Mobilität

Ioki soll in Stormarn bleiben – auch ohne Fördergeld

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Lutz Kastendieck
Mehrere Kreistagsfraktionen wollen, dass die ioki-Shuttle auch im nächsten Jahr durch Stormarn rollen.

Mehrere Kreistagsfraktionen wollen, dass die ioki-Shuttle auch im nächsten Jahr durch Stormarn rollen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Reinhardt / picture alliance/dpa

Die Bundeszuschüsse für den Shuttle-Service laufen im Dezember aus. Dann müsste der Kreis 800.000 aufbringen.

Bad Oldesloe.  Das Mobilitätsprojekt ioki ist in Stormarn nach Informationen der Kreisverwaltung eine Erfolgsgeschichte. Steigende Fahrgastzahlen verzeichnet der umweltfreundliche Shuttle-Service nicht nur in Ahrensburg, sondern auch in der Pilotregion Brunsbek, die große Teile des Amts Trittau und mehrere Ortsteile von Barsbüttel einschließt. Nun aber steht das On-Demand-Angebot am Scheideweg. Wenn zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember die Bundesförderung ausläuft, müsste sich der Kreis in deutlich höherem Maße finanziell engagieren als bisher.

„Seit seinem Start Mitte Dezember 2020 hat sich das Projekt in dem Einsatzgebiet mit rund 18.000 Einwohnern sehr gut entwickelt“, sagt Björn Schönefeld, ÖPNV-Fachmann der Kreisverwaltung. Seit acht Monaten würde ioki die Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs sinnvoll ergänzen, wo es früher zumeist nur Schülerverkehr und die bekannten Buslinien gegeben habe.

Shuttle können täglich von 5 bis 23 Uhr geordert werden

Die vier eingesetzten Elektroshuttles ermöglichen nun aber eine deutlich flexiblere Mobilität. Zwischen 5 und 23 Uhr können die Shuttle sieben Tage in der Woche über die ioki-App oder per Telefon gebucht werden. „Es gibt keinen starren Fahrplan und keine fixe Linienführung. Und die Bezahlung via Sepa, Paypal oder Kreditkarte ist denkbar einfach“, benennt Schönefeld wesentliche ioki-Vorzüge.

Zudem sei das Angebot durch Umsteigepunkte außerhalb des eigentlichen Einsatzgebiets erweitert worden. Dazu zählen neben dem sehr stark nachgefragten Bahnhof Rahlstedt ebenso Haidkrug in Neuschönningstedt, die Reinbeker Straße in Stapelfeld und die Kehre in Willinghusen. Dadurch hätten sich vielfältige Anschlüsse an bestehende Buslinien und die Regionalbahn ergeben.

Bis Ende Juli insgesamt 5134 Fahrgäste gezählt

„Trotz Corona-Pandemie haben sich sowohl die georderten Fahrten als auch die Fahrgastzahlen überaus positiv entwickelt“, so Schönefeld. Nutzten im Dezember 2020 bei 154 Fahrten nur 173 Interessenten die neue Offerte, so waren es im März bei 580 Fahrten bereits 634. „Im Juni konnte dann erstmals die Marke von 1000 Fahrgästen überboten werden, als wir sogar 1086 Nutzer registriert haben“, berichtet Schönefeld. Bis Ende Juli wurden auf der ioki-Linie schließlich insgesamt 5134 Fahrgäste gezählt, im Schnitt 685 pro Monat. Ziel sei es nun, dieses Niveau dauerhaft zu etablieren.

Um die Attraktivität des Projekts zu steigern wurde zum 1. Februar der 1-Euro-Zuschlag für Zeitkarteninhaber abgeschafft, den es beim zuvor verkehrenden Anrufsammeltaxi nicht gegeben hat. Positiv ausgezahlt hat sich zudem die Einbeziehung des Bahnhofs Rahlstedt als Umsteigepunkt per 1. Juli. Er avancierte sofort zum nachfragestärksten Haltepunkt überhaupt. „Ohne dabei die etablierten Buslinien 264, 364 und 369 zu kannibalisieren“, wie Schönefeld ausdrücklich betont.

Start- und Zielort kann die eigene Haustür sein

Besonders gelobt wird von den ioki-Nutzern die Pünktlichkeit der Shuttle, die Qualität der Fahrten und die Tatsache, dass Start- und Zielort die eigene Haustür sein kann. Das ergab eine Kundenbefragung, bei der 2500 Postkarten versendet worden sind. 226 Personen hatten sich letztlich beteiligt, das Gros mit 81 Prozent online. Die meisten Fragebögen kamen aus Lütjensee (95) zurück, gefolgt von Brunsbek (69) und Barsbüttel (51).

Weil gerade dort, im südlichsten Zipfel der Pilotregion, das Interesse an dem Shuttle-Service deutlich zugenommen hat, war zum Fahrplanwechsel im Dezember die Anbindung des Ortsteils Willinghusen geplant. Womit dann alle Barsbüttler Ortsteile ins ioki-System eingebunden wären. Außerdem gibt es Überlegungen, den U-Bahnhof Großhansdorf zu einem weiteren Umsteigepunkt zu machen.

Projekt soll eine Chance im „Normalfall“ bekommen

Ob es dazu kommt, ist derzeit jedoch fraglich. Noch ist das Stormarner ioki-Projekt Teil des Reallabors Hamburg (RealLabHH), dessen Ergebnisse auf dem ITS-Weltkongress der Transport- und Logistikexperten vom 11. bis 15. Oktober in Hamburg präsentiert werden sollen. Damit endet dann allerdings die Förderung seitens des Bundes.

„Angesichts der Tatsache, dass solcherart ÖPNV-Projekte normalerweise zwei Jahre für eine Etablierung benötigen, sollte das ioki-Projekt des Kreises aber mindestens um ein weiteres Jahr verlängert werden“, sagt Björn Schönefeld. Diese Verlängerung böte zudem die Chance, das Angebot „im Normalfall“ zu testen, sprich ohne hemmende Einflüsse der Corona-Pandemie. Dafür bedürfe es im kommenden Jahr jedoch eines Zuschusses von rund 800.000 Euro.

Die SPD-Fraktion hat sich im Verkehrsausschuss bereits klar dafür ausgesprochen, auch die anderen Fraktionen signalisierten Zustimmung. „Auch wenn das Angebot im Moment pro Fahrgast noch extrem teuer ist“, wie Joachim Germer von den Grünen zu Bedenken gab.

Befürworter hoffen auf eine Anschlussförderung

Unterdessen keimt bei den Befürwortern des ioki-Projekts die leise Hoffnung auf eine fortgesetzte Förderung durch den Bund. Das Verkehrsministerium hat inzwischen nämlich ein weiteres Infrastruktur-Förderprogramm mit einem Volumen von 250 Millionen Euro aufgelegt. Dafür kommen allerdings nur acht Antragsteller zum Zuge, die dann jeweils 30 Millionen Euro erhalten werden.

„So weit wir wissen, sind bundesweit 27 Anträge gestellt worden“, sagt ÖPNV-Experte Schönefeld. Um die eigenen Chancen zu vergrößern, hätten sich die vier Hamburger Randkreise Harburg, Pinneberg, Bad Segeberg und Stormarn aber zusammengetan und einen gemeinsamen Antrag mit mehreren Projekten abgegeben. „Sollten wir zum Zuge kommen, wäre das ioki-Projekt 2020 zu 80 Prozent finanziert“, so Schönefeld.

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