Anwohnerprotest

Großhansdorfer wehren sich gegen Bauvorgaben

| Lesedauer: 6 Minuten
Filip Schwen
Andreas Heß zeigt eines der charakteristischen Walmdachhäuser, die die Großhansdorfer CDU erhalten möchte. Gemeinsam mit anderen Anwohnern des Erlenrings wehrt er sich gegen die geplanten Gestaltungsvorgaben. 

Andreas Heß zeigt eines der charakteristischen Walmdachhäuser, die die Großhansdorfer CDU erhalten möchte. Gemeinsam mit anderen Anwohnern des Erlenrings wehrt er sich gegen die geplanten Gestaltungsvorgaben. 

Foto: Filip Schwen / HA

Politiker wollen Gestaltung der Häuser am Erlenring festschreiben. Betroffene befürchten Wertverlust, sammeln Unterschriften.

Grosshansdorf. „Als wir erfahren haben, dass es sich bei unserer Straße um ein schützenswertes Quartier handeln soll, waren wir, gelinde gesagt, überrascht“, sagt Andreas Heß. Die Verärgerung ist dem Großhansdorfer sichtlich anzumerken. Heß deutet auf ein kleines, weiße Haus mit schwarzem Dach. „Was daran erhaltenswert sein soll, erschließt sich mir nicht“, sagt er. Gemeinsam mit weiteren Anwohnern der Siedlung Erlenring/Bruno-Stelzner-Weg wehrt sich Heß gegen das Vorhaben der Großhansdorfer Lokalpolitiker, eine solche Gestaltung der Häuser in dem Quartier zur Auflage zu machen.

Anwohner haben Unterschriftenliste an den Bürgermeister übergeben

„Für uns als Grundstückseigentümer würde das einen erhebliche Wertverlust bedeuten, wenn die Vorgaben kommen“, sagt Heß. „Und das vollkommen ohne Notwendigkeit.“ Das sehen offenbar viele Anwohner so. 37 Unterschriften hat Heß gemeinsam mit Nachbarn gegen das Vorhaben gesammelt und an Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß übergeben. „Wenn dieser Vorstoß so offensichtlich dem Willen der Anwohner widerspricht, wäre es doch angemessen, davon Abstand zu nehmen“, meint Heß.

Antrag der Großhansdorfer CDU hat den Streit ausgelöst

Auslöser des Streits ist ein Antrag, den die Großhansdorfer CDU im Februar im Bau- und Umweltausschuss eingebracht hatte. In dem Papier fordert die Fraktion eine Ergänzung des Bebauungsplans für das Erlenring-Quartier um Gestaltungsvorgaben für die dortigen Häuser. Ziel sei es, den homogenen Charakter der Siedlung zu erhalten.

„Der Gebietscharakter mit großen Grundstücken und Walmdachhäusern soll erhalten bleiben, da es sich um eine besonders geschlossene Siedlung handelt, wie sie in näherer Umgebung sonst nirgendwo zu finden ist“, heißt es darin.

Das Straßenbild an Erlenring und Bruno-Stelzner-Weg ist von weißen Einfamilienhäusern mit schwarzen Walmdächern und L-förmigem Grundriss dominiert, die zwischen Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre entstanden sind. Um dieses Erscheinungsbild zu erhalten, wollten die Christdemokraten neben einer Einzelhausbebauung auch die farbliche Gestaltung auf Schwarz-Weiß, die Höhe auf neun Meter und die Dachneigung auf 45 Grad festschreiben.

Nur die FDP stellte sich gegen das Vorhaben

Die SPD stellte sich hinter das Vorhaben und auch die Grünen stimmten mit dem Zugeständnis, dass Solaranlagen auf den Dächern zulässig bleiben sollen, zu. Einzig die FDP stellte sich gegen die Pläne. Fraktionsvize Carsten Pieck kritisierte einen „ungerechtfertigten Eingriff in das Eigentum der Anwohner“. Insgesamt wären von der B-Plan-Änderung 51 Häuser betroffen.

„Kommen die Beschränkungen, würde das den Verkaufspreis unserer Grundstücke erheblich mindern“, sagt Karl-Heinz Schult-Bornemann, der die Unterschriftenaktion gemeinsam mit Heß initiiert hat. „Walmdächer sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß, niemand möchte so etwas mehr bauen“, sagt er. Durch die schrägen Wände könne der Platz im ersten Stock nicht optimal genutzt werden.

Walmdächer sind nicht mehr zeitgemäß

Auch energetisch sei die Dachneigung problematisch. „Da Wärme nach oben steigt, geht bei dieser Dachneigung viel mehr Energie verloren, als wenn mit geringerer Neigung gebaut wird“, so Schult-Bornemann. Nicht umsonst erfreuten sich Häuser im sogenannten Toskana-Stil seit Jahren steigender Beliebtheit. „Darüber hinaus ändert sich in 60 Jahren schlicht der Geschmack“, sagt Schult-Bornemann. „Ich finde die Häuser eigentlich ganz hübsch, aber es ist einfach unnötig, die Leute so einzuschränken“, ergänzt seine Frau Annette. Das sieht auch Andreas Heß so. „Die meisten wollen ja gar keine ausgefallen Veränderungen vornehmen“, sagt er. „Niemand will hier ein Pippi-Langstrumpf-Haus bauen.“

Fraktionen distanzieren sich von dem Vorhaben

Heß, der seit 45 Jahren im Erlenring wohnt, weist zudem darauf hin, dass das Areal damals nicht aus ästhetischen Gründen einheitlich mit weißen Walmdachhäusern bebaut worden sei. „Ausschlaggebend war der finanzielle Aspekt“, sagt er. Der Eigentümer habe damals einen Architekten beauftragt und alle Häuser einheitlich nach dessen Entwurf und aus identischen Materialien errichten lassen, um Zeit und Geld zu sparen. „Mal sind die Häuser gespiegelt und mal um 90 Grad gedreht, aber im Wesentlichen alle identisch.“

Der Anwohnerprotest hat offenbar Wirkung gezeigt. Auf ihrer jüngsten Sitzung rückten die Gemeindevertreter von CDU, SPD und Grünen wieder ein Stück weit von dem Vorhaben ab. „Wir sind noch ganz am Anfang des Verfahrens“, beschwichtigte Christoph Maas (CDU), Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses, die mehr als 20 anwesenden Bewohner des Quartiers. Es gebe im Aufstellungsverfahren für den geänderten B-Plan noch umfassende Möglichkeiten, Einwände einzureichen. Maas versicherte: „Wenn weiter die deutliche Mehrheit der Anwohner dagegen ist, werden wir das so nicht beschließen.“

Thema soll im Bauausschuss am 14. Juni erneut beraten werden

Die SPD distanzierte sich von dem Vorhaben. „Nach Beratung in der Fraktion werden wir dem so nicht mehr zustimmen“, sagte Fraktionschef Reinhard Niegengerd. Die SPD wolle zwar die Einzelhausbebauung festschreiben, alles andere werde man jedoch nicht mittragen.

In jener Sitzung wollten die Gemeindevertreter eigentlich bereits den Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Bebauungsplans fassen und das Verfahren so starten. Angesichts des heftigen Widerstandes beantragten die Grünen jedoch, das Thema zurück an den Bauausschuss zu verweisen und dort erneut zu beraten. „Es gibt erheblichen Diskussionsbedarf, wir sind noch nicht entscheidungsreif“, sagte Fraktionschefin Sabine Rautenberg.

Das Thema soll nun im kommenden Bauausschuss am Montag, 14. Juni, erneut beraten werden. „Das ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Andreas Heß.

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