Ahrensburg

„Radschnellweg selbst kostet nur einen Bruchteil“

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Harald Klix
Künftig gerade Verbindung statt Zickzackkurs: der ADFC-Ortsvorsitzende  Jürgen Hentschke (l.) und Detlef Steuer, Stadtverordneter der Wählergemeinschaft, am Übergang Lübecker Straße/Schulstraße. 

Künftig gerade Verbindung statt Zickzackkurs: der ADFC-Ortsvorsitzende Jürgen Hentschke (l.) und Detlef Steuer, Stadtverordneter der Wählergemeinschaft, am Übergang Lübecker Straße/Schulstraße. 

Foto: Harald Klix

ADFC betont, dass die in Machbarkeitsstudie genannten 1,8 Millionen Euro je Kilometer vor allem auf Straßenbau beruhen.

Ahrensburg. Auf den ersten Blick wirkt die Summe immens: Schätzungsweise 20 Millionen Euro kostet der zehn Kilometer lange Radschnellweg von Ahrensburg nach Hamburg-Volksdorf laut Machbarkeitsstudie der Metropolregion Hamburg. Davon entfallen 11,4 Millionen auf den 6200 Meter langen Ahrensburger Teil. Das entspricht mehr als 1,8 Millionen Euro je Kilometer. Doch auf den zweiten Blick relativieren sich die Zahlen.

„Der Radschnellweg selbst kostet nur einen Bruchteil“, sagt Detlef Steuer, seit acht Jahren in der Arbeitsgruppe der Metropolregion zur Machbarkeit von Radschnellwegen. Der Stadtverordnete der Wählergemeinschaft WAB ist auch Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Die Erklärung dafür: Die Gutachter haben für die jeweiligen Streckenabschnitte immer die kompletten Straßenkosten angesetzt.

Schon ein kleiner Kreisverkehr kostet rund 700.000 Euro

„So kostet etwa ein kleiner Kreisverkehr, der ohnehin zur Beruhigung des Autoverkehrs geplant ist, rund 700.000 Euro“, sagt der Kommunalpolitiker Steuer. Bei drei neuen Kreiseln kommen allein dadurch mehr als zwei Millionen zusammen. Ein anderes Beispiel sei der Bornkampsweg. Das Rathaus plant die Sanierung der maroden Straße ohnehin. Laut Studie sollen die Radfahrer die asphaltierte Straße vom neuen Kreisverkehr Bornkampsweg/Wulfsdorfer Weg bis zur Hamburger Landesgrenze (560 Meter) mitnutzen. Entsprechend seien die angegebenen Kosten von knapp 1,4 Millionen Euro keinesfalls einzig dem Radschnellweg zuzurechnen.

Völlig losgelöst lassen sich die sogenannten „Fahrrad-Autobahnen“ allerdings auch nicht betrachten. „Wir brauchen die groben Kostenschätzungen, um mit der Detailplanung loslegen und Förderungen beantragen zu können“, sagt Marion Köhler, Sprecherin der Metropolregion. So stellt der Bund bis 2023 pro Jahr 50 Millionen Euro und bis 2030 jeweils 25 Millionen extra bereit.

Eine gute Infrastruktur zieht auch mehr Radfahrer an

Risiko- und Kostensteigerungspauschalen seien bereits als Durchschnittswerte über alle Studien hinweg eingerechnet. „Das können zusätzliche Brücken oder Tunnel sein, falls Grundstücksankäufe scheitern“, so Köhler. Die Ahrensburger Verbindung hat den Vorteil, dass sie schon heute durchgängig befahrbar und ein Neubau nirgends notwendig ist. Zudem müsse man den Vergleich sehen: Ein Kilometer Radschnellweg sei günstiger als 250 Meter Kreisstraße oder 100 Meter Autobahn.

Erfahrungen aus Städten wie Kopenhagen, Amsterdam und Den Haag zeigten, dass mit einer guten Infrastruktur die Zahl der Nutzer schnell steige. Für den innerstädtischen Ahrensburger Bereich erwarten die Gutachter mehr als 2000 Radfahrer täglich. „Die Strecken können eher als Rad-Boulevard gesehen werden“, sagt Köhler. Die Radler seien komfortabel und vor allem unterbrechungsfrei unterwegs. Der Tempogewinn beruht darauf, dass man nicht ständig anhalten muss. Teilweise komme man bis zu sechs Kilometer störungsfrei voran.

Stadt plant eine Reihe neuer Fahrradstraßen

In Ahrensburg soll das vor allem mit den neuen Fahrradstraßen Schulstraße, Immanuel-Kant-Straße (teilweise), Gerhart-Hauptmann-Straße, Schimmelmannstraße und Wulfsdorfer Weg (von Einmündung Am Haidschlag bis Bornkampsweg) gelingen. Dort wird ausschließlich Anliegerverkehr erlaubt. Der Wulfsdorfer Weg ist noch eine 1250 Meter lange Schotterpiste voller Schlaglöcher, in denen sich bei Regen das Wasser sammelt. Auf 3,1 Millionen Euro wird der Ausbau geschätzt.

„Damit wird eine direkte Verbindung vom stark wachsenden Ortsteil Wulfsdorf geschaffen, die für Berufspendler und Schüler interessant ist“, sagt der Stadtverordnete Detlef Steuer. Auch diese Trasse sei nicht ausschließlich für Radfahrer gedacht. Sie führt zum Kleingärtnerverein, ist zudem Spazierweg. „Außerdem dient sie dem landwirtschaftlichen Verkehr und kann bei Sperrungen der Hamburger Straße Umleitung werden“, sagt der ADFC-Ortsvorsitzende Jürgen Hentschke.

Fast 40 Prozent aller verkauften Räder sind E-Bikes

Er beobachtet, dass das Interesse am Radfahren „extrem zunimmt“. So seien zu den jüngsten Codierterminen 200 neue Fahrradbesitzer gekommen. „Zudem ist die Nachfrage nach unseren Radkarten so groß wie lange nicht.“

Laut Handel waren im Vorjahr 40 Prozent aller verkauften Räder E-Bikes. Die Pedelecs ermöglichen es, ohne große Anstrengung selbst in hügeligem Gelände mit bis zu 25 km/h unterwegs zu sein. Auch dafür seien die 3,50 bis 4,50 Meter breiten Strecken wichtig, so Detlef Steuer – „egal, ob sie jetzt Radschnellweg, Veloroute oder wie auch immer heißen“. Er hat in den vergangenen Jahren viele Abende bei Sitzungen der Arbeitsgruppe verbracht und ein Umdenken festgestellt: „Das Projekt hat die Einstellung zum Radverkehr nach vorn gebracht.“ Aus den Nachbarstädten Bargteheide und Bad Oldesloe gebe es bereits Anfragen, ob eine Verlängerung dorthin möglich sei.

ADFC: Schimmelmannstraße und Wulfsdorfer Weg zuerst

Ginge es nach dem ADFC, sollten die Schimmelmannstraße und der Wulfsdorfer Weg zuerst in Angriff genommen werden. „Das sind die längsten Strecken“, sagt Jürgen Hentschke – zusammen 2,7 Kilometer mehr Radkomfort. Woanders müsse man ohnehin warten: So muss am Ostring erst die Eisenbahnbrücke im Zuge des S-4-Baus erneuert werden.

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