Kommunalpolitik

Kreis will Straße abgeben – Glinde zögert

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René Soukup
Der Papendieker Redder in Glinde. Eigentlich müssen Radfahrer die Straße nutzen. Vielen ist das aber zu gefährlich.

Der Papendieker Redder in Glinde. Eigentlich müssen Radfahrer die Straße nutzen. Vielen ist das aber zu gefährlich.

Foto: René Soukup

Politik kritisiert Sanierungsplan für Papendieker Redder in Glinde und verschiebt Abstimmung über Eigentümerwechsel.

Glinde. Teile des Papendieker Redders sollen ins Eigentum der Stadt Glinde übergehen. Das schwebt zumindest der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe vor. Sie möchte die sogenannte Straßenbaulast übertragen mit den Bestandteilen Fußweg, Parkstellflächen, Grünstreifen oder Bepflanzung – die Fahrbahn ist nicht impliziert. Dafür zahlt Stormarn sogar eine Ablöse. Die Glinder Politik zögert allerdings noch mit der Zustimmung, weil sie mit den Sanierungsplänen nicht einverstanden ist.

Im kommenden Jahr möchte die Behörde damit beginnen, die Kreisstraße 109 ab Ecke Möllner Landstraße auf Vordermann zu bringen. Der Abschnitt ist rund einen Kilometer lang. Das Projekt ist mit 2,2 Millionen Euro veranschlagt. So steht es in einem Vorentwurf. Dieser wurde jüngst zur Kenntnisnahme im Kreisverkehrsausschuss präsentiert. Demnach werden neben der Fahrbahn auch die Nebenanlagen angefasst. Die Gehwegbreite soll von 2,50 auf zwei Meter reduziert werden, Radfahrer müssen in der Tempo-50-Zone die Straße nutzen. Eine Ausnahme gilt für Erwachsene nur, wenn sie Kinder bis zum zehnten Lebensjahr begleiten. 15 Alleebäume werden gefällt wegen fehlender Standsicherheit. Ersatz ist an selbiger Stelle und anderenorts vorgesehen. Dadurch können Parkstreifen verlängert werden. Die Kosten der Wiederherstellung werden vom Kreis getragen. Alles soll im ordnungsgemäßen Unterhaltungszustand übergeben werden. Die Planung der Arbeiten liegt in den Händen des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV.SH).

Glinde würde bei Übergabe eine Ablöse kassieren

Der Glinder Stadtvertreter Peter Michael Geierhass (SPD) ist entsetzt über die Ausgestaltung des Vorhabens. Er sagt: „Die Radfahrer bei Tempo 50 für Autos auf die Straße zu schicken, das ist für uns nicht tragbar. Und wenn, dann müsste die Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge reduziert werden.“ Er berichtet von Bürgern, die sich ohnehin eine Verkehrsberuhigung wünschen, weil Autos dort zu schnell unterwegs sind. „Wir müssen mehr für die Radwege tun. Wenn das an diesem Standort nicht der Fall sein soll, werden die Fraktionen die Kreispolitiker aktivieren“, so Geierhaas. Es wäre ein Hilferuf.

Glinde hat ein Radverkehrskonzept, das unter Mitwirken von Verbänden entstanden ist und von der Stadtvertretung beschlossen wurde. In dem ist laut Bauamtsmitarbeiter Heiko Wisser auch der Papendieker Redder mit der Route Nummer fünf integriert. Die Stadt will auf größeren Straßen zumindest Fahrradstreifen. Die Entscheidungsträger machen sich schon seit Längerem Gedanken über die Kreisstraße 109 mit dem Wissen um die anstehende Sanierung. Deshalb fragte die Stadtverwaltung beim Kreis nach, ob Tempo 30 sowie markierte Radstreifen möglich seien. „Das wurde jedoch abgelehnt, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt sind“, sagt Wisser. So müsse die Fahrbahn mindestens 7,50 Meter breit sein für Radstreifen. Ein Meter fehlt hier. „Und die Straße stellt kein erhöhtes Unfallrisiko dar, insofern ist eine Geschwindigkeitsreduzierung ausgeschlossen.“

Der 2,50 Meter breite Streifen war früher ein kombinierter Rad- und Fußweg, ist inzwischen umgewandelt und nur noch für Spaziergänger. Das ist die rechtliche Sache. Tatsächlich halten sich viele Bürger nicht an die Regel und queren den Bereich mit ihrem Zweirad – aus Angst vor einem Zusammenprall mit einem Pkw auf der Fahrbahn.

Im jüngsten Bauausschuss präsentierte die Verwaltung eine Beschlussvorlage zwecks Übernahme der Straßenbaulast. Darin ist auch ein Ablösebetrag genannt, den der Kreis an Glinde zahlen soll: 373.000 Euro. Die Summe ergibt sich unter anderem aus Tabellen und wurde von Rathausmitarbeitern errechnet. Skizziert sind verschiedene Bereiche, etwa Pflegeaufwand und die Unterhaltungskosten für die Platenbaumreihe in Höhe von 232.000 Euro. Dass der Kreis an die Stadt zahlt, ist klar. Ob es im Fall einer Einigung beim Eignerwechsel so viel ist, müsste noch verhandelt werden.

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. Die Kommunalpolitiker stimmten nicht über den Tagesordnungspunkt ab, gaben das Thema zurück in die Fraktionen.

Entscheider schicken den Bürgermeister in die Spur

Bürgermeister Rainhard Zug soll jetzt wegen der Straßensanierung Verhandlungen mit dem Kreis aufnehmen zwecks der Straßensanierung, mit der Verkehrsbehörde sowie der unteren Naturschutzbehörde sprechen. Dafür wird er sich Rückendeckung mit einem offiziellen Beschluss der Politik holen. Das soll am Donnerstag, 9. September, im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz geschehen.

Glindes Verwaltungschef hat auch eine Meinung zu der Angelegenheit. Er sagt: „Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass Radfahrer auf der Straße unterwegs sind. Aufgrund ihrer höheren Geschwindigkeiten gehören sie zum fließenden Verkehr. Jeder Autofahrer hat sich darauf einzustellen, sie zu berücksichtigen und Vorsicht walten zu lassen.“

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