Sicherheit

Oststeinbek sucht neuen Standort für eine Polizeistation

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René Soukup
In dem Gebäude der Oststeinbeker Feuerwehr war früher auch eine Polizeiwache.

In dem Gebäude der Oststeinbeker Feuerwehr war früher auch eine Polizeiwache.

Foto: René Soukup

Fünf Jahre nach Schließung: Wiedereröffnung der Wache wird immer wahrscheinlicher. Ortspolitiker präferieren Gebäude im Zentrum.

Oststeinbek.  Die Politiker in Oststeinbek unterstützen das Land Schleswig-Holstein für den Fall der Wiedereröffnung der Polizeiwache. In Kürze wird Bürgermeister Jürgen Hettwer sich nach geeigneten Gebäuden umschauen im Vorgriff auf die Entscheidung in Kiel. Wie berichtet, sind die Überlegungen im zuständigen Innenministerium weit fortgeschritten. Die Parteien in der rund 9100 Einwohner zählenden Kommune präferieren einen Standort im Zentrum. Dort gibt es Alternativen in gemeindeeigenen Immobilien. Auch das Mieten von Räumen ist möglich. Die Kosten trägt ohnehin das Land.

Bis zu Schließung der Dienststelle Mitte 2016 waren die Ordnungshüter in der Feuerwehrwache an der Stormarnstraße untergebracht. Die Räume sind inzwischen an die Jugendabteilung vergeben. Diese innerhalb des Hauses zu verlagern, ist nicht so einfach, denn die Wehrführung hat im Rathaus bereits weiteren Platzbedarf reklamiert. Und bevor eine Erweiterung umgesetzt ist, dürfte einiges an Zeit vergehen. „Womöglich müssen wir eine Übergangslösung finden. Es ist ja auch die Frage, wie viele Personen in der Polizeistation arbeiten“, sagt Hettwer. Er wird Liegenschaften auf Eignung prüfen. Einen entsprechenden Antrag hat die CDU für den Kultur-, Sozial- und Jugendausschuss am 17. Mai gestellt. Eine Mehrheit ist sicher.

Patrick Klose, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten, sagt: „Eine Polizeiwache direkt im Ortszentrum wäre attraktiv.“ Er sieht die Gemeinde als Helfer, die zum Beispiel auch Kontakte zu Eignern von Immobilien vermittelt, sollte die Installation in einem eigenen Gebäude nicht gelingen. Konkret nennt Klose einen Gedanken: die frühere Filiale der Sparkasse Holstein an der Möllner Landstraße. Das Geldinstitut hat inzwischen nur noch SB-Automaten auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei Budnikowsky. Wo früher Kunden zwecks Geldanlage beraten wurden, ist nun ein Corona-Testzentrum – allerdings nicht auf Dauer. Im Internet werden die Räume zum Mieten angeboten. Kosten: 3244 Euro pro Monat warm. Die Fläche umfasst 302 Quadratmeter.

So viel Platz ist nicht vonnöten. Die Dienststelle in Oststeinbek war seinerzeit in der Regel immer mit drei Beamten besetzt. Es ist kaum davon auszugehen, dass das Land bei einer Wiedereröffnung mehr Personal einsetzt. Große Stationen gibt es bereits in Reinbek und Glinde. Carsten Bendig, Fraktionschef von Ostbek.net, einer Gruppe aus ehemaligen FDP-Mitgliedern, sagt: „Wir unterstützen den CDU-Antrag.“ Er bringt die Scheune neben dem Bürgersaal ins Spiel. Dort hat der örtliche Flüchtlingshilfeverein eine Kleiderkammer. „Eine Wache wäre für mich die sinnvollere Nutzung.“ Eine Lagerstätte könne man dem Verein auch woanders bieten.

Der Fraktionschef der Oststeinbeker Wählergemeinschaft (OWG), Rudi Hametner, kann sich eine Lösung im Zentrum ebenfalls vorstellen, zu konkreten Standorten äußert er sich jedoch nicht. „Aber wir gehen in die gleiche Richtung wie die CDU.“ Das heißt: Auch die OWG wird dem Antrag zustimmen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Mielcarek findet die ehemalige Sparkasse „charmant“. Eine Polizeistation in der Ortsmitte sei ihm lieber als im Feuerwehrgebäude. „An der Möllner Landstraße ist sie gut sichtbar, das gibt ein Gefühl von Sicherheit.“

Genauso wie die Scheune, die umgebaut werden müsste. ist auch die angrenzende Begegnungsstätte im Eigentum der Gemeinde. Das rotgeklinkerte Haus ist Heimat des Oststeinbeker Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Laut Bürgermeister Hettwer sind freie Büros vorhanden – eine weitere Alternative.

CDU-Politiker Lukas Kilian setzt sich für den Ort ein

Oststeinbek will gut vorbereitet sein für den Tag, an dem das Innenministerium die Wiedereröffnung bestätigt. Die Schließung war 2015 im Zuge einer Strukturreform kommuniziert worden. Damals wurde die Landesregierung von der SPD geführt. Die für Stormarn zuständige Polizeidirektion Ratzeburg hatte dazu ein Konzept erarbeitet und das Aus für kleine Wachen festgelegt, jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

2017 kam es dann zum Regierungswechsel. Seitdem regiert die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Davon profitierte die Ammersbeker Polizei. Im Dezember jenes Jahres sollte der Standort in Hoisbüttel für immer geschlossen werden. Fünf Monate davor legte Kiel den Plan auf Eis.

Lukas Kilian, CDU-Landtagsabgeordneter mit Wahlkreisbüro in Glinde, setzt sich seit Langem für die Rückkehr der Ordnungshüter nach Oststeinbek ein und spricht damit vielen Bürgern aus dem Herzen. Das Entsetzen war seinerzeit groß. 832 Menschen signierten im Herbst 2015 eine Petition und protestierten gegen die Schließung der Polizeistation. Kilian untermauert sein Anliegen immer wieder in Gesprächen mit Torsten Geerdts, dem Staatssekretär im Innenministerium. Der sagte dieser Redaktion vor zwei Wochen, man schließe einzelne Korrekturen der Beschlüsse aus den Jahren vor 2017 nicht aus.

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