Führungswechsel

Ahrensburgs neuer Kripo-Chef: Die Wahrheit ist seine Passion

| Lesedauer: 6 Minuten
Filip Schwen
Felix Schmidt (54) hat zum 1. Juli die Leitung der Kriminalpolizeistelle in Ahrensburg übernommen.

Felix Schmidt (54) hat zum 1. Juli die Leitung der Kriminalpolizeistelle in Ahrensburg übernommen.

Foto: Filip Schwen / HA

Felix Schmidt (54) erzählt, warum Kommissar schon immer sein Traumberuf war und was die Digitalisierung für die Ermittler bedeutet.

Ahrensburg. Als Tatort-Kommissare klären Axel Prahl, Maria Furtwängler und Til Schweiger regelmäßig aufsehenerregende Verbrechen auf, während ihnen Millionen Fernsehzuschauer dabei zusehen. So spektakulär wie in des Deutschen liebster Krimi-Reihe sind die Fälle, die bei Felix Schmidt auf dem Schreibtisch landen, in der Regel nicht. Der 54-Jährige ist der neue Leiter der Kriminalpolizeistelle in Ahrensburg. Seine Arbeit als Erster Kriminalhauptkommissar ist für Schmidt trotz weniger Action und Dramatik als im TV-Pendant „ein absoluter Traumberuf“.

Felix Schmidt (54) ist neuer Chef der Kripo in Ahrensburg

Die Entscheidung für die Polizei sei die richtige gewesen, sagt der 54-Jährige, der mit seiner Frau und den drei Kindern (sechs, acht und 21) in Bad Schwartau (Kreis Ostholstein) lebt, auch noch 35 Jahre später. „Schon als Jugendlicher war Kriminalpolizist mein Wunschberuf“, sagt Schmidt. Die Alternative sei ein Chemie-Studium gewesen. „Das war aber eher ein Notfallplan, eigentlich wollte ich das nie.“ An seinem Beruf gefällt Schmidt vor allem eines: „Dass ich das Gefühl habe, für eine gute Sache zu arbeiten.“ Die Kriminalpolizei gehöre keiner Partei an, habe dennoch einen klaren Auftrag: Die Wahrheit herauszufinden. „Es geht darum, zu ermitteln, was wirklich passiert ist, egal, ob es für eine Person be- oder entlastend ist“, sagt der 54-Jährige. „Das macht diesen Beruf für mich so reizvoll.“

Zum Ausspannen zieht es den 54-Jährigen in die Natur

Selbstverständlich bringe der Polizeidienst auch belastende Momente mit sich. „Natürlich gewöhnt man sich mit den Jahren daran, schlimme Dinge zu sehen und tragischen Schicksalen zu begegnen“, sagt Schmidt. Doch besonders dramatische Fälle gingen auch nach all den Dienstjahren noch zu Herzen.„Besonders, wenn Kinder zu den Opfern zählen, ist das für jeden Beamten schwierig“, so der Kripo-Chef. Heute gebe es für den Ernstfall zahlreiche Angebote, die die Polizisten bei der Aufarbeitung unterstützten. „Und solche schwerwiegenden Fälle sind glücklicherweise die Ausnahme.“ Um auszuspannen, abzuschalten, begibt sich Schmidt gern in die Natur. „Ich bin ein leidenschaftlicher Läufer und Radfahrer“, verrät er.

Seine Polizeikarriere begann Schmidt beim BKA

1986 begann Felix Schmidt seine Laufbahn bei den Gesetzeshütern, zunächst beim Bundeskriminalamt (BKA). „Bei der Polizei genommen zu werden, war damals gar nicht so einfach“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Der 54-Jährige gehört zur Generation der Baby-Boomer, jenen besonders geburtenstarken Jahrgängen Ende der 1960er-Jahre. „Es gab viel mehr Bewerber als benötigt wurden, letztlich wurde sogar ein Aufnahmestopp verhängt“, erinnert Schmidt sich. Doch Felix Schmidt überzeugte.

Zuletzt unterrichtete der 54-Jährige angehende Kommissaranwärter

Nach der Ausbildung, Praktikum in Pinneberg und der Station beim BKA wechselte er zurück in sein Heimatbundesland Schleswig-Holstein, war dort zunächst bei der Kripo in Norderstedt und Geesthacht tätig. Später leitete der 54-Jährige vier Jahre lang die Kriminalpolizeistelle in der lauenburgischen Kreisstadt Ratzeburg. Die vergangenen fünf Jahre war Schmidt als Dozent an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung (FHVD) in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) tätig, unterrichtete dort angehende Kommissaranwärter in den Fächern Kriminalistik und Kriminaltechnik. „Die Lehrtätigkeit habe ich auch deshalb als bereichernd empfunden, weil man sich selbst stetig weiterbildet und neue Erkenntnisse gewinnt, wenn man andere unterrichtet“, sagt Schmidt.

In Ahrensburg fühlt Schmidt sich wohl

Trotzdem habe für ihn von Beginn an festgestanden, dass der Dozentenberuf eine Aufgabe auf Zeit sei. „Ich bin jemand, der gern hin und wieder neue berufliche Herausforderungen sucht“, sagt Schmidt und ergänzt: „Außerdem hat mir der praktische Dienst gefehlt.“ Dennoch habe er nichts dagegen, wenn Ahrensburg die letzte Station seiner Laufbahn werde. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt der 54-Jährige.

Die Ahrensburger Dienststelle ist Schmidt bereits vertraut

Mit der Dienststelle in Ahrensburg ist der Kriminalhauptkommissar bestens vertraut. „Ab 2001 war ich hier einige Zeit als Sachbearbeiter tätig“, erzählt Schmidt. Vor sechs Jahren leitete der Schwartauer die Kripo in der Schlossstadt bereits kurzzeitig kommissarisch. Viele der rund 30 Mitarbeiter kennt Schmidt deshalb schon. Doch auch sonst ist der 54-Jährige in Stormarn verwurzelt: Aufgewachsen ist der gebürtige Hamburger in Bad Oldesloe, hat dort 1986 sein Abitur absolviert. In Ahrensburg folgt Felix Schmidt auf Ralf Lorenzen. Dieser hatte die Stelle seit 2013 inne und ist nach acht Dienstjahren als stellvertretender Leiter zur übergeordneten Kriminalinspektion Bad Oldesloe gewechselt.

Auch Bargteheide und Ammersbek zählen zum Zuständigkeitsbereich

Zu Schmidts Zuständigkeitsbereich als Chef der Ahrensburger Kripo zählen neben der Schlossstadt auch die umliegenden Kommunen, etwa Bargteheide, Trittau, Ammersbek und Großhansdorf. Seine Arbeitszeit verbringt der 54-Jährige überwiegend am Schreibtisch. Die Organisation der Dienstelle, die Einrichtung und Koordinierung von Ermittlungsgruppen, die Vertretung der Dienstelle nach außen und die Absprache mit Amtskollegen der umliegenden Dienststellen zählen zu den Aufgaben des Kripo-Chefs.

An Tatorten ist der Kripo-Chef nur in Ausnahmefällen

„Am Tatort werde ich nur in Ausnahmefällen zu sehen sein, bei besonders herausragenden Delikten, die zwingend meine Führung vor Ort erfordern, etwa schweren Gewaltverbrechen“, sagt Schmidt. So wolle es die Stellenbeschreibung des Dienststellenleiters. Den Großteil machten in Ahrensburg und Umgebung nach wie vor Eigentumsdelikte aus, vor allem Wohnungseinbruchdiebstähle. „Das ist im Hamburger Speckgürtel nicht ungewöhnlich“, sagt der Kriminalhauptkommissar. „Bei der Schwerkriminalität haben wir zum Glück vergleichsweise niedrige Zahlen“, so der Kripo-Chef. „Natürlich kommen dennoch sämtliche Delikte vor, die das Strafgesetzbuch hergibt.“

Digitalisierung laut Schmidt „größte Herausforderung“ der kommenden Jahre

Als größte Herausforderung für seine kommenden Jahre in Ahrensburg sieht Felix Schmidt die Digitalisierung. „Sie begleitet uns nun schon seit einigen Jahrzehnten und hat ganz neue Ermittlungsmethoden, aber auch Delikte hervorgebracht“, sagt der 54-Jährige. Internetkriminalität sei auf dem Vormarsch, die digitale Spurensicherung gewinne rasant an Bedeutung. „Dem müssen wir mit entsprechenden Ermittlungsmethoden begegnen können“, so der neue Kripo-Chef. „Das erfordert eine stetige Weiterbildung und Anpassung und wird uns in den kommenden Jahren weiter begleiten.“

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