Stadtgeld

Ahrensburger haben 250.000 Euro nicht eingelöst

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So verteilen sich die eingelösten Gutscheine auf die einzelnen Branchen.

So verteilen sich die eingelösten Gutscheine auf die einzelnen Branchen.

Foto: Grafik: Frank Hasse

Verwaltung legt Endabrechnung vor. Einzelhändler profitieren, Dienstleister kaum. Befragung soll Detailergebnisse liefern.

Ahrensburg. Vom Ahrensburger Stadtgeld haben vor allem die Einzelhändler in der Schlossstadt profitiert, während auf die Gastronomie nur ein geringer Teil der eingelösten Gutscheine entfällt. Die Dienstleister gehen sogar beinahe leer aus. Das geht aus der Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der WAB-Fraktion für die Sitzung des Hauptausschusses am Montag hervor.

Im Aktionszeitraum wurden Gutscheine im Wert von rund 930.000 Euro ausgegeben

Insgesamt wurden 93.069 der Zehn-Euro-Coupons, von denen jeder Erwachsene drei und Kinder und Jugendliche fünf erhalten hatten, eingelöst. Das entspricht einem Anteil von 77,91 Prozent der ausgegebenen Gutscheine. Im achtwöchigen Aktionszeitraum vom 31. Mai bis 30. Juli wurde Stadtgeld im Wert von rund 930.000 Euro in Ahrensburger Geschäften und Restaurants ausgegeben.

Boutiquen, Schmuckgeschäfte und andere Händler bekamen den Löwenanteil

Der Löwenanteil von rund 794.000 Euro (86 Prozent) kam dabei Boutiquen, Schmuckgeschäften und anderen Händlern zugute. 13 Prozent der Gutscheine im Wert von etwa 122.000 Euro wurden in Restaurants, Cafés und Bars eingesetzt. Anbieter von Dienstleistungen, etwa Kosmetikstudios und Friseure, erhielten nicht mal ein Prozent der eingelösten Gutscheine (5500 Euro). Sonstige Unternehmen, zu denen die Verwaltung unter anderem Fitnesscenter und andere Anbieter von Sport und Freizeitaktivitäten zählt, erhielten Stadtgeld im Wert von etwa 4300 Eur0 (0,5 Prozent).

Das verfallene Geld soll in der Stadtkasse verbleiben

„Pro Betrieb wurden im Mittel etwa tausend Coupons eingelöst“, sagt Marcel Grindel, Leiter des Fachbereichs Finanzen im Rathaus. 90 Unternehmen hatten sich für die Aktion registriert. „Gutscheine im Wert von 4530 Euro hat die Verwaltung als Spende zurückerhalten“, so Grindel. Sie sollen sozialen Projekten in Ahrensburg zugute kommen. Welche das sein werden, ist noch offen. „Stadtgeld im Wert von etwa 250.000 Euro ist verfallen“, sagt Grindel. Das Geld soll nach dem Willen der Politik in der Stadtkasse verbleiben. Um mehr Informationen dazu zu erhalten, inwieweit die Unternehmer von der Aktion profitiert haben, führt die Verwaltung aktuell eine Umfrage unter den Geschäftsinhabern durch. Die Ergebnisse sollen im kommenden Hauptausschuss präsentiert werden.

Die CDU bezeichnet die Aktion als „großartigen Erfolg“

Die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung bewerten die Zahlen unterschiedlich. Detlef Levenhagen, Fraktionsvorsitzender der CDU, bezeichnet die Aktion als „großartigen Erfolg“. Levenhagen: „Im Vorfeld hatten wir einen eingelösten Wert von 800.000 Euro als Ziel ausgegeben, jetzt sind es 930.000 geworden.“

Auch die Grünen ziehen ein positives Fazit. „Die 80 Prozent eingelösten Gutscheine sprechen dafür, dass die Aktion bei den Ahrensburgern angekommen ist“, sagt Fraktionschefin Nadine Levenhagen. Von vielen Unternehmen habe sie positive Resonanz erfahren. CDU und Grüne hatten die Aktion mit ihrer Stimmenmehrheit durchgesetzt.

WAB-Fraktionschef bezweifelt den Nutzen der Aktion

Der Fraktionschef der Wählergemeinschaft WAB, Peter Egan, bezweifelt hingegen den Nutzen der Aktion. „Wir hätten uns eine detaillierte Aufschlüsselung dazu gewünscht, welche Einnahmen die Unternehmen wirklich erzielt haben“, sagt er. Dies sei laut Verwaltung jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich.

Dieselbe Kritik kommt von der FDP. „Wir wissen nicht, wie viel Mehreinnahmen die Geschäfte durch das Stadtgeld wirklich erzielt haben“, sagt Fraktionschef Thomas Bellizzi. „Haben die Menschen mehr gekauft, als sie es ohne die Aktion getan hätten oder nur lang geplante Ausgaben damit finanziert?“

Kaufleutevereinigung zieht positive Bilanz

Auch Ali Haydar Mercan, Fraktionschef der Linken, ist skeptisch. Er sagt mit Blick auf die Zahlen: „Es bleibt leider weiterhin offen, ob dieses teure Projekt den Ahrensburger Unternehmen zu einem Umsatzzuwachs verholfen hat.“ Die SPD will sich noch kein abschließendes Urteil bilden. „Wir warten das Ergebnis der Händlerbefragung ab“, so Fraktionschef Jochen Proske.

Götz Westphal, Vorsitzender der Ahrensburger Kaufleutevereinigung Stadtforum, zieht hingegen ein positives Fazit, sagt: „Das Stadtgeld war für viele Betriebe ein essenzieller Schub in dieser schwierigen Corona-Zeit.“

( fsn )

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