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Was den Wohnungsbau im Kreis Stormarn bremst

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Lutz Kastendieck
Im Kreis Stormarn wird der Wohnungsbau ausgebremst (Symbolfoto).

Im Kreis Stormarn wird der Wohnungsbau ausgebremst (Symbolfoto).

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Bauunternehmer üben gegenüber Wirtschaftsminister Bernd Buchholz viel Kritik. Klimaschutz und Werkverträge seien Hürden.

Ahrensburg.  Der Wohnungsbau ist landauf, landab eine der größten Herausforderungen für Städte und Gemeinden. Laut Prognosen zum Bevölkerungswachstum müssten allein in Stormarn bis 2030 etwa 1000 Wohneinheiten pro Jahr entstehen, um den stetig wachsenden Bedarf zu decken.

Eine Firma, die sich hier seit Jahren engagiert, ist die Karl Petersen Bauausführungen mit Sitz in Ahrensburg. „Wenn die Schaffung neuen Wohnraums aber solch eine überragende gesellschaftliche Bedeutung hat, warum werden dann die Rahmenbedingungen für diese Schlüsselbranche mit jedem Jahr schlechter?“, fragt Christoph Petersen, geschäftsführender Gesellschafter des 1949 gegründeten mittelständischen Familienunternehmens.

Bauunternehmen stellt jährlich 400 Wohneinheiten fertig

Da traf es sich gut, dass Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) bei seiner Sommertour zu Baubetrieben des Landes nach Zwischenstopps bei Kemna auf der Autobahnbaustelle am Bordesholmer Dreieck und Maack in Tornesch auch Station bei Karl Petersen an der Bünningstedter Straße machte. Bei Kaffee und Kuchen wurden etliche Themen diskutiert, die nicht nur Stormarner Baufirmen zunehmend zu schaffen machen.

400 Wohneinheiten, vorrangig als Mehrfamilienhäuser und mehrgeschossig, baut Petersen im Schnitt pro Jahr – in der Regel konventionell „Stein auf Stein“. Aktuell sind es sogar 420: In Norderstedt, im Pergolenviertel und am Rübenkamp in Hamburg, im Reeshoop-Quartier und in der Ahrensburger City, in Elmenhorst.

Sorge um radikale Änderungen der Werkverträge

„Das können wir allein mit unseren 60 Mitarbeitern, darunter 30 gewerbliche, aber auf Dauer nicht bewerkstelligen“, sagt Christoph Petersen. Weshalb sich das Unternehmen schon seit vielen Jahren durch Arbeitskräfte mit Werkverträgen verstärkt.

Dieses Instrument ist in der Bauwirtschaft seit Jahrhunderten bewährte und gelebte Praxis. Bei komplexen Vorhaben holen sich sogar die Schwergewichte in Deutschlands Bauwirtschaft für spezielle Leistungen Hilfe durch andere Unternehmen. Doch nach massivem Missbrauch von Werkverträgen, insbesondere in der Fleischbranche, soll nun am Werkvertragsrecht geschraubt werden. Vor allem, um Dumpinglöhne durch das Umgehen von Tarifverträgen und einer Fülle fragwürdiger Abzüge künftig zu verhindern.

Baubranche verzeichnet 35-prozentige Abbrecherquote

Auch Wirtschaftsminister Buchholz, der bei seiner Tour auf einem BMW-Krad unterwegs war, hält Werkverträge für ein legitimes Instrument, das nicht „durch schwarze Schafe“ kaputtgemacht werden dürfe. „Ja, es gab hier ein inakzeptables Maß an Missbrauch. Das darf aber nicht dazu führen, dass Werkverträge jetzt radikal beschnitten werden. Sie mit der großen Keule abzuräumen, ist nicht sinnvoll“, so Buchholz.

Zumal auch die Baubranche unter einem massiven Fachkräftemangel leidet. Das bestätigte Georg Schareck, Hauptgeschäftsführer von Die Bauwirtschaft im Norden. „Bundesweit registriert die Branche eine Berufsabbrecherquote von mehr als 35 Prozent“, berichtet Schareck. Die Gründe seien vielfältig, sie reichten von Überforderung und Unzufriedenheit mit den Arbeitszeiten bis zum immer wieder geäußerten Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance.

Keine Perspektive für hochmotivierte Migranten

Da gegenzusteuern sei schwierig. Trotz emsig diskutierter Leistungen wie Zusatzrenten, verbesserten Krankenversicherungen, höheren Tariflöhnen und einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten. „Viele Ostfirmen verteilen die Wochenarbeitsstunden schon heute auf nur vier Tage. Damit ihre Mitarbeiter, die nicht selten weit weg von zu Hause tätig sind, ein längeres Wochenende bei ihren Familien haben“, weiß Schareck. Anderenfalls würden diese Firmen oftmals erst gar kein Personal akquirieren können.

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In diesem Zusammenhang versteht Petersen-Prokurist Thomas Gerstenberger auch nicht, warum die Politik Migranten keine verlässliche Perspektive bietet. 2016 hat das Unternehmen zwei afghanischen Flüchtlingen aus Kabul und Herat die Maurerausbildung ermöglicht, die beide bestens abgeschlossen haben. „Sie sind hochmotiviert, verlässlich und fachlich versiert. Aber ihr Aufenthaltsstatus ist bis heute nicht geklärt, die Angst vor einer Abschiebung ständiger Begleiter“, kritisiert Gerstenberger.

Immer neue Auflagen treiben Baukosten in die Höhe

Mit Unverständnis begegnet Inhaber Christoph Petersen den immer neuen Auflagen hinsichtlich energetischer Standards wie den Dämmwerten. „Da stoßen viele Betriebe an ihre Grenzen, weil man mit der Umsetzung gar nicht mehr hinterherkommt“, moniert er. Diskussionswürdig sei etwa, warum massive Dämmungen schon unter der Bodenplatte des Kellers beginnen müssten.

„Der Klimaschutz ist in vielen Bauunternehmen ein wichtiges Thema“, sagt Petersen. Was da aber ständig nachgefordert werde, habe seinen Preis. Zu dem bezahlbarer Wohnraum in großem Stil dann eben nicht mehr zu erstellen sei. Deshalb sollte die Bauwirtschaft in die politischen Entscheidungen einbezogen werden. Auch damit rannte er beim Wirtschaftsminister offene Türen ein.

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