Ansichtssache

Kein Verständnis für Eltern, die nicht testen lassen!

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René Soukup
Abendblatt-Redakteur René Soukup.

Abendblatt-Redakteur René Soukup.

Foto: Birgit Schücking

Corona-Test für Schüler ist jetzt zweimal pro Woche Pflicht. Wer dem nicht nachkommt, muss zu Hause lernen. Solche Fälle gibt es.

Schluss mit Ferien. Seit diesem Montag ist für Jungen und Mädchen in Stormarn wieder Schule angesagt. Die Klassen eins bis sechs haben Präsenzunterricht. Allerdings nicht alle Schüler dieser Jahrgänge. Die Kinder und Jugendlichen müssen jetzt nämlich zweimal pro Woche einen Corona-Test machen, um am Unterricht teilzunehmen. Natürlich bei negativem Ergebnis. Das gilt übrigens ebenso für Lehrkräfte. Leider gibt es Eltern, die damit nicht einverstanden sind und diese Art der Kontrolle ausschließen. Somit bleibt der Nachwuchs zu Hause. Gezwungenermaßen, weil der eigene Wille womöglich nicht berücksichtigt wird. Manch einer kann darüber nur den Kopf schütteln. Ich auch.

Nun ist es nicht so, dass sich die Daheimgebliebenen auf die faule Haut legen können. Sie sind angehalten, ihr Wissen zu erweitern, den Stoff zu verinnerlichen, Mathe und Deutsch zu pauken. Distanzunterricht nennt sich das. Dieser Begriff kam in unserem Sprachgebrauch vor Corona eher selten vor. Ohne die Hilfe vom Vater oder der Mutter funktioniert Homeschooling vor allem in den Grundschulen nicht. Gerade dort sind Kinder noch nicht so weit, sich Inhalte selbst zu erarbeiten. Es fehlt schlichtweg die nötige Lesekompetenz.

Eltern sind bemüht, den Ersatzlehrer zu spielen. Und vielen gelingt das auch. Aber es ist sehr anstrengend – für beide Seiten. Denn das Kind ist immer mit einer Eins-zu-eins-Situation konfrontiert. In der Klasse kann man sich auch mal hinter den Mitschülern verstecken, muss sich nicht bei jeder Frage des Lehrers melden. Im Hinblick auf Leistungsdruck ist das ganz wichtig.

Was aber vor allem zählt: das soziale Element beim Präsenzunterricht. Schüler brauchen das Miteinander, den direkten Kontakt zu Gleichaltrigen. Partner- und Gruppenarbeiten sind von unschätzbarem Vorteil. Pädagogen können schnell einschreiten, wenn es mal in die falsche Richtung geht, somit Frustration vorbeugen. Das gemeinsame Lernen macht mehr Spaß, als allein vor den Büchern zu hocken.

Natürlich ist eine Infektion mit dem Coronavirus in der Lehranstalt nicht ausgeschlossen. Trotz Masken- und Testpflicht sowie guter Durchlüftung der Räume. Denn bei 25 Schülern in der Klasse kann die Abstandsregel selbstverständlich nicht eingehalten werden. Aber Angst ist kein guter Ratgeber. Zudem kommt es nicht von ungefähr, dass für die politischen Entscheidungsträger Schulschließungen bei einem Inzidenzwert von 100 kein Thema sind. Sie haben sich von Wissenschaftlern beraten lassen. Und sind wir mal ehrlich: In der Zeit, als die Bildungseinrichtungen dicht waren, ging es vielmehr darum, die Situation für Grundschüler einigermaßen erträglich zu gestalten. Das Ausfüllen von Arbeitsblättern glich einer fortwährenden Hausaufgabe. Experten äußerten, dieses Format richte sich weniger auf das Lernen im Sinne eines Aneignens neuer Sachverhalte und Fähigkeiten.

Das scheint testresistente Eltern offenbar wenig zu tangieren. Bereits vor den Ferien hatten Jungen und Mädchen die Möglichkeit, in der Schule einen Abstrich zu machen. Alles auf freiwilliger Basis. Auch damals verzichteten Väter und Mütter darauf, schickten die Kinder trotzdem in die Einrichtung. Was für ein rücksichtsloses Verhalten – gegenüber den Mitschülern, deren Eltern und natürlich den Lehrern, die noch nicht komplett durchgeimpft sind.

Der Test an sich ist in wenigen Sekunden erledigt und keineswegs schmerzhaft, wenn man mit dem Stäbchen vorsichtig umgeht. Ob Abstrich über Mund oder Nase: Es kitzelt mitunter, die Augen tränen. Ein kräftiges Niesen ist ebenfalls eine typische Reaktion. So erging es mir bei meiner ersten Kontrolle. Ich habe mich danach einmal geschüttelt. Schlimm ist anders – und jeder Tritt vors Schienbein beim Fußballspielen mit Freunden sicherlich unangenehmer.

Ein Abstrich ist für jedes Kind zumutbar, Ausreden lasse ich nicht gelten. Mein jüngster Sohn ist übrigens Zweitklässler. Über den Test hat er kaum Worte verloren, dafür viel über sich und seine Mitschüler geredet – und zugegeben, wie schön es in der Schule ist.

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