Einkaufsgutscheine

Ahrensburgs Stadtgeld kommt – auch für Ehemalige

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Harald Klix
Die Einkaufsgutscheine sollen die Umsätze in der Innenstadt ankurbeln.

Die Einkaufsgutscheine sollen die Umsätze in der Innenstadt ankurbeln.

Foto: HA

Aktionsstart auf 31. Mai verschoben. Auch Fortgezogene profitieren, weil Stichtag für Empfängerliste schon am 1. November war.

Ahrensburg.  Die Stadt Ahrensburg verschickt Ende Mai Einkaufsgutscheine im Gesamtwert von rund 1,3 Millionen Euro an ihre Bürger. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten Coupons über 50 Euro, alle älteren Einwohner für 30 Euro. Die Gutscheine können vom 31. Mai bis 10. Juli bei Einzelhändlern, Gastronomen und Kultureinrichtungen im Ort eingelöst werden, die nach dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 schließen mussten. Diesen Zeitplan hat die CDU-Grünen-Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung durchgesetzt.

Ob der wegen der Pandemie-Einschränkungen zum vierten Mal verschobene Starttermin (18. Januar, 1. Februar, 1. März, 6. April, 31. Mai) endlich eingehalten werden kann, ist fraglich. Denn Voraussetzung ist, dass alle teilnahmeberechtigten Läden mit Sicherheit geöffnet haben.

Mehr als 34.000 Gutscheinbriefe sind schon gedruckt

Zudem lässt sich die beschlossene Aktualisierung der Empfängerliste nur teilweise umsetzen. So bleibt es beim Stichtag 1. November 2020 für den Hauptwohnsitz in Ahrensburg. Dies hat zur Folge, dass etwa 1300 Bürger, die in den vergangenen sechs Monaten weggezogen oder gestorben (etwa 250 Fälle) sind, Gutscheine bekommen.

„Das ist dem unglücklichen Ablauf geschuldet, den niemand vorhersehen konnte“, sagte Bürgermeister Michael Sarach auf Anfrage. „Da muss man einige Schwachstellen in Kauf nehmen.“ Um schnell starten zu können, sind die weit mehr als 34.000 Gutscheinbriefe nämlich schon gedruckt und liegen zum Versand bereit. Für einen Abgleich müsste man sämtliche Schreiben kontrollieren und gegebenenfalls per Hand aussortieren. Diese Aufwand sei nicht zu rechtfertigen. „Wir haben ja noch andere Aufgaben“, so Sarach. Er geht davon aus, dass viele dieser Briefe als unzustellbar zurückkommen. Und das Ziel, dem kriselnden Handel zu helfen, werde trotzdem nicht verfehlt.

Neugeborene und Zugezogene werden noch hinzugefügt

Der Wählergemeinschaft WAB war aufgefallen, dass es mittlerweile rund 2800 Fehlzuweisungen geben würde. Immerhin wird die zweite Ungerechtigkeit ausgeräumt: Die rund 1500 seit November nach Ahrensburg gezogenen Einwohner und die seitdem geborenen Babys erhalten jetzt auch Gutscheine. Für alle, die sich bis 30. April im Einwohnermeldeamt registriert haben, werden zusätzliche Briefe gedruckt.

Bei einigen Stadtverordneten löste der Beschluss Irritationen aus. „Ein Start am 31. Mai ist vollkommen illusorisch“, sagte Wolfgang Schäfer (FDP) mit Blick auf die derzeit in Stormarn geltende Corona-Notbremse. „Für die Innen-Gastro gibt es keine Aussichten zu öffnen.“ Er könne auch nicht nachvollziehen, dass Verzogene und Verstorbene nach wie vor Gutscheine bekommen.

Ein Satz über Außen-Gastro löst Nachfrage aus

Genauso hatte SPD-Fraktionschef Jochen Proske die Debatte im jüngsten Hauptausschuss in Erinnerung. „Ich dachte, wir machen uns das Leben leichter, indem wir noch keinen konkreten Aktionszeitraum benennen“, sagte er. Das Datum könne dann festgelegt werden, wenn es die Corona-Bedingungen absehbar erlaubten. Dieses Vorgehen spare Verwaltung und Politik Arbeit. Er akzeptiere den Mehrheitsbeschluss zum Stadtgeld – SPD, WAB, FDP und Linke waren nicht dafür – durchaus. „Es geht nur darum, dass wir es handwerklich gut durchziehen.“

Benjamin Stukenberg (Grüne) entgegnete, dass es im Hauptausschuss lediglich ein Votum für die Aktualisierung der Empfängerdaten gegeben habe. „Es ist völlig in Ordnung, wenn wir den Starttermin festlegen und notfalls verschieben. Das ist die sichere Variante“, sagte er. Außerdem lebe die Gastronomie in den Sommermonaten auch stark von Außenplätzen.

CDU-Fraktionschef Levenhagen erwartet Lockerung durch Impfungen

Dieser Satz rief Bela Randschau (SPD) ans Mikrofon. „Die Gastronomen werden sich bedanken, wenn sie keine oder nur wenige Außenplätze haben“, sagte er. „Das Versprechen war, dass alle an der Aktion teilhaben können.“ Daraufhin relativierte Benjamin Stukenberg seine Ausführungen: „Es geht mir nur darum, über etwas zu sprechen. Das ist etwas anderes, als darüber zu beschließen.“

Unverdrossen optimistisch blickte der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Levenhagen in die Zukunft. „Ich weiß nicht, woher Herr Schäfer seine Erkenntnisse über die Situation am 31. Mai hat“, sagte er in Richtung des FDP-Vertreters. Bis dahin könnten in Deutschland schon 20 bis 30 Millionen Menschen geimpft sein. „Wir wollen eine intakte Innenstadt behalten“, so Levenhagen.

Homepage, Instagram und Telefon-Hotline sind startbereit

Ein Gastwirt mit jahrzehntelanger Erfahrung in Ahrensburg verfolgte die Debatte von der Zuschauertribüne aus: Helmut Frank, jetzt stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirats. „Wichtig ist, dass beim Start alle Läden, Restaurants und Cafés wieder ganz regulär geöffnet sein müssen“, sagte er nach der Sitzung. Anderenfalls sei die Gefahr groß, dass die Stadtgeld-Aktion an vielen vorbeigehe.

Nun müssen die Beschäftigten im Rathaus ihre Arbeit erledigen und den Druck der weiteren Gutscheinbriefe organisieren. Eine Internetseite, auf der alle teilnehmenden Geschäfte aufgelistet werden, ist bereits fertig. Sie wird zum Start ebenso freigeschaltet wie ein Instagram-Account und eine Telefon-Hotline. Wer die Gutscheine nicht ausgeben möchte, kann sie als Spende für soziale Projekte zurückgeben.

Vorbild für die Idee war die hessische Universitätsstadt Marburg mit rund 76.000 Einwohnern. Dort wurden im vergangenen Sommer gut 80 Prozent der verteilten Gutscheine im Wert von etwa 1,5 Millionen Euro eingelöst. Der damit ausgelöste Umsatz wurde auf das Dreifache geschätzt.

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