Stormarn

Trotz Kritik: Kreis vergibt Kulturpreis an Künstlerpaar

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Finn Fischer
Nicole Bäumer und Martin Dronsfield bekommen den Preis für das gemeinsame Kunstprojekt „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“.

Nicole Bäumer und Martin Dronsfield bekommen den Preis für das gemeinsame Kunstprojekt „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“.

Foto: Privat

Es bleibt dabei: Nienwohlder Martin Dronsfield erhält Prämie von 10.000 Euro, obwohl er der Querdenker-Szene nahesteht.

Bad Oldesloe.  Der Kreis Stormarn vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis nun doch an Martin Dronsfield und seine Partnerin Nicole Bäumer für das gemeinsame Kunstprojekt „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“. Die Preisverleihung an das Nienwohlder Künstlerpaar ist umstritten. Der Kreis hatte die Vergabe für Wochen ausgesetzt, nachdem Kritiker Dronsfields Nähe zur Querdenker-Szene thematisierten.

Mit dem Preisgeld soll neues Projekt finanziert werden

Jetzt hat die Jury entschieden: Das Preisgeld wird überwiesen. „Wir freuen uns über die Entscheidung und wollen die Kooperation mit dem Kreis weiterhin machen“, sagt Martin Dronsfield im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Art und Weise, wie das gelaufen ist, sei allerdings schon etwas unerfreulich gewesen. Mit dem Geld will das Künstlerpaar ein Projekt zum Thema Ernährungssouveränität finanzieren und die Frage behandeln, wie Ernährung ohne Supermärkte aussehen könnte.

Jury-Mitglied: Die Vergabe im Nachhinein zu ändern, sei schwierig

Das Projekt, bei dem das Paar in der Rolle der fiktiven Charaktere „Kasimir und Margarete“ die nähere Nienwohlder Umgebung per Fahrrad erkundet, nach Essbarem sucht und mit Menschen über Nachhaltigkeit ins Gespräch kommen will, überzeugte die Kulturpreis-Jury. Erst nach der Bekanntgabe des Preisträgers kam Kritik auf: Martin Dronsfield wird vorgeworfen, die Corona-Pandemie zu verharmlosen. Seit Monaten organisiert der Nienwohlder Mahnwachen in Bargteheide und demonstriert dort unter anderem für die Abschaffung der Maskenpflicht. Nach eigener Aussage leugnet er die Existenz der Pandemie nicht, kritisiert aber den Umgang mit ihr.

Künstler engagiert sich in „Ministerium für Menschenrechte“

Der Künstler engagiert sich außerdem in einer Gruppe namens „Ministerium für Menschenrechte“, die offensichtlich der Querdenken-Szene nahe steht und teils befremdliche Ansichten vertritt. Laut Initiator Nico Frank Wilhelm handelt es sich dabei um ein Kunstprojekt, er selbst sieht sich nicht als Querdenker.

Martin Dronsfield wird auf der Internetseite des fiktiven Ministeriums als „Minister für Kultur, Spaß und Lyrik“ aufgeführt, obwohl er nicht mit allen dort vertretenen Ansichten einverstanden ist, wie er sagt. Dass es bei der Arbeit des „Ministeriums“ allerdings nicht nur um Spaß, Dialog und harmlose Kritik an der Arbeit der Regierung während der Pandemie geht, legen die Thesen nahe, die auf der Internetseite verbreitet werden. Unter anderem ist dort die Forderung zu lesen, dass „die Coronamaßnahmen sofort zu beenden und die Verantwortlichen mit aller Härte des Gesetzes zu verurteilen sind“. Auch ist dort von einem „Tag X“ die Rede. Dieser Begriff wird aktuell vor allem in rechtsextremen Kreisen und von Reichsbürgern genutzt, um das Ende der bestehenden demokratischen Grundordnung zu beschreiben. „Wir wollen einen adäquaten Ausgleich zum bestehenden System finden und sollte der Tag X kommen, an dem unsere Regierung zurücktritt, dann wollen wir uns daran beteiligen einen Weg zu finden, bis ein gerechtes Volksnahes System gefunden und realisiert wird“, heißt es vom sogenannten „Ministerium für Menschenrechte“. Und weiter: „Es geht uns lediglich darum, einen möglichst reibungslosen Übergang zu schaffen, wenn das alte System abgewählt wird und ein neues noch nicht gefunden bzw. installiert ist.“

Absurde Verschwörungstheorien in Telegram-Kanal

Darauf angesprochen sagt Martin Dronsfield: „Soweit ich das Projekt verstehe, gibt es keine Energien, die einen Umsturz herbeiführen wollen.“ Das „Ministerium“ sei im Zusammenhang mit den Einschränkungen der Grundrechte entstanden.

Auf dem Telegram-Kanal des „Ministeriums“ werden allerdings auch Verschwörungstheorien verbreitet. So ist dort etwa ein Beitrag zu finden, in dem behauptet wird, (Angela) Merkel sei Kommunistin, die die DDR 2.0 zurückhaben will. Oder, dass die „Super-Eliten“ die Weltbevölkerung mit „Gift-/Genspritzen“ auf 500 Millionen reduzieren wollen. Die erwähnten Beiträge sind zwar nicht vom Inhaber des Kanals selbst verfasst, sondern von Nutzern. Gelöscht oder kommentiert wurden die absurden Behauptungen allerdings auch nicht.

Jury wusste von der Einstellung des Nienwohlders angeblich nichts

All diese Informationen sind öffentlich zugänglich. Der Jury, die in diesem Jahr den Kulturpreis vergeben hat, waren sie jedoch nicht bekannt, wie Florian Kautter (Die Linke), Mitglied des Stormarner Kulturausschusses, sagt. „Die Vergabe im Nachhinein zu ändern, ist schwierig“, so Kautter, der auch in der Jury saß. Es sei bedauerlich, dass der Preis so vergeben worden sei, „in Zeiten, in denen eigentlich Projekte zur Aufklärung gegen solche Tendenzen gefördert werden.“

Linken-Politiker kritisiert Preisverleihung scharf

Kirstin Krochmann (CDU), Vorsitzende des Schul-, Kultur- und Sportausschusses, sieht in der Verleihung des Preises an Martin Dronsfield offenbar kein Problem: „Wir beurteilen in der Jury das kulturelle Projekt, stellen die Kultur in den Vordergrund und nicht die Künstler und Menschen und Einstellungen dahinter.“ Deswegen sei die Jury mit großer Mehrheit zu der Entscheidung gekommen, den Preis wie geplant zu verleihen. Hendrik Holtz (Die Linke) kritisiert die Vergabe des Preises und den Umgang des Kreises mit dem Vorgang scharf: „Es wirkt auf mich so, als würde jetzt der Weg gewählt werden, der am wenigsten Staub aufwirbelt und um die Sache schnellstmöglich abzumoderieren. Man hätte das Rückgrat haben müssen, den Preis zurückzunehmen.“

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