Lasbek

Millionen Arbeiterinnen sind diesem Mann zu Diensten

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Filip Schwen
Lasse Drube (31) aus Lasbek prüft die Waben der Völker am Standort Schiphorst. Um die Insekten abzulenken, nutzt er einen Smoker (rechts).

Lasse Drube (31) aus Lasbek prüft die Waben der Völker am Standort Schiphorst. Um die Insekten abzulenken, nutzt er einen Smoker (rechts).

Foto: Filip Schwen / HA

Bienen sind die große Leidenschaft von Lasse Drube aus Lasbek. Inzwischen führen mehrere Supermärkte seinen Honig in ihrem Sortiment.

Lasbek. Angst vor Stichen darf Lasse Drube keine haben. „Ganz ohne kommt man nicht davon“, sagt der Lasbeker. Schließlich schwirren und krabbeln mehrere Tausend Bienen um den 31-Jährigen herum, wenn der Jungimker seiner Arbeit nachgeht. Um Stiche zu verhindern, müsste Drube eine Ganzkörpermontur anlegen. Auch im Sommer, bei 30 Grad. „Da habe ich keine Lust drauf“, sagt er. Seine Bienen kennt der 31-Jährige inzwischen genau genug, um zu wissen, wann sie angriffslustig gestimmt sind. „Mit der Zeit merkt man, ob sie gerade damit einverstanden sind, was man macht“, sagt er.

Jungimker Lasse Drube kümmert sich um Millionen Bienen

Erfahrungen in der Imkerei hat der 31-Jährige trotz seines jungen Alters reichlich gesammelt. Seit mehr als zehn Jahren ist Lasse Drube schon dabei. „Als Jugendlicher hatte ich einen Gemüsegarten“, erzählt der Lasbeker von seinen Anfängen als Selbstversorger. „Irgendwann wollte ich auch eigenen Honig haben.“ Sein erstes Volk kaufte der Lasbeker in Bad Oldesloe. Das zweite erwarb er auf eBay-Kleinanzeigen und holte es aus Köln nach Stormarn.

„Es ist üblich, dass Königinnen aus ganz Deutschland und dem Ausland im Internet bestellt und per Post verschickt werden“, sagt Drube. Die Insekten kämen dann im Briefumschlag in einem kleinen Käfig an. Heute kümmert Drube sich um mehr als 80 Bienenvölker – allerdings nur nebenberuflich. Studiert hat der 31-Jährige Architektur, arbeitet bei einem großen Wohnungsunternehmen. Alles Wissen rund um das Imkern hat Drube sich selbst angelesen. „Empfehlenswert ist das im Nachhinein betrachtet nicht“, sagt der Lasbeker. Er rät: „Am besten ist es, wenn man zur Imkerschule in Bad Segeberg geht.“ Dort würden Neueinsteigern alle Grundlagen in Abendkursen vermittelt.

Die Bienenvölker ziehen zweimal im Jahr um

Zu Beginn hatte Drube seine Bienen noch im eigenen Garten, inzwischen stehen die Nistkästen mit den Völkern an verschiedenen Standorten in Stormarn, Hamburg und dem Herzogtum Lauenburg. Je nachdem, wo es gerade blüht. Zweimal im Jahr ziehen die Bienen um. „Wenn die Rapsblüte vorbei ist, bringe ich sie nach Hamburg, dort werden sie an den Lindenalleen fündig“, sagt Drube. Zum Überwintern hole er sie wieder zu sich in die Nähe nach Lasbek.

Regelmäßig macht der Jungimker bei seinen Völkern Inventur. Heute ist er in Schiphorst (Kreis Herzogtum Lauenburg). Dort hat ein Landwirt auf einem Feld eine Blühwiese angelegt. Klee, Sonnen- und Kornblumen bieten den emsigen Insekten reichlich Nahrung. Während Drube erzählt, holt der Jungimker ein Utensil aus dem Kofferraum seines Transporters, das entfernt an eine Kaffeekanne erinnert. Der 31-Jährige füllt Holzspäne in den metallenen Zylinder, anschließend steckt er sie mit einem Feuerzeug an. „Das ist ein Smoker“, erklärt er. Während die Späne darin verkohlen, kann Drube mit einem angefügten Blasebalg Luft dazu geben, sodass oben Qualm hinausströmt. „Man macht sich damit einen Urinstinkt der Bienen zunutze“, sagt der Lasbeker, während er einen Brutkasten öffnet und den Rauch hineinbläst. „Der Smoker simuliert einen Waldbrand. Die Bienen beginnen dann, sich mit Honig vollzusaugen und sind abgelenkt, wenn ich die Waben hinausnehme.“

Während der Rapsblüte sind die Bienen besonders angriffslustig

Tatsächlich kümmert es die Tiere kaum, als der Jungimker einen der Holzrahmen mit den Waben herauszieht. „Wie tolerant die Bienen sind, ist auch von der Jahreszeit abhängig“, sagt Drube. „Während der Rapsblüte beispielsweise sind sie besonders beschäftigt und wollen nicht gestört werden. Das bekommt man dann als Imker zu spüren.“ Mit dem, was Drube sieht, ist er zufrieden. „Einige Waben sind schon gefüllt“, sagt er.

Einen besonderen Blick wirft der 31-Jährige auf die Königin. „Von ihr hängt es ab, wie produktiv das Volk ist“, erklärt der Lasbeker. Denn diese lege als einzige Eier. „Die Leistungsfähigkeit der Königin nimmt mit dem Alter ab“, so der Jungimker. „Nach zwei Jahren oder wenn sich das Volk im Vergleich zu den anderen schwächer entwickelt, tauscht man sie aus.“ Um den Überblick zu behalten, markiert Drube das Tier mit einem kleinen weißen Farbtupfer auf dem Rücken. „Jedes Jahr nehme ich eine andere Farbe, so weiß ich, wie alt die Königinnen sind“, sagt er.

Nur zehn bis 15 Prozent der 60.000 Arbeiterinnen überleben den Winter

In den Sommermonaten leben in jedem von Drubes Kästen mehr als 60.000 Bienen. Nur weibliche, denn die männlichen Drohnen werden nach der Begattung der Königin zwischen Mai und Juni verstoßen und sterben. „Im Winter sind es weniger Bienen, da überleben nur etwa zehn bis 15 Prozent je Volk“, so Drube. Im Frühjahr beginne die Königin dann wieder, verstärkt Eier zu legen. Alt werden die Bienen aber auch dann nicht: Ihre Lebenserwartung liegt zwischen vier und sechs Wochen. „Gerade das fasziniert mich am Imkern, diese Entwicklung im Laufe des Jahres“, sagt Drube. „Im Frühjahr besteht das Volk aus 5000 Bienen, dann beginnt die Königin, Eier zu legen, bis zu 2000 am Tag.“ Bis zur Rapsblüte wachse das Volk extrem, am Ende bestehe es aus rund 60.000 Arbeiterinnen.

Jedes Bienenvolk produziert rund 80 Gläser Honig im Jahr

„Bis zu 150 Kilogramm Honig kann ein Bienenvolk im Jahr produzieren“, sagt Drube. Doch nicht die gesamte Menge lande im Glas. „Der Honig dient den Bienen als Nahrung“, sagt der Lasbeker. Damit die emsigen Tiere nicht die gesamten Erträge verspeisen, füttert der Jungimker die Insekten mit Sirup.Am Ende bleiben Drube dadurch je Volk und Jahr etwa 40 Kilogramm Honig, rund 80 Gläser. Die verkauft der Jungimker vorwiegend im Internet über seine eigene Website. Aber auch in einigen Supermärkten in Stormarn ist der Honig aus Lasbek zu finden. Unter dem Label „Honigmanufaktur Lasbek-Gut“ bietet der 31-Jährige das Erzeugnis in verschiedenen saisonalen Sorten an.

Auf seinem Instagram-Kanal teilt der Imker Bilder und gibt Tipps

Dabei legt der Jungimker viel Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität: Den gesamten Prozess von der Biene über das Schleudern des Honigs bis zum Abfüllen ins Glas hat er selbst in der Hand. Nebenbei teilt Drube seine Leidenschaft mit rund 1200 Followern auf seinem Instagram-Kanal „imker_lasse“. Dort veröffentlicht der Lasbeker regelmäßig Fotos, Videos und Tipps für Bienenfreunde. Drube: „Die Hoffnung ist natürlich, dass ich damit andere junge Menschen für das Imkern begeistern kann.“

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