Barsbüttel

Kostenexplosion bei Feuerwehrwache in Stemwarde

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René Soukup
Die aktuelle Feuerwache im Barsbütteler Ortsteil Stemwarde hat erhebliche Mängel.

Die aktuelle Feuerwache im Barsbütteler Ortsteil Stemwarde hat erhebliche Mängel.

Foto: René Soukup

Projekt in Stemwarde wird geschätzt 30 Prozent teurer. Neubau der Feuerwache sollte eigentlich rund 2,5 Millionen Euro kosten.

Barsbüttel.  Rund 2,5 Millionen Euro sollte sie kosten, die neue Feuerwehrwache im Barsbütteler Ortsteil Stemwarde. Doch mit dieser Summe kommt die Gemeinde nicht aus. Es wird deutlich teurer. „Das macht uns Sorgen“, sagt Bürgermeister Thomas Schreitmüller und beziffert die geschätzte Preissteigerung auf rund 30 Prozent. Das sei nicht nur bei diesem Projekt so, sondern allgemeiner Trend, so der Verwaltungschef. Für seine Kommune ist dieser jedoch besonders bitter: Die Schulden von derzeit 22 Millionen Euro verdoppeln sich laut Prognose bis 2024. Noch fehlt Barsbüttel ein schlüssiges Konzept, um die Finanznot zu lindern.

Was also nun? Die Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (BfB), stärkste Kraft in der Gemeinde, würde den Beschluss für das ausgewählte Gerätehaus gern rückgängig machen. Übrigens nicht erst seit heute. Sie möchte ein günstigeres Gebäude und auf das obere Stockwerk verzichten. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Politik eine Entscheidung revidiert. Die im Juli 2014 einstimmig von der Gemeindevertretung beschlossene Teilsanierung des Rathauses für 2,5 Millionen Euro wurde elf Monate später mit Stimmen von Christ- und Sozialdemokraten kassiert. Den angestrebten Neubau machte ein Bürgerentscheid zunichte. Schließlich wurde das Verwaltungsgebäude am Stiefenhoferplatz erweitert inklusive Vollsanierung – für das Vierfache.

Grünen-Fraktionschef sieht keine Möglichkeit, irgendwo den Sparstift anzusetzen

Schreitmüller berichtet, zwei bei der Gemeinde beschäftigte Architekten hätten ihn auf den finanziellen Mehraufwand bei Bauprojekten hingewiesen. Er sagt: „Ich werde jetzt eine neue Kostenermittlung auch für die Stemwarder Wache veranlassen.“ Das Projekt steht kurz vor der Ausschreibung. „Das ist schon ein Hammer. Wir haben aber kein übertrieben großes Gebäude. Daher sehe ich nicht die Möglichkeit, irgendwo den Sparstift anzusetzen“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Joachim Germer. Er halte an dem Vorhaben fest, „allerdings nicht mit Vergnügen“. Sein Pendant von der SPD, Hermann Hanser, möchte genau wissen, warum es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Er sagt: „Oftmals wird ja zu niedrig kalkuliert.“ Seine Partei werde das Projekt aber weiter unterstützen. „Es ist nicht die Zeit, Beschlüsse rückgängig zu machen. Wir sollten nach vorn schauen und die Dinge umsetzen.“

Materialien und Rohstoffe sind extrem teuer geworden. Laut Hauptverband der Bauindustrie lag der Preis für Bitumen im Dezember 2020 um 56 Prozent über dem des Jahresbeginns 2016. Bei Betonstahl sind es 37 Prozent. Dämmstoffe für Fassaden kosteten im Januar 2021 rund 25 Prozent mehr als einen Monat zuvor. „Vielleicht ist es eine Option, ein paar Monate zu warten. Man geht davon aus, dass die Rohstoffpreise in vier bis sechs Monaten runtergehen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Henri Schmidt. Seine Partei stehe zum Wachenneubau in Stemwarde. „Ich sehe das ganz entspannt.“

Gerätehaus wird auf 868-Quadratmeter-Areal gebaut

Die aktuelle Immobilie an der Dorfstraße im kleinsten Barsbütteler Ortsteil hat erhebliche Mängel und wird abgerissen. Die Halle ist für Fahrzeuge zu klein. Bei Einsätzen müssen sich die Ehrenamtler ihre Schutzausrüstung dort überstreifen, weil es keine Umkleideräume gibt. Auch fehlt eine fachgerechte Lüftung. Darauf hatte die Hanseatische Feuerwehrunfallkasse (HFUK) das Rathaus schon vor Jahren hingewiesen. Mitte vergangenen Jahres segnete die Politik den von den Feuerwehrleuten gewünschten Komplex ab.

Auf dem 868 Quadratmeter großen Areal ist der Platz begrenzt. Deshalb wird in die Höhe gebaut mit drei Geschossen samt Unterkellerung. Die Verwaltung hatte zwischenzeitlich mit dem Eigner eines angrenzenden 500-Quadratmeter-Grundstücks verhandelt. Die Politik sah von einem Kauf ab, weil die Breite nicht ausreichte.

Willinghusens Wehr zieht an Barsbütteler Landstraße

Barsbüttel wird in den kommenden Jahren viel Geld in die Feuerwehr investieren. Die Ehrenamtler aus Willinghusen sollen ebenfalls ein neues Haus bekommen und an die Barsbütteler Landstraße ziehen. Bislang wurde mit rund 2,3 Millionen Euro kalkuliert. Ob das reicht, scheint fraglich. Zwecks Planung wurde eine Arbeitsgruppe aus Politik und Wehr installiert. Dabei ist auch ein Architekt. Die BfB hat sich gegen einen Umzug ausgesprochen, will die jetzige Wache lieber kostengünstiger ertüchtigen. „Weil Investitionen in Schulen wichtiger sind als ein Gerätehausneubau“, sagt Fraktionschef Rainer Eickenrodt. Mit seinem Vorschlag findet er im Gemeindeparlament jedoch keine Mehrheit.

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