Pandemie

15 Apotheken in Stormarn sind für Tests bereit

| Lesedauer: 5 Minuten
Lutz Kastendieck, Harald Klix und Petra Sonntag
Auch im Kreis Stormarn sollen flächendeckende Angebote für Corona-Schnelltests geschaffen werden.

Auch im Kreis Stormarn sollen flächendeckende Angebote für Corona-Schnelltests geschaffen werden.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

In den Kommunen des Kreises wird fieberhaft am Aufbau von Anlaufstellen für Corona-Schnelltests gearbeitet.

Bad Oldesloe. Was Bund und Länder Anfang des Monats zur Pandemiebekämpfung beschlossen und schnell verkündet hatten, könnte in der Umsetzung für Kreis und Kommunen zum kostspieligen Kraftakt werden. Seit 8. März, so das vollmundige Versprechen, soll sich angeblich jeder Stormarner wohnortnah mindestens einmal pro Woche kostenlos auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus testen lassen können. Doch gibt es dafür tatsächlich ausreichende Kapazitäten, und wenn ja, wo?

Seit Bekanntwerden dieses Angebots arbeitet die Kreisverwaltung mit Hochdruck an der Umsetzung. In einer Videoschalte hat sich Landrat Henning Görtz am Donnerstagvormittag mit den Bürgermeistern darüber ausgetauscht, welche Möglichkeiten in den Kommunen bereits bestehen und welche weitergehenden Kapazitäten in den nächsten Tagen und Wochen bis Anfang April noch aufgebaut werden können.

Jeder Abstrich wird vom Bund mit 18 Euro vergütet

„Die Teststrategie ruht auf drei Säulen: Neben niedergelassenen Ärzten und Apotheken, den bekannten Hilfsorganisationen wie DRK, Johannitern und Maltesern können sich auch Dritte für die Durchführung der Tests beim Gesundheitsamt melden“, sagt Görtz. Das Anforderungsprofil habe der Kreis auf seiner Homepage gerade veröffentlicht.

Bislang seien der Kreisverwaltung bereits 15 Apotheken bekannt, die testen wollen, darunter allein sechs in Ahrensburg. Inzwischen gebe es aber auch schon Angebote von Pflegeheimen und Unternehmen. Zudem führe das Land Gespräche mit großen Einzelhandelsketten. In Baden-Württemberg etwa beteilige sich die Drogerie-Kette DM an der Corona-Testoffensive. Görtz geht davon aus, dass sich weitere Firmen finden werden, die Testangebote unterbreiten. Immerhin werde jeder Abstrich mit bis zu 18 Euro vergütet, das sei in der Testverordnung des Bundes geregelt.

Oststeinbek will zwei Teststationen einrichten

Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer hatte am Montag bereits grünes Licht vom Hauptausschuss bekommen und schon zwei Objekte als potenzielle Teststationen für Jedermann im Blick. „Die Begegnungsstätte im Ortsteil Oststeinbek und die ehemalige Bücherei im Ortsteil Havighorst wären geeignete Räume für ein Testzentrum“, sagt Hettwer. Damit könnten allerdings nur Angebote, die der Kreis selbst macht, ergänzt werden. „Die Kapazitäten werden sonst nicht reichen“, so Hettwer. Nun gelte es, möglichst schnell geeignetes Personal für den Betrieb der Testzentren zu finden. Hettwer: „Der Kreis hat uns versichert, dass die Schulung zur fachgerechten Abnahme eines Abstrichs nicht sehr aufwendig sei.“ Werde die Kommune zeitnah fündig, könnten die beiden Testzentren womöglich schon im Laufe der kommenden Woche öffnen.

Die Ankündigung des Bundes, kostenlose Antigen-Schnelltests für alle bereitzustellen, stellt auch Ammersbek vor große Herausforderungen. Die Gemeinde will ebenfalls eine Anlaufstelle für ihre Bürger einrichten. Gespräche mit möglichen Partnern laufen schon.

In Bargteheide bietet auch die Firma AfA Tests an

Im Großhansdorfer Rathaus ist die Suche nach einem großen Raum und geeignetem Personal für Testungen ebenfalls in vollem Gange. „Wir bereiten die Einrichtung einer eigenen Teststation vor“, sagt Hauptamtsleiterin Gabriele Hettwer. Noch seien indes viele wichtige Fragen ungeklärt, unter anderem die nach den Abrechnungsmodalitäten.

In Trittau sieht sich Bürgermeister Oliver Mesch schon gut gerüstet mit dem DRK-Testzentrum an der ehemaligen Famila-Filiale. „Ich hoffe, dass die Kapazitäten dort erweitert werden können, weil das geschulte Personal und die Logistik ja bereits vorhanden sind“, so Mesch. Darüber hinaus wolle er noch mit den ortsansässigen Arztpraxen und Apotheken klären, inwieweit sie die Testoffensive unterstützen können.

In Bargteheide werden Corona-Tests derzeit von der Arztpraxis Dr. Reinhard Hinderer in der Rathausstraße 32, der Rathausapotheke in der Rathausstraße 11, und der AfA GmbH in der Lise-Meitner-Straße 7 angeboten. „In jedem Fall sollte vorher ein Termin vereinbart werden“, so Christina Schlie aus der Stabsstelle der Stadtverwaltung. Über die Angebote für Jedermann hinaus gebe es inzwischen spezielle Angebote für Lehrer und Erzieher an Bargteheider Schulen und Kitas.

Das Land hat 2,4 Millionen Schnelltests geordert

Eine lokale Teststrategie für Bargteheide nach dem Vorbild der Stadt Tübingen hat unterdessen Andreas Reigbert, Leiter der örtlichen Kontaktstelle des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK), gefordert. „Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Agieren der Bundesregierung in der Pandemie halte ich es für unabdingbar, auf kommunaler Ebene selbst die Ärmel hochzukrempeln und das Testen in die eigenen Hände zu nehmen“, so Reigbert. Besonderes Augenmerk sei dabei auf die Absicherung der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu richten. Ein „stringentes und konsequentes Vorgehen“ wünscht er sich aber auch für Schulen, Kitas, Betriebe und den Einzelhandel.

Das Land, das 2,4 Millionen Schnelltests bestellt hat, will in Kürze eine interaktive Karte mit allen Teststellen veröffentlichen. „Sollte es in Stormarn noch weiße Flecken geben, so wird der Kreis alles versuchen, diese zu tilgen“, verspricht Landrat Henning Görtz.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn