Bürgermeisterwahl

Tschentscher in Ahrensburg: Verschiedene Positionen zu S 4

| Lesedauer: 7 Minuten
Filip Schwen
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (l.) und Eckart Boege (beide SPD) stellen sich im Biergarten des Café Zeitlos den Fragen der Bürger.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (l.) und Eckart Boege (beide SPD) stellen sich im Biergarten des Café Zeitlos den Fragen der Bürger.

Foto: Filip Schwen / HA

Hamburgs Erster Bürgermeister macht im Biergarten Wahlkampf für SPD-Kandidat Eckart Boege. Was die Ahrensburger von ihm wissen wollen.

Ahrensburg. Es ist kurz nach 16 Uhr, als Peter Tschentscher (SPD) am Sonnabend vor dem Ahrensburger Bahnhof aus der schwarzen Limousine steigt. Dort erwartet Eckart Boege den prominenten Unterstützer bereits. Hamburgs Erster Bürgermeister ist in die Schlossstadt gekommen, um seinem Parteifreund Schützenhilfe im Wahlkampf zu geben. Denn was Tschentscher in Hamburg gelungen ist, möchte Boege am 26. September in Ahrensburg schaffen: Als Bürgermeister ins Rathaus einziehen.

Tschentscher in Ahrensburg: Bei der S 4 gehen die Meinungen auseinander

Zunächst lässt sich Hamburgs Regierungschef bei einem Spaziergang das Ahrensburger Stadtzentrum zeigen. Später werden beide zum Bürgergespräch im Biergarten des Café Zeitlos an der Großen Straße erwartet. Beide schlendern in Richtung Hagener Allee. Dort gibt es ein Eis auf die Hand, bevor beide ihren Weg in Richtung Rondeel fortsetzen.

Hamburgs Bürgermeister spricht mit Bürgern auf dem Rondeel

Bei strahlendem Sonnenschein sind die Außenflächen der dortigen Cafés gut gefüllt. Tschentscher nutzt die Gelegenheit, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Wie zufrieden sie mit den Lebensbedingungen in Ahrensburg seien, möchte der Hamburger Bürgermeister von einer Runde älterer Damen wissen, die gerade bei einer Tasse Kaffee zusammensitzen. „Es lebte sich hier schonmal besser“, entgegnet Ilona Becker. Die Ahrensburgerin bemängelt, dass sich vor allem die Innenstadt zum Nachteil entwickelt habe. „Die Sauberkeit hat nachgelassen und ich vermisse hübsch bepflanzte Blumenkübel“, sagt sie.

Ahrensburgerin beklagt, dass viele historische Gebäude weichen mussten

Außerdem seien viele historische Gebäude in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. „Stattdessen wurden neue gebaut, wie der Lindenhof“, so Becker. Der sei zwar nicht hässlich, passe aber nicht zu Ahrensburg. „Wie kommt das? Hat der Stadtrat nicht aufgepasst?“, erkundigt sich Tschentscher daraufhin bei Boege. Der entgegnet, dass CDU und Grüne den Lindenhof mit ihrer Mehrheit kurzfristig trotz Bedenken beschlossen hätten. Am Ende versichert Tschentscher: „Als Bürgermeister wird Eckart Boege sicherlich aufpassen, dass der Charme der Innenstadt erhalten bleibt.“

Auch die Bundespolitik ist auf dem Rondeel Thema

Einige Passanten nutzen die Gelegenheit, ihren Unmut über die Hamburg- und Bundespolitik kundzutun. Und so geht es neben der Zukunft Ahrensburgs auch um das Gendern, die Pflegepolitik und den geplanten Abriss des Bahnhofs Altona. Als die beiden schließlich im Zeitlos ankommen, ist der Biergarten bereits rappelvoll. Tschentscher und Boege nehmen an einem der Tische Platz. Innerhalb kürzester Zeit bildet sich um das Areal eine Menschenmenge.

Rasantes Wachstum bereitet Ahrensburger Bürgern Sorge

Bürger können spontan Fragen an die beiden Politiker stellen. Und die geben einen Abriss durch sämtliche Themenbereiche der Ahrensburger Stadtpolitik. Christian Fritz bereitet das rasante Wachstum der Schlossstadt Sorgen. „Wie stehen Sie zu dem Problem, dass der Bedarf an Wohnraum im Speckgürtel immer weiter wächst und immer mehr Flächen versiegelt werden?“, möchte der Ahrensburger wissen.

Boege: „Moderates Wachstum muss möglich bleiben“

Boege kann die Sorge nachvollziehen. „Aber das Thema Wohnraum ist auch eine soziale Frage“, so der SPD-Bewerber. Steigende Mieten in der Metropolregion verdrängten Menschen mit niedrigem Einkommen. „Moderates Wachstum muss möglich bleiben, damit die Mieten nicht noch stärker anziehen“, sagt der Diplom-Mathematiker.

Tschentscher plädiert für nachträgliche Innenverdichtung

Tschentscher sieht das genauso, sagt: „Viele Menschen möchten in Hamburg und dem Umland leben, weil die Region für Arbeitnehmer, aber auch für Studierende attraktiv ist.“ Es sei nicht möglich, den Menschen vorzuschreiben, wo sie leben sollten. Um Flächenversiegelung zu vermeiden, plädiert der Hamburger Bürgermeister für eine Innenverdichtung. „Wir müssen schauen, wo wir in der Höhe wachsen können.“

Auch der Wahlkampf-Dauerbrenner Parkplätze ist Thema

Dann kommt der Wahlkampf-Dauerbrenner Parkplätze auf den Tisch. Der Ahrensburger Edzard Tammena wünscht sich eine autofrei Große Straße. „Das Ziel einer autoarmen Innenstadt ist richtig, aber wir müssen sehen, wie wir das angehen“, sagt Boege. Man müsse auch Rücksicht auf die Inhaber der Geschäfte nehmen. Diese befürchteten, durch den Wegfall von Parkplätzen Kunden zu verlieren. Bei diesem Thema erweist sich Tschentscher als besonders gewinnbringend für die Veranstaltung. In Hamburg sind die Planungen für ein autofreies Zentrum bereits wesentlich weiter gediehen.

Tschentscher zieht Vergleich zu Mönckebergstraße

Tschentscher zieht den Vergleich zu Mönckebergstraße und Jungfernstieg, die bereits für den Individualverkehr gesperrt sind. „Eine Testphase kann sinnvoll sein“, sagt Tschentscher. Viele Menschen hätten sich beispielsweise gewünscht, die Mönckebergstraße auch für den Busverkehr zu sperren. Zurzeit fahren die Busse wegen Bauarbeiten an der U-Bahn unter der Straße eine Umleitung. „Jetzt kommen viele ältere Menschen zu mir, die sagen, wenn sie dann an der Steinstraße aussteigen, sind sie schon aus der Puste, wenn sie in der Mönckebergstraße ankommen.“ Die Gewerbetreibenden seien auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen. Boege nimmt den Vorschlag einer Testphase auf. „Ich könnte mir vorstellen, dass man das eine Zeit lang in Ahrensburg am Wochenende ausprobiert“, sagt er.

Forderung nach einem Parkleitsystem stößt auf Zuspruch

Der ehemalige CDU-Stadtverordnete und pensionierte Hamburger Baudirektor Eckehard Knoll begrüßt die Idee, mahnt jedoch die Einrichtung eines Parkleitsystems als ersten Schritt an, um den Parksuchverkehr aus dem Zentrum zu bekommen. Eine Idee, die Boege und Tschentscher unterstützen. Das wohl kontroverseste Thema kommt zum Schluss: der Bau der S 4 und der Fehmarnbeltquerung. „Kann Herr Boege im Fall seiner Wahl auf Ihre Hilfe zählen, wenn es darum geht, sechs Meter hohe Lärmschutzwände im Ahrensburger Zentrum zu verhindern?“, will Michael Eckstein wissen.

Tschentscher stellt sich hinter Bau der S-Bahn 4

Tschentscher antwortet ausweichend. „Ich verstehe das Problem, allerdings sage ich hinsichtlich dieser Bedenken immer wieder, dass es allein aus Klimaschutzgründen nötig ist, den Güterverkehr von den Autobahnen auf die Schienen zu bekommen“, so der SPD-Politiker. Tschentscher bekräftigt, dass die neue S-Bahn aus Hamburger Sicht notwendig sei, um den Personennahverkehr in der Metropolregion zu entlasten und empfiehlt Ahrensburg, mit der Deutschen Bahn zu sprechen. „Möglicherweise gibt es kreative Lösungen wie Plexiglas-Wände“, sagt er. Dann ist Schluss. Tschentscher muss weiter zum nächsten Termin. Boege versichert noch, das Thema im Falle eines Wahlsiegs erneut mit seinem Parteikollegen beraten zu wollen. „Dann hoffentlich von Bürgermeister zu Bürgermeister.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn