Stadtentwicklung

Kritik an Gewerbegebiets-Erweiterung im Oldesloer Westen

| Lesedauer: 5 Minuten
Finn Fischer
Klaus Graeber vom Nabu Bad Oldesloe kritisiert Stadt und Politik für die Planungen zum Gewerbegebiet West.

Klaus Graeber vom Nabu Bad Oldesloe kritisiert Stadt und Politik für die Planungen zum Gewerbegebiet West.

Foto: Finn Fischer

In Bad Oldesloe soll ein landwirtschaftlich genutzter Acker bebaut werden. Naturschützer sprechen von „Flächenverschwendung“

Bad Oldesloe. Mit einer Erweiterung des Gewerbegebiets West will Bad Oldesloe so bald wie möglich neuen Platz für Unternehmen schaffen. Doch je konkreter die Pläne werden, desto mehr Gegenwind gibt es. Nach Anwohnern positioniert sich jetzt auch der Naturschutzbund (Nabu) gegen die Erschließung. Und im Umwelt- und Energieausschuss gibt es erste Zweifel an dem Vorhaben.

Nachfrage nach Gewerbeflächen ist nach wie vor groß

Das Gewerbegebiet West ist so gut wie beschlossene Sache. Bislang gab es in der Lokalpolitik keinen nennenswerten Widerstand gegen das Projekt. Laut Stadtverwaltung hat die Vermarktung der durch einen Privatinvestor erschlossenen Grundstücke im Gewerbegebiet Südost bei Rethwischfeld gezeigt, dass die Nachfrage weiterhin ungebrochen hoch ist. Auch für die jetzt geplante Erweiterung des Rögen-Gewerbegebiets gebe es bereits Interessenten – sowohl von außerhalb als auch von bereits ansässigen Firmen. Somit könnte eine Absage der Erschließung nicht nur neue Arbeitsplätze gefährden, sondern möglicherweise auch bestehende, sollten ansässige Unternehmen mangels Erweiterungsmöglichkeiten abwandern. So stellen sich bislang nicht einmal die der Versiegelung von Flächen grundsätzlich kritisch gegenüberstehenden Grünen gegen die Erschließungspläne.

Nabu-Vorsitzender spricht von „absolut falschem Signal“

Aus kommunalpolitischer Sicht verständlich. Nicht aber aus der des Umweltschutzes, wie Klaus Graeber findet. Der Vorsitzende des Nabu Bad Oldesloe hat eine klare Meinung zu den Plänen der Stadt Bad Oldesloe: „Das ist ein absolut falsches Signal. Wir müssen den Flächenverbrauch auf ein Minimum begrenzen.“

Bis 2020 wollte die Bundesregierung den täglichen Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr auf 30 Hektar reduzieren, doch das Ziel wurde weit verfehlt. Derzeit er laut Nabu immer noch durchschnittlich 56 Hektar pro Tag. „Wenn selbstgesteckte Ziele einfach verschoben werden, wenn es nicht klappt, kommen wir mit dem Umwelt- und Klimaschutz nicht wirklich voran“, sagt Graeber. Bund und Land müssten das besser steuern und auch die Kommunen selbst seien in der Pflicht. „Ich erwarte von unseren Lokalpolitikern, alles dafür zu tun, dass erst mal vorhandene Gewerbeflächen vernünftig genutzt werden“, so der Umweltschützer. Es gebe immer noch viele bereits erschlossene Flächen, die vorgehalten und eigentlich bebaut werden könnten. Wenn das Gewerbegebiet tatsächlich in dem geplanten Umfang erweitert wird, müsse alles dafür getan werden, die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Graeber: „Dann muss es Parkplätze unter der Erde, Gründächer und Photovoltaik-Anlagen auf den Gebäuden geben und eigentlich auch in die Höhe gebaut werden.“

Lokalpolitiker fürchtet negative Folgen für die Natur

Nicht nur der Naturschutzbund sieht die Bebauung eines Ackers mit Gewerbe kritisch. Jascha Ueckert, bürgerliches Mitglied für die CDU im städtischen Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss, befürchtet negative Folgen für die Natur: „Sowohl die Verwaltung der Stadt Bad Oldesloe, als auch die Kommunalpolitik muss begreifen, dass die Gewerbegebietserweiterung West nicht nur der Zielsetzung der Landesregierung, den Flächenverbrauch im Land mehr als zu halbieren, sondern auch der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung entgegensteht.“

Schleswig-Holstein will Flächenverbrauch deutlich reduzieren

Mitte Januar hatte die Landesregierung entschieden, den Flächenverbrauch in Schleswig-Holstein von derzeit drei Hektar pro Tag bis 2030 deutlich reduzieren zu wollen. Erreichen will Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack das dieses Ziel mit Flächenrecycling, neuen Wohnkonzepten und der Entsiegelung brachliegender Flächen: „Bis 2030 wollen wir so den Flächenverbrauch bis auf 1,3 Hektar am Tag reduzieren.“

Ein neues Gewerbegebiet auf einem landwirtschaftlich genutzten Acker wie in Oldesloe West will da nicht so recht in dieses Konzept passen. So wenig wie in den erst 2019 beschlossenen Landesentwicklungsplan, der es Kommunen erlaubt, über die Gemeindegrenzen hinaus zu wachsen. Jascha Ueckert: „Bad Oldesloe ist bezeichnend für die momentane Situation im Land und sollte sich seiner Verantwortung bewusst werden.“

Anwohner haben eine Unterschriftenaktion gestartet

Gegner der Gewerbegebiet-Erweiterung gibt es auch direkt nebenan. Vor einem Jahr hatten Anwohner eine Petition gestartet, um die Erschließung in der jetzt geplanten Form zu verhindern. Weniger, weil sie sich um die Umwelt sorgen, sondern vielmehr aus Angst vor Lärm und einem steigenden Verkehrsaufkommen. Lieber hätten die knapp 150 Unterzeichner der Unterschriftenaktion das neue Gewerbegebiet etwas weiter entfernt von der Wohnbebauung. Nämlich direkt an der A 21 und der Biogasanlage bei Blumendorf. Ihrer Ansicht nach sei diese Fläche wesentlich besser geeignet. Das Problem: Mehrere im Rögen ansässige Firmen wollen ihre Grundstücke in Richtung Norden vergrößern. Das wäre nicht möglich, wenn die Gewerbeflächen woanders entstehen.

Die vorgeschlagene Alternative wird daher derzeit weder seitens der Stadt noch politisch in Betracht gezogen. Auch der Wirtschaftsbeirat unterstützt die vorgelegte Planung. „Wir sehen mit dem neuen Gewerbegebiet signifikantes Potenzial, das strukturelle Defizit der Stadt Bad Oldesloe zumindest in Teilen auszugleichen und hoffen, dass das neue Gebiet möglichst schnell auf die Straße gebracht wird“, sagt der stellvertretende Beiratsvorsitzende Frederik Gronwald. Gespräche mit der Verwaltung, Politik und der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft (WAS) hätten gezeigt, dass voraussichtlich trotz Corona eine hohe Nachfrage nach Flächen existiert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn