Sichere Partyzonen

Diskotheken in Stormarn rüsten sich fürs Comeback

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Lutz Kastendieck
Ohne Maske und Abstand – so soll in der Großraumdisco Fun-Parc bald wieder gefeiert werden.

Ohne Maske und Abstand – so soll in der Großraumdisco Fun-Parc bald wieder gefeiert werden.

Foto: Fun-Parc

Aktuelle Studie belegt, dass die Tanztempel keine Treiber der Pandemie sind. Nur vier Infektionen festgestellt.

Kiel/Trittau.  Diskotheken in Schleswig-Holstein haben endlich eine Öffnungsperspektive. In einem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt hat sich gezeigt, dass die Tanztempel keine Treiber der Corona-Krise sind – so bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. „Ja, ein Disco-Besuch ist auch in Pandemiezeiten ohne Maske und Abstand sicher und machbar, das hat unsere Studie gezeigt“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) bei der Präsentation der Ergebnisse in Kiel.

Inzidenzwert darf nicht einzige Richtschnur sein

Den Live-Stream aus dem Landeshaus hat Knut Walsleben, Präsident des Bundesverbandes deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) und Betreiber der Disco Fun-Parc in Trittau, im Urlaub auf Kreta verfolgt. „Ich bin hochzufrieden und sehr glücklich mit den Ausführungen. Weil sie für mich und meine Kollegen das Ende einer langen Durststrecke bedeuten, während der wir keine Gäste empfangen konnten“, sagte Walsleben dieser Redaktion.

Aus seiner Sicht gibt es keine Gründe mehr, die Diskotheken im Land weiter geschlossen zu halten. „Das Verbot muss nun schnellstmöglich fallen. Umso mehr, als der Minister betont hat, dass der Inzidenzwert nicht die alleinige Richtschnur für solch einschneidende Maßnahmen sein dürfe“, so Walsleben.

Hoffen auf den neuen Erlass Mitte September

Buchholz stellte vorsichtig in Aussicht, dass schon bei der Überarbeitung der Corona-Landesverordnung Mitte September Neuregelungen hinsichtlich der Tanzbetriebe denkbar seien. „Das liegt zwar nicht in meiner Entscheidungsbefugnis. Ich werde mich aber vehement dafür einsetzen, dass diese gebeutelte Branche wieder eine Perspektive hat und wir schon bald zu konkreten Öffnungsschritten kommen“, erklärte der Wirtschaftsminister auf Nachfrage. Die momentan gültige Verordnung gilt noch bis zum 19. September und soll am 20. September modifiziert werden.

Auch Axel Sesiani, Geschäftsführer der Disco Seh-Sie in Bad Oldesloe und des Beach Clubs in der Kreisstadt, zeigte sich erleichtert von den Ergebnissen der Studie: „Wenn wir bereits Ende September oder Anfang Oktober den Betrieb wieder aufnehmen könnten, wäre ich sofort dabei.“ Es sei schon jetzt schwer genug, die Stammklientel wieder zurückzuholen. Von den bereits erlittenen finanziellen Einbußen ganz zu schweigen.

Sesiani ist seit 40 Jahren in der Branche tätig

„Zum Glück sind wir schon 40 Jahre im Geschäft, da konnten wir auch einige Rücklagen bilden. Doch mit den Überbrückungshilfen können solche Betriebe nicht ewig über Wasser gehalten werden“, sagt Sesiani. Der in diesem Zusammenhang auch das ewige Gerede von der angeblich großen Solidarität in der Gesellschaft nicht mehr hören kann. „Die Einzelhandelsketten haben während der Pandemie extrem gut verdient. Dass sie von diesen Mehreinnahmen etwas abgegeben hätten, habe ich nicht gehört“, so Sesiani.

Wenn er wenigstens wieder 300 Gäste im Seh-Sie empfangen könnte, was der Hälfte der Maximalkapazität entspricht, sei das Haus bereits wirtschaftlich zu betreiben. Grundvoraussetzung wäre aber ein strenges Kontrollregime sowie ein Lüftungs- und Hygienekonzept. Und Gäste, die entweder geimpft, genesen oder getestet sind (3G-Regel).

Höchste Impfquote lag bei 74 Prozent

„Bei den acht Veranstaltungen mit etwa 2880 Teilnehmern zwischen 16 und 26 Jahren haben wir eine hohe Impfquote ermittelt. Sie lag im Schnitt bei 45 Prozent, in der Spitze sogar bei 74 Prozent, das haben wir so nicht erwartet“, berichtete der Chef des Rendsburger Kreisgesundheitsamtes und Corona-Experte Prof. Stephan Ott.

Noch bemerkenswerter sei allerdings gewesen, dass bei den Nach-Testungen nur vier Infektionen registriert worden seien. „Da aber alle am zehnten Tag nach dem Discobesuch festgestellt wurden, hielten die involvierten Gesundheitsämter eine Ansteckung während der Modell-Veranstaltungen für eher unwahrscheinlich“, erklärte Ott.

Einlass auf Basis der 3G-Regel ist wichtiger Baustein

Laut Buchholz und Ott zeige die wissenschaftliche Auswertung der Daten aus den drei unterschiedlich großen Diskotheken Joy (Henstedt-Ulzburg), Horizon (Oldenburg) und Bootshaus (Flensburg), dass die engen Vorgaben Infektionen bei den Veranstaltungen verhinderten. Insbesondere der Einlass auf Basis der 3G-Regel sei ein wichtiger Baustein.

Das jedoch stößt bei Axel Sesiani auf wenig Gegenliebe. „Zu kontrollieren, ob der letzte Test tatsächlich nicht mehr als sechs Stunden zurückliegt, würde einen zu großen Aufwand bedeuten“, sagt er. Deshalb wolle er nur Geimpften und Genesenen (2G) Einlass gewähren. „Die Impfzertifikate haben die meisten im Handy und die Luca-App zur Nachverfolgung auch“, so der Chef des Seh-Sie. Damit stünde neuen Partynächten ohne Maske und Abstand eigentlich nichts mehr im Wege.

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