Verkehr

Zahl der Radunfälle in Stormarn steigt deutlich

| Lesedauer: 6 Minuten
René Soukup
2020 starben bei Verkehrsunfällen in Stormarn zwei Radfahrer.

2020 starben bei Verkehrsunfällen in Stormarn zwei Radfahrer.

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa

Polizei veröffentlicht Verkehrssicherheitsbericht 2020. Weniger Tote auf den Straßen in Stormarn, aber mehr Unfälle mit Radfahrern.

Ratzeburg/Ahrensburg.  Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Unfälle auf Stormarns Straßen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 um 12,5 Prozent auf 5792 gesunken. So niedrig lag der Wert zuletzt 2014. Auch in vielen Unterkategorien ist der Trend positiv, die Entwicklung bei den Radfahrern allerdings bedenklich: Es gab deutlich mehr Unfälle und Verletzte. Das trifft in diesem Segment auch auf Kinder zu. Entsprechende Daten liefert der Verkehrssicherheitsbericht 2020, den die Polizeidirektion Ratzeburg jetzt veröffentlicht hat.

Hauptkommissar Andreas Junge hat an der Erstellung des Dokuments maßgeblich mitgewirkt. Er sagt: „Die Statistik ist nicht zu 100 Prozent vergleichbar.“ Das hänge mit Corona zusammen. Der 59 Jahre alte Beamte führt an, dass weniger Menschen im Berufsverkehr unterwegs gewesen seien und stattdessen im Homeoffice verweilten. „Denn morgens und abends, wenn die Leute zur Arbeit oder nach Hause fahren, ist die Hauptunfallzeit.“

Im März 2020 hatte die Pandemie Deutschland besonders hart getroffen. Bund und Länder beschlossen Geschäftsschließungen, Gottesdienste und Versammlungen wurden abgesagt. Das öffentliche Leben erlahmte. Seitdem gibt es Kontaktbeschränkungen. Nachdem sich die Lage im Sommer entspannte, ging es im Herbst wieder in die falsche Richtung. Mitte Dezember verschärfte die Politik die Regeln wieder. Damit einher ging, dass weniger Menschen im vergangenen Jahr die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, viele stiegen um und traten stattdessen in die Pedale. Damit erklärt Junge auch die Zunahme der Unfälle mit Beteiligung von Radfahren.

73 verletzte Kinder als Radfahrer

Waren es 2019 noch 309, stieg die Zahl binnen eines Jahres auf 355 im Kreis Stormarn. Dabei gab es 363 Verletzte, ein Plus von 57. In 214 Fällen waren Radfahrer auch die Verursacher. Zwei Erwachsene kamen ums Leben. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, empfiehlt die Polizei das Tragen eines Helms. „Das gilt insbesondere bei den E-Bikes. Sie sind in der Regel schneller unterwegs, dadurch steigt die Verletzungsgefahr“, sagt Junge. Und man solle umsichtig fahren, müsse immer mit dem Fehlverhalten anderer rechnen. Gestiegen ist auch die Zahl der verletzten Kinder als Radfahrer – von 58 auf 73. Der Ordnungshüter erwähnt in diesem Zusammenhang die coronabedingten Einschränkungen bei der Fahrradausbildung durch die Polizei an Grundschulen.

Die Polizeidirektion Ratzeburg, die auch für den Kreis Herzogtum Lauenburg zuständig ist, registriert schon seit Langem, dass viele Kinder auf dem Rad unsicher sind. Das sagte unter anderem ein Kommissar vor einiger Zeit dieser Redaktion. Für ihn spielen „zu wenig Übung und Probleme mit der Motorik und dem Gleichgewicht“ eine Rolle. „Hat das Kind seinen eigenen Körper nicht unter Kontrolle oder zu wenig Gefühl dafür, kann es auf dem Fahrrad erst recht nicht angemessen reagieren.“

Minus 11,6 Prozent bei leichten Blessuren

Bei allen Verkehrsunfällen kamen 922 Menschen zu Schaden (minus zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr), wobei Verletzungen nicht genauer beschrieben sind. Sie reichen von der Schürfwunde eines Radfahrers über die Prellung eines Fußgängers bis zum Knochenbruch. Unterschieden wird lediglich zwischen Schwer- und Leichtverletzten: Bei den geringen Blessuren ist ein Rückgang von 887 auf 784 aufgeführt, was ein Minus von 11,6 Prozent bedeutet. Bei jenen, die mindestens eine Nacht im Krankenhaus verbringen mussten, gibt es mit 138 Personen keine Veränderung.

Die Zahl der Verkehrstoten in Stormarn ist von neun auf acht gesunken. Neben den zwei Radfahrern handelt sich sich um drei Auto-, zwei Krad- sowie einen Beifahrer. Der Höchststand in den vergangenen zehn Jahren war 2013, als zehn Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen. 2014 und im Jahr darauf starben jeweils fünf Menschen. Es ist der niedrigste Wert.

Weniger Unfälle unter Alkoholeinfluss

Erfreulich ist der Trend bei den Unfällen unter Alkoholeinfluss. Hier sind sieben Fälle weniger zu verzeichnen bei jetzt 70. Und die Zahl der Verletzten verringerte sich von 46 auf 42. Tote gibt es in dieser Kategorie nicht.

In der Statistik gibt es zudem ausführliches Zahlenwerk über Verursacher von Autounfällen, unterteilt in die Altersgruppen 18 bis 24 sowie ab 65 Jahre. Bei den jungen Fahrern gibt es ein Minus von 28,1 Prozent, was konkret einen Rückgang von 174 auf 125 bedeutet. Ähnlich sieht es bei den Senioren aus: Waren sie 2019 noch in 230 Fällen schuld an einem Unfall, sank der Wert auf nunmehr 166. „Wir können uns das auch nur so erklären, dass weniger Senioren mit dem Auto unterwegs gewesen sind“, sagt Hauptkommissar Junge. Ältere Menschen hätten wegen der Schließungen in der Gastronomie zum Beispiel auf Sonntagskaffeefahrten verzichten müssen.

Im Unterschied zu den Radfahrunfällen ist die Zahl jener mit Beteiligung von Fußgängern gesunken: von 81 auf 68. Auch gab es dabei weniger Verletzte, nämlich 72 statt 85 in 2019. Im neuen Verkehrssicherheitsbericht ist im Kreis Stormarn kein getöteter Fußgänger gelistet. Auch das ist eine gute Nachricht, sind es doch im vorvergangenen Jahr drei gewesen.

Rückgang bei den Tempoüberschreitungen

Besser sieht die Statistik zudem bei den Ordnungswidrigkeiten aus. Die Zahl der erfassten Geschwindigkeitsüberschreitungen nahm von 45.659 auf 29.959 ab, Personen mit Handy am Steuer erwischte die Polizei 970-mal. 2019 betrug der Wert 1249.

In Barsbüttel gibt es zwei Unfallschwerpunkte

Die Polizei hat im Kreisgebiet sieben Unfallschwerpunkte ausgemacht. „Ein Ort wird so bezeichnet, wenn es dort in einem Jahr zwei Unfälle mit schweren Personenschäden gibt oder drei vom gleichen Typ wie zum Beispiel einen Zusammenstoß an einer Kreuzung“, sagt Hauptkommissar Junge. In Barsbüttel gibt es zwei solcher Stellen: im Ortsteil Stellau an der Kreuzung Landesstraße 222/Römsmoorweg sowie an der Kreuzung Willinghusener Landstraße/Stemwarder Landstraße. Hinzu kommt im Reinbeker Stadtteil Neuschönningstedt die sogenannte Haidkrugkreuzung, in Grönwohld die Kreuzung Dorfstraße/Poststraße, in Bargteheide die Landesstraße 89 (Langenhorst), in Stapelfeld die Kreuzung Alte Landstraße/Ahrensburger Weg sowie in Ahrensburg die Kreuzung Ostring/Beimoorweg.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn