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Glinde arbeitet an Kauf der Suck’schen Kate

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René Soukup
Die Suck’sche Kate ist in einem schlimmen Zustand.

Die Suck’sche Kate ist in einem schlimmen Zustand.

Foto: René Soukup

Das Kulturdenkmal und Wahrzeichen der Stadt verkommt. Glindes Bürgermeister verhandelt nun intensiv mit Eigner über Kauf.

Glinde. Die Chance ist zum Greifen nahe: Womöglich kauft Glinde bald die Suck’sche Kate, ein reetgedecktes Fachwerkhaus, das Kulturdenkmal ist und zusehends verkommt – was nicht nur Politiker ärgert. Zur Rettung der Immobilie hatte sich im vergangenen Jahr eine Bürgerinitiative gegründet. Verwaltungschef Rainhard Zug führt gerade Gespräche mit dem Eigentümer. Er sagt: „Wir haben einen sehr intensiven Kontakt, darüber bin ich froh. Auch Kaufpreise wurden ausgetauscht.“

Die Fraktionsvorsitzenden sind über den Stand der Unterredungen samt Zahlenwerk informiert. Details wollen und dürfen sie nicht nennen. Alles ist streng geheim. Schon vor Jahren hat ein Experte die Sanierungskosten auf mehr als 600.000 Euro geschätzt. Zu einem Zeitpunkt, als das 1855 erstellte Haus noch nicht so marode war wie jetzt. Auch wegen Baukostensteigerung und Materialknappheit dürfte der Betrag um einiges höher sein.

Das Gebäude steht auf einem rund 2500 Quadratmeter großen Grundstück an der Dorfstraße in zentraler Lage. Das Erzielen einer mittleren sechsstelligen Summe ist gewiss keine Utopie. Glinde könnte das Areal teilen, ein Stück Land veräußern, um das Projekt zu refinanzieren. Dafür müsste der Bebauungsplan geändert werden, was für die Politik ein Leichtes wäre.

Parteien beschäftigten sich mit Enteignungsverfahren

Die Kate ist ein Wahrzeichen der Stadt. In ihr lebte einst der Schuhmacher Johannes-Hinrich Suck. Er war 28 Jahre lang Gemeindevorsteher. Als seine Enkelin starb, veräußerten die Erben das Haus. Glinde hatte Vorkaufsrecht, für einen Erwerb gab es jedoch keine politische Mehrheit. 2012 sicherte sich ein Geschäftsmann aus Hamburg-Bergedorf das Objekt. Er kündigte eine Sanierung an, um anschließend selbst einzuziehen. Den Versprechen folgten allerdings keine entsprechenden Taten.

2016 setzte der Bauunternehmer auf Druck der Denkmalschutzbehörde Stützbalken an die Außenwand, damit das Haus nicht zusammenbricht. Später wurde gegen ihn ein Zwangsgeld verhängt, weil er Nachbesserungsforderungen des Kreises ignorierte. Die Behörde kann den Eigner nicht zwingen, die Kate wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen. Solange die Standsicherheit gewährleistet ist, sind keine Sanktionen zu erwarten. Löcher im Mauerwerk spielen da keine Rolle. Dass an Fenster und Türen Scheiben eingeschlagen und durch Feuchtigkeit eventuell schwere Schäden entstanden sind, ist für viele Glinder bedenklich.

Sie hatten zwischenzeitlich Hoffnung auf Besserung. 2017 wurde dem Hamburger die Baugenehmigung für die Sanierung erteilt. Nach drei Jahren lief sie ab. Nicht zum ersten Mal fühlte sich die Politik hinters Licht geführt. Einladungen in den Bauausschuss, um sich den Fragen der Entscheider zu stellen, nahm der Mann nicht an. Die Parteien hatten auch den Gang vor ein Gericht für ein Enteignungsverfahren erwogen. Eine Wissenschaftlerin fertigte ein Gutachten an, um Erfolgsaussichten auszuloten. Sie wären gering. Die Sache wurde daraufhin nicht weiter verfolgt. Wohl aber bekam Bürgermeister Zug den Auftrag, Kaufverhandlungen für die Stadt zu führen. Mehrfach unterbreitete er Angebote, holte sich eine Abfuhr nach der anderen. Dann war Funkstille. Jetzt gibt es wieder eine Perspektive.

Bürgerinitiative macht sich schon Gedanken über Nutzung des Gebäudes

Die Frage ist nur, welchen Preis Glinde zahlen will. „Natürlich wird das eine Menge Geld kosten. Aber wir haben das auf den Weg gebracht. Wer A sagt, muss auch B sagen. Durch unser Handeln haben wir bei der Bevölkerung Erwartungen geweckt“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Marlies Kröpke. Sie bedauert, dass es soweit kommen musste. „CDU und Grüne haben damals einen Kauf verhindert, wir sind dafür gewesen.“ Bei den Grünen waren seinerzeit andere Personen an den Schalthebeln. Die Partei hat sich klar positioniert und strebt den Erwerb der Suck’schen Kate an.

CDU-Stadtvertreter Stefan Nowatzki, der zugleich Vorsitzender des Bauausschusses ist, sagt: „Ich bin noch zwiegespalten ob der mir bekannten Kosten.“ Seine Fraktion habe sich noch nicht abgestimmt. „Ich glaube aber, dass Glinde die Kate kauft.“ FDP-Fraktionschef Thomas Kopsch will sich noch nicht festlegen, ob seine Partei zustimmt.

Die Bürgerinitiative macht sich schon Gedanken über eine Nutzung des Gebäudes. Sie bringt ein Begegnungszentrum für Jung und Alt ins Spiel, eine Umwandlung zu einer Kaffeerösterei inklusive Laden, Bewirtungsraum und offenem Garten. Auch einen Stadtschreiber, der von Glindes Geschichte berichtet, könnte sie sich dort vorstellen. „Kurzfristig muss ein Bauzaun um das Grundstück errichtet werden, um die Kate vor weiterer Zerstörung zu schützen“, sagt deren Sprecher Jan Schwartz. Was der Stadt in die Karten spielen könnte: Zehn Jahre nach Erwerb einer Immobilie entfällt bei einem Weiterverkauf die Spekulationssteuer. Das ist für den Katen-Eigner 2022 der Fall.

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