären rund 36.500 Euro Personalkosten fällig gewesen. Das Thema könnte aber wieder heiß werden, sollten die jetzigen Pläne scheitern. Auch wurde über das Aus der VHS zum 31. Dezember dieses Jahres abgestimmt. Nur Florian Tange von Ostbek.net war dafür und begründet seine Haltung so: „Die Volkshochschule kränkelt dahin. Es ist viel Frust entstanden, weil Kurse wegen mangelnder Teilnehmerzahl abgesagt worden sind.“ Er würde Angebote wie Yoga in den Oststeinbeker Sportverein verlagern, Sprachkurse über den Kulturring organisieren. „Und für Kochkurse, die einen festen Stamm haben, benötigen wir keine VHS. Da könnten wir der Leiterin einfach den Schlüssel für die Schulküche aushändigen“, so Tange.

Wie es um die Bildungsstätte bestellt ist, machte die Verwaltung anhand von Zahlen deutlich – aus der Zeit vor Corona. Die VHS ist defizitär, das Minus in 2019 betrug mehr als 25.000 Euro. 20 Kurse fielen aus. Für sie gab es nur 18 Anmeldungen bei 136 freien Plätzen – eine Auslastung von elf Prozent. Betroffen waren zum Beispiel „Word Grundlagen“, „Computerschreiben“, „Burnout-Prävention“ oder „Stress ade“. Durchgeführt wurden 43 Kurse mit einer durchschnittlichen Auslastung von 63 Prozent. Zwei Kochangebote waren voll belegt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Mielcarek hat selbst über 15 Jahre EDV-Kurse an der Volkshochschule angeboten und einen Sitz im Kuratorium. Er sagt: „Dort ist es einhellige Meinung, dass wir eine halbe Stelle schaffen für den Fall, wenn es nicht mit der Kooperation klappt.“ Für Bürgermeister Hettwer ist es nicht der erste Anlauf. Angestrebt war eine Partnerschaft mit Barsbüttel. Die Gespräche brachten keine Einigung.

Glinder VHS geht 2022 in Stiftung über

Zuletzt leitete Marika Sachse die Oststeinbeker Volkshochschule. Sie übernahm das Amt im April 2018, hörte im Juli 2020 auf – laut dem Rathauschef aus persönlichen Gründen. Drei Teilzeitkräfte arbeiten für das Lehrinstitut, eine davon ist ausschließlich für EDV-Angelegenheiten zuständig. Kollegen aus der Gemeindeverwaltung unterstützen, wenn Not am Mann ist. Wo sie bei einer Partnerschaft ihr Büro haben, müsste dann geklärt werden.

Oststeinsbeks Bürgermeister hat klare Vorstellungen: „Es wäre schon gut, das Administrative wie An- und Abmeldungen sowie Programmerstellung von hier aus zu erledigen.“ Hettwer ist es wichtig, Kursangebote im Ort zu halten. „Eine Kooperation halte ich für zielführend, weil wir nicht die Betriebsgröße haben.“ Wegen der Nähe habe Glinde Priorität. Oststeinbek müsste einen Teil des Gehalts der dortigen hauptamtlichen Leitung zahlen. Die wird noch gesucht. Ende dieses Monats soll eine Entscheidung getroffen werden. Mehrere Personen haben sich beworben.

Glindes Volkshochschule wird Anfang 2022 in die Sönke-Nissen-Park-Stiftung integriert als selbstständige Sparte mit dem Namen „Glinder Kultur- und Bildungswerk (GKB)“. Die aktuelle VHS-Leiterin Marlies Lehmann geht in den Ruhestand, soll die neue Führungskraft bis Ende dieses Jahres einarbeiten.

„Wir müssen uns erstmal selbst organisieren, können dann mit Oststeinbek sprechen. Die neue Leitung muss aber dabei sein“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug. Eine vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit schon im Januar hält er nicht für machbar.

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