Ahrensburg

Bürgermeisterkandidaten: Viel Konsens, wenig Überraschendes

| Lesedauer: 7 Minuten
Filip Schwen
Die Bewerber um das Ahrensburger Bürgermeisteramt, Christian Schubbert (Grüne, v. l.), Thomas Schreitmüller (CDU) und Eckart Boege (SPD), bei der Vorstellungsrunde im Alfred-Rust-Saal.

Die Bewerber um das Ahrensburger Bürgermeisteramt, Christian Schubbert (Grüne, v. l.), Thomas Schreitmüller (CDU) und Eckart Boege (SPD), bei der Vorstellungsrunde im Alfred-Rust-Saal.

Foto: Filip Schwen / HA

Bewerber für Chefposten im Ahrensburger Rathaus bleiben bei Vorstellungsrunde vage. Besonders der Amtsinhaber muss Kritik einstecken.

Ahrensburg. Das zweite Aufeinandertreffen der drei Ahrensburger Bürgermeister-Kandidaten lässt sich knapp zusammenfassen: viel Übereinstimmung, wenig Überraschendes. Nachdem Thomas Schreitmüller, nominiert von der CDU, Christian Schubbert (Grüne) und Eckart Boege (SPD) sich vor gut einer Woche in der Stadtbücherei den Fragen von Senioren-, Behinderten- und Jugendbeirat gestellt hatten, folgte nun die offizielle, von der Stadtverwaltung organisierte Vorstellungsrunde im Alfred-Rust-Saal. Während es zwischen den Bewerbern in vielen Punkten Konsens gab, schlug vor allem einem Kritik entgegen: dem scheidenden Amtsinhaber Michael Sarach (SPD).

Viel Konsens und wenig Überraschendes bei Vorstellungsrunde der Kandidaten

Schon vor Beginn zeichnet sich ab, dass die Veranstaltung vor weitgehend leeren Rängen stattfinden wird. Zuschauer sind zwar zugelassen, doch bietet die Verwaltung Interessierten die Möglichkeit, die Runde im Livestream über ihre Internetseite und auf Facebook zu verfolgen. Davon macht ein Großteil des Publikums auch Gebrauch. Nur etwas mehr als 30 Ahrensburger haben in den roten Sesseln Platz genommen, als Sarach die Veranstaltung eröffnet. Im Internet sehen deutlich mehr zu: Bis zum Ende der Vorstellungsrunde wird der Livestream rund 1200 mal aufgerufen. Er ist auch in den kommenden Tagen weiterhin zum nachträglichen Anschauen auf Youtube abrufbar.

Schubbert möchte mit langjährigem Engagement in Kommunalpolitik punkten

Zu Beginn hat jeder Bewerber acht Minuten Zeit, sich vorzustellen. Schon hier wird deutlich, wie die Kandidaten punkten wollen: Schubbert, der den Anfang macht, bringt sein langjähriges Engagement in der Ahrensburger Kommunalpolitik ein. Seit 2008 ist der 52-Jährige Stadtverordneter, seit 2013 Vorsitzender des Bildungs-, Kultur- und Sportausschusses. „Ich habe Ahrensburg aus drei unterschiedlichen Perspektiven erlebt: Als Vater, als Kommunalpolitiker und als Gewerbetreibender“, sagt Schubbert, der in der Schlossstadt eine Firma für Werbemittel betreibt. Durch letztere bringe er einen neuen Ansatz ins Rathaus. „Bislang ist Ahrensburg von einem Verwaltungsfachmann verwaltet worden, ich als Kaufmann möchte das Rathaus zu einem Dienstleistungsanbieter für die Bürger machen“, verspricht er.

Schreitmüller verweist auf seine Erfahrung als Verwaltungschef

Wer Böses dabei denkt, könnte diese Bemerkung nicht nur als Kritik an Amtsinhaber Sarach deuten, sondern auch als Angriff auf Mitbewerber Schreitmüller. Dieser ist gelernter Verwaltungsbeamter, amtierender Bürgermeister in Barsbüttel und betont gern seine 40-jährige Erfahrung in der Kommunalverwaltung. „Ich habe Verwaltung von der Pike auf gelernt“, hebt der CDU-Kandidat sodann auch in seinem Eingangsstatement hervor.

Der CDU-Kandidat ist in Ahrensburg aufgewachsen

„Ich bin in Ahrensburg aufgewachsen, zur Schule gegangen und lebe mit meiner Familie seit einiger Zeit wieder hier“, begründet der 53-Jährige, warum er in die Schlossstadt wechseln möchte. „Es reicht nicht zu sagen, was man besser machen möchte, sondern man muss sagen, wie“, sagt Schreitmüller. Er bringe als Verwaltungsexperte die nötige Erfahrung mit, um von der Politik beschlossene Vorhaben umzusetzen.

Boege möchte seine Perspektive als Außenstehender nutzen

Boege hingegen setzt auf seine Rolle als Außenstehender, aus der er die Probleme der Stadt am besten erkennen könne. Der Diplom-Mathematiker, der bei einem Hamburger Energieunternehmen in leitender Position angestellt ist, ist zwar SPD-Ortsvorsitzender, aber weder Stadtverordneter noch hatte er bislang ein Verwaltungsamt inne. „In Ahrensburg geht Vieles zu langsam voran“, sagt der 43-Jährige, nennt die Digitalisierung von Schulen und Verwaltung. Er wolle zuallererst zuhören und verstehen, dies sei die Basis, um die Probleme zu lösen.

Direkte Fragen von Bürgern an die Kandidaten sind nicht zugelassen

An die Vorstellungsrunde schließt sich eine Debatte an, die in die Themenblöcke Stadtentwicklung, Bildung und Verwaltung gegliedert ist und bisweilen etwas zäh daherkommt. Geschuldet ist das zum nicht unerheblichen Teil dem Format. Weil ein Großteil der Zuschauer nicht vor Ort ist, sind diesmal keine direkten Fragen von Bürgern an die Kandidaten zugelassen. Stattdessen konnten Ahrensburger sie vorher einreichen. Die Fragen wurden nach Themen sortiert und zusammengefasst. Dadurch entfällt die direkte, spontane Konfrontation der Wähler mit den Kandidaten.

Moderator Marc Ziertmann bleibt blass

Aber auch Moderator Marc Ziertmann gelingt es selten, die Bewerber aus der Reserve zu locken. Dem Geschäftsführer des Städteverbands Schleswig-Holstein ist anzumerken, dass er als Ortsfremder nicht so mit den Themen der Ahrensburger Kommunalpolitik vertraut ist, als dass er an entscheidenden Stellen nachhaken könnte.

Bei Schulen, Kitas und Wohnraum sind sich die Bewerber einig

In den allermeisten, in der Regel sehr offen formulierten Fragen sind sich die Bewerber ohnehin einig. Alle wollen die Innenstadt attraktiv halten. Alle möchten weniger Autos im Zentrum, wobei Schreitmüller sagt: „Ich bin kein Befürworter einer autofreien, sondern einer autoarmen Innenstadt.“ Auch Investitionen in Schulen, Neubau von Kitas und bezahlbaren Wohnraum wollen alle. Auf die Frage, ob Ahrensburg weiter wachsen solle, bleibt hingegen jeder eine eindeutige Antwort schuldig.

Beim Thema S4 und Fehmarnbeltquerung kommt Spannung auf

Es ist vor allem Schreitmüller, der hin und wieder Spitzen gegen seine Mitbewerber setzt. Etwa beim Thema S-4-Bau und Fehmarnbeltquerung. Dieser Komplex ist ohnehin der einzige, bei dem spürbar Spannung aufkommt. Alle sind sich einig, dass die von der Bahn vorgesehenen, sechs Meter hohen Lärmschutzwände an den Gleisen in der Innenstadt, die durch den zusätzlichen Güterverkehr nach dem Bau des Tunnels notwendig würden, für Ahrensburg „eine Katastrophe“ (Schreitmüller) und ein „Horrorszenario“ (Schubbert) seien. „Ich werde darauf bestehen, dass die Bahn die Ergebnisse der Prüfung von Alternativtrassen, die es ja angeblich gab, offenlegt“, so Schubbert.

Schreitmüller will Anwalt einschalten und schießt gegen Schubbert

Schreitmüller sieht hingegen nur noch einen juristischen Ausweg. „Wir müssen zeitnah einen Fachanwalt mit der Wahrung der Interessen der Stadt Ahrensburg beauftragen“, sagt er. Für ein Hoffen auf Alternativtrassen sei es zu spät, die Stadtverordneten zu lang untätig geblieben. In Richtung Schubbert schießt er: „Ich möchte daran erinnern, dass es die Grünen sind, die den Vorsitz im Umweltausschuss innehaben.“

Boege betont die Gemeinsamkeiten und gibt sich als Vermittler

Boege hebt immer wieder die Gemeinsamkeiten zwischen allen Dreien hervor und gibt sich als abwägenden Vermittler. „Wir sollten zweigleisig fahren“, sagt er dann auch zum Thema Güterverkehr. „Wir müssen den politischen Druck erhöhen und uns gleichzeitig ein juristisches Vorgehen offen halten.“ Am Ende erhalten die Zuschauer einen groben Umriss über die sehr ähnlichen Ziele und Vorstellungen der Kandidaten. Wie genau sie die aufgedeckten Probleme lösen wollen, lassen sie jedoch zum großen Teil offen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn