Schauspiel

Für das Junge Theater ist das Ende ganz nah

| Lesedauer: 4 Minuten
Elvira Nickmann
Das Ende vor Augen ein letztes Mal feiern und tanzen: In dieser Szene feiern die Darsteller des Jungen Theaters eine Weltuntergangsparty.

Das Ende vor Augen ein letztes Mal feiern und tanzen: In dieser Szene feiern die Darsteller des Jungen Theaters eine Weltuntergangsparty.

Foto: Florentine Dibbern-Gerhardt

Stormarner Kultursommer in Bargteheide wird mit berührendem Stück „36.000 Sekunden“ eröffnet. Es geht darum, was im Leben zählt.

Bargteheide.  Was würden Sie tun, wenn Sie erfahren, dass die Welt in zehn Stunden untergeht? Die Liebsten in den Arm nehmen, ans Meer fahren, sich mit Menschen versöhnen? Eine schwer zu beantwortende Frage, mit der sich auch die Akteure des Jungen Theaters Marstall auseinandergesetzt haben. Denn im Angesicht des nahen Endes wird plötzlich deutlich, was im Leben wichtig ist.

Darsteller sind zwischen 15 und 22 Jahren alt

„36.000 Sekunden“ ist der Titel des Bühnenstücks von Autorin Julia Gastel, das die Gruppe an diesem Sonnabend, 14. August, zur Eröffnung des Kultursommers des Kreises Stormarn um 16.30 Uhr auf dem Marktplatz in Bargteheide auf einer Open-Air-Bühne zeigt.

Regisseurin ist Caroline Dibbern, die die beiden Gruppen des Jungen Theaters im Marstall Ahrensburg leitet. Die Darsteller gehören zu der älteren Gruppe und sind zwischen 15 und 22 Jahren alt. Die Regisseurin beschreibt den Stoff als ein Drama mit Augenzwinkern. Dibbern sagt: „Die Jugendlichen haben das Stück selbst ein bisschen umgeschrieben und umgearbeitet.“

Aufführung fiel wegen Pandemie ins Wasser

Seit November 2019 hätten sie mit Unterbrechungen geprobt. „Wir haben das Stück zwischenzeitlich liegen lassen.“ Denn im Winter 2020 habe das Schauspiel wegen der Pandemie nicht wie geplant aufgeführt werden können. Erst als durch die Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Bargteheide ein Open-Air in greifbare Nähe gerückt sei, habe die intensive Probenphase begonnen.

Das Ergebnis hätten die Darsteller bei einer kleinen exklusiven Vorstellung auf der Kircheninsel vor ihren Familien und Freunden präsentiert. „Die Jugendlichen haben sich die Seele aus dem Leib gespielt“, sagt Dibbern. Auf die Frage, wie das Publikum das Stück aufgenommen habe, sagt Dibbern. „Das Publikum war sehr berührt und der Applaus sehr bewegt.“ Nach der Vorstellung habe sie die Rückmeldung einiger Zuschauer erhalten, dass diese sich daraufhin mit dem Thema beschäftigt hätten.

Gruppe machte Improvisationen zur Vorbereitung

In „36.000 Sekunden“ treten 15 Charaktere auf. Sie haben unterschiedliche Hintergründe, sind Teil einer Wohngemeinschaft, Familie oder Bürogemeinschaft. Zum Ablauf sagt Dibbern: „Den Darstellern wird zu Beginn des Stücks gesagt, dass die Welt in zehn Stunden untergeht.“ Und zwar so, dass klar sei, dass die Aussage der Wahrheit entspreche.

Trotzdem spielten die Jugendlichen mit einer großen Leichtigkeit. „Sie halten uns den Spiegel vor, das Ganze ist wie ist ein Kaleidoskop der Menschheit“, erläutert Dibbern. Zur Vorbereitung hätten sie viele Improvisationen gemacht. „Die Impros sind tief gegangen.“

Kernpunkt ist die emotionale Auseinandersetzung

Es sei berührend und zugleich spannend gewesen zu erleben, wie ehrlich die Jugendlichen mit der Frage umgegangen seien, was sie selbst in dieser Situation machen würden. Kernpunkt des Stücks sei die emotionale Auseinandersetzung damit, was passiere, wenn man nichts mehr unter Kontrolle habe.

Im Schauspiel habe das eine „abgrundtiefe Menschlichkeit“ zur Folge. Die Regisseurin sagt: „Die Charaktere streiten sich sogar noch über die Dinge kurz vor dem Weltuntergang.“ Trotzdem herrsche keine beklemmende Stimmung. „Es hat so ein bisschen Verrücktheit und Wahnsinn, es geht um das, was zählt.“ Und es sei als eine Aufforderung an die Zuschauer zu sehen, nicht zu warten, bis es zu spät sei. Die Thematik beschäftige sonst eher die Älteren.

Ab zwölf Jahren kann man den Inhalt verstehen

Eine konkrete Altersempfehlung gibt Caroline Dibbern nicht ab. „Ab einem Alter von etwa zwölf Jahren kann man den Inhalt richtig verstehen und in Gänze erfassen.“ Aber auch jüngere Kinder könnten das Stück durchaus sehen.

Zum Ausgang des Schauspiels will Dibbern nichts verraten. Nur so viel: „Es ist eine großartige Reise, mal schauen, wie sie wirklich weitergeht.“ Also doch ein Hoffnungsschimmer? Wer mehr wissen will, kommt zur Aufführung auf dem Marktplatz, Picknickdecken, Verpflegung und Klappstühle können mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei.

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