Architektur

So könnte Glindes neues Zentrum aussehen

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René Soukup
Mit dieser Visualisierung will das Architekturbüro „SKAI“ die Kommunalpolitik überzeugen.

Mit dieser Visualisierung will das Architekturbüro „SKAI“ die Kommunalpolitik überzeugen.

Foto: Siemer Kramer Architekten Ing

Architekt präsentiert Entwurf für Glindes neue City mit Giebeldachhäusern. Auftraggeber ist ein Hamburger Investor.

Glinde.  Jede Menge Gebäude mit Giebeldächern, die in unterschiedlichen Farben geklinkert sind. Manch einer mag sich bei dem Anblick an Wismar oder Lübeck erinnert fühlen. Genau das ist auch beabsichtigt. Denn die Hansestädte an der Ostsee dienen als Vorbild für den Entwurf der neuen Glinder Innenstadt. Angefertigt hat ihn das Architekturbüro „SKAI“ im Auftrag eines Hamburger Investors. Dessen Namen hält Bürgermeister Rainhard Zug noch geheim. Es ist ein Plan, der das Bild des Zentrums komplett verändern würde. Demnach bleiben lediglich Rathaus, Bürgerhaus und ein Komplex im Norden bestehen. Skizziert ist ein lebendiges Cityquartier mit einem Mix aus Wohnen, Einzelhandel und Dienstleistungen.

Sollte das Projekt in genau dieser Form umgesetzt werden, belaufen sich allein die Baukosten grob geschätzt auf 120 Millionen Euro. Diese Zahl nennt Architekt Jan Siemer, der mit seinem Team sechs Monate an dem Konzept gearbeitet hat. Hinzu kommen noch Investitionen für den Erwerb von Grundstücken. Das überplante Gebiet umfasst rund 30.000 Quadratmeter. Ob die jetzt vorgeschlagene Umgestaltung möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab.

Siemers Werk orientiert sich an dem sogenannten Rahmenplan für die Ortsmitte, der von der Politik im vergangenen Jahr beschlossen wurde. In ihm sind die Leitlinien für die städtebauliche Entwicklung festgelegt. Bürger haben dabei mitgearbeitet, brachten Ideen bei Workshops ein. Ziel ist es, die Attraktivität der rund 19.000 Einwohner zählenden Kommune zu erhöhen. Zentraler Bestandteil ist die Schaffung von 300 Wohnungen, 100 davon öffentlich gefördert.

In dem „SKAI“-Dokument mit seinen 15 Seiten ist der Bau von 415 Einheiten genannt, weil die vorhandenen ersetzt werden. Nicht zu vergessen 4000 Quadratmeter zusätzliche Einzelhandelsflächen, die wünschenswert sind. „Es ist ein toller Entwurf und wäre zugleich eine Umgestaltung mit hoher Aufenthaltsqualität“, sagt Rathauschef Zug.

Tiefgarage ist unter Marktplatz geplant

Auf dem Parkplatz an der Ecke Möllner Landstraße/Oher Weg ist das höchste Gebäude mit bis zu neun Geschossen verortet. Es hat eine goldene Fassade mit hohen Fensterfronten. Der ebenerdige Bereich ist für einen Nahversorger, darüber könnten ein Ärztezentrum und eine stationäre Pflegeeinrichtung sein. In den an den Marktplatz grenzenden Häusern ist das Erdgeschoss für den Handel bestimmt, darüber sind Wohnungen. Siemer hat bewusst mit Stilbrüchen gearbeitet. Auf Höhe zum Eingang der Passage unterbricht eine Flachdachimmobilie mit Goldton das Giebelensemble.

Vom Marktplatz führen Treppen, die mit Bäumen bestückt sind, in eine Zone mit Wohnungen, wo es auch Holzhäuser gibt samt Innenhof. „Wir setzen unterschiedliche Akzente, wollen auch ein Stück weit Co2-neutral antreten. Aus wirtschaftlicher Sicht geht das aber nicht mit dem ganzen Projekt“, sagt Siemer. Er verweist auf die Solaranlagen auf Giebeldächern sowie begrünte Flachdächer. Das Dilemma der Glinder City aus architektonischem Blickwinkel beschreibt er so: „Derzeit fehlen die Proportionen, deshalb war es nötig, etwas urbaner an die Sache heranzugehen.“ Der Marktplatz brauche klare Abgrenzungen, Mut zur Höhe sei gefragt.

Im nördlichen Abschnitt befinden sich im Erdgeschoss von Häusern neben Handelsflächen Pkw-Stellplätze, die zu einem späteren Zeitpunkt in Wohnungen umgewandelt werden könnten. Unter dem Marktplatz ist eine Tiefgarage geplant. 680 Parkmöglichkeiten sind es insgesamt auf dem Areal, 75 Prozent davon liegen unter der Erde. Auch der öffentliche Personennahverkehr wurde mitgedacht. Busse fahren auf Höhe der Avenue St. Sebastien ins Quartier zu einem zentralen Haltepunkt.

Erste Grundeigentümer sind verkaufsbereit

In dem Entwurf steht unter dem Punkt „möglicher zeitlicher Ablauf“ eine Schaffung von Baurecht bis Ende 2023 und der Start erster Aktionen in jenem Jahr oder auch 2024. In Phase eins ist die Tiefgarage vorgesehen und der Block mit der Sparkasse. Danach soll der Parkplatz angefasst werden. Dieser gehört der Stadt, durch einen Verkauf würde sie Geld generieren. Direkt am Markt gibt es acht Eigentümer von Grundstücken und Immobilien. Drei haben laut Zug signalisiert, dass eine Veräußerung vorstellbar sei. Mit den 25 Eignern rund um die Passage hat der Bürgermeister noch keine Gespräche geführt. Alle haben auch die Möglichkeit, miteinzusteigen und als Co-Investoren zu agieren.

Der Glinder Innenstadt ein neues Gesicht zu verpassen, ist offenbar das Ziel von mehreren Unternehmen. „Bei uns gibt es einige Anfragen von Investoren“, sagt Siemer, der sich laut eigener Aussage „auf Städtereparatur spezialisiert“ hat. Sein Architekturbüro mit Sitz in der Weidestraße in Hamburg betreibt er mit einem Partner. Die Experten haben vielfältige Referenzen. Sie entwickelten unter anderem das Schulungsgebäude auf dem Stromnetz-Campus in Bramfeld, das Lichtspielhaus in Bad Homburg sowie die Brecht-Schule in Hamburg-St. Georg. Siemers Vision von Glindes City kann nur Realität werden, wenn auch die Politik zustimmt. Das Projekt sollte am späten Donnerstagabend im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz vorgestellt werden.

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