Corona-Krise

Fun-Parc in Trittau verschenkt Softgetränke

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Lutz Kastendieck
Wartet in seiner Großraumdisco Fun-Parc im Technologiepark Trittau verzweifelt auf Gäste: Inhaber Knut Walsleben.

Wartet in seiner Großraumdisco Fun-Parc im Technologiepark Trittau verzweifelt auf Gäste: Inhaber Knut Walsleben.

Foto: Lutz Kastendieck

Betreiber Knut Walsleben dementiert Insolvenz. Gerüchte sind wegen Spende an soziale Einrichtungen entstanden.

Trittau.  In Krisenzeiten haben Gerüchte und Spekulationen Hochkonjunktur. Mit dieser schlichten Wahrheit wird auch Knut Walsleben dieser Tage immer wieder konfrontiert. Der Inhaber des Fun-Parcs Trittau musste gerade erst wieder dementieren, dass die größte Dis­kothek des Kreises Stormarn ein Opfer der Corona-Pandemie geworden ist und Insolvenz anmelden muss. „Nein, wir sind nicht am Ende. Weil wir viele Jahre gut gewirtschaftet haben, kommen wir noch über die Runden, auch wenn es immer enger wird“, sagte der 46-Jährige dem Abendblatt.

Verschenken ist besser als wegschütten

Aufgekommen war das Gerede, weil der Fun-Parc in der vergangenen Woche ein größeres Kontingent an Softgetränken verschenkt hat. „Naturgemäß ordern wir in normalen Zeiten Wasser und Säfte palettenweise, nicht zuletzt der besseren Konditionen bei unseren Lieferanten wegen“, erklärt Walsleben. Doch anders als Vollkonserven seien Softgetränke eben nicht ewig haltbar.

Durch den monatelangen Lockdown sind nun mehrere Chargen in die Nähe ihres Mindesthaltbarkeitsdatums gekommen. „Deshalb mussten wir reagieren. Und da verschenken immer noch besser ist als wegschütten, haben wir einen Großteil unserer Vorräte an soziale Einrichtungen weitergegeben“, berichtet der Discokönig.

Spende für Tafeln und die Obdachlosenhilfe

So sind mehr als 200 Kisten unter anderem bei den Tafeln in Trittau und Ratzeburg sowie der Obdachlosenhilfe in Hamburg gelandet. Tue Gutes und rede darüber, hielt Walsleben im konkreten Fall allerdings für nicht angebracht: „Ohne die Abendblatt-Nachfrage hätten wir über die Aktion nicht viele Worte verloren. Wir haben doch nur aus unserer Not eine Tugend gemacht und Bedürftigen geholfen. Damit braucht man sich nicht zu brüsten, basta.“

Bereits im September musste sich der Fun-Parc von einem Großteil seines Lagerbestands trennen. Seinerzeit wurden vielen Stammbesuchern der Disko­thek per Rundmail Softdrinks zum halben Preis angeboten. „Das Angebot ist sehr gut angekommen. Damit haben sich viele unserer Gäste nicht zuletzt solidarisch gezeigt. Auch wenn der Erlös für die Betriebsfinanzen letztlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bedeutete“, sagt Walsleben.

Betriebe warten noch immer auf Novemberhilfen

Inzwischen würden sich eine Vielzahl von Diskothekenbetreibern und Clubbesitzern von Woche zu Woche und von Monat zu Monat hangeln, ohne Aussicht auf ein Ende der Durststrecke. „Betriebskosten, Mieten und Löhne für die Festangestellten laufen ja weiter“, so Walsleben, das gehe an die Substanz. In vielen Betrieben der Veranstaltungsbranche seien die Rücklagen längst aufgebraucht.

Deshalb wachse die Wut unter den Berufskollegen, dass die von der Politik vollmundig versprochenen, schnellen Überbrückungshilfen nur schleppend oder gar nicht fließen. „Mehr als die Hälfte aller 1500 Betriebe in Deutschland warten noch immer auf die November- und Dezemberhilfen, das ist doch ein Unding“, schimpft der gebürtige Ratzeburger. Der deshalb, ebenso wie Hunderte andere Betreiber ein KfW-Darlehen aufnehmen musste. Viele Kleinunternehmer seien unterdessen längst in die Grundsicherung gerutscht.

Tanzlokale kommen in Öffnungsplänen nicht vor

Ende Oktober vergangenen Jahres ist der Fun-Parc-Chef zum neuen Präsidenten des Bundesverbands deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT) gewählt worden. Und hat sich in dieser Eigenschaft bereits am 24. Dezember mit einem Brandbrief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt. Dessen Antwort steht bis heute aus.

„Kaum verwunderlich, wenn Kanzlerin Angela Merkel erst jüngst wieder erklärt hat, Konzerte und andere Musikveranstaltungen seien nicht erwünscht“, sagt Walsleben. Folglich komme die Branche in den Stufenplänen zur Rückkehr in die Normalität des gesellschaftlichen Lebens gar nicht erst vor, so wie etwa in Schleswig-Holstein.

Immer mehr Mitarbeiter suchen sich andere Jobs

Dabei sei der Drang nach sozialen Kontakten nach den vielen Monaten der erzwungenen Isolation riesengroß und müsse endlich befriedigt werden. „Man kann nicht auf der einen Seite illegale Partys in Kellern, Garagen und auf Hinterhöfen beklagen, andererseits aber Clubs und Tanzbetrieben trotz ausgefeilter Hygienekonzepte eine schrittweise Öffnung verweigern“, so Walsleben.

Die Perspektivlosigkeit und Depression unter den Beschäftigten der Branche bekommt auch der BDT-Präsident zu spüren. Gerade haben zwei seiner acht Festangestellten gekündigt. „Das höre ich auch aus anderen Betrieben, deren Mitarbeiter ebenfalls in andere Jobs gewechselt sind“, sagt er. Ob seine rund 80 Minijobber jemals wieder auftauchen werden, stehe in den Sternen. So befürchtet Knut Walsleben, dass viele Tanzbetriebe und Musikclubs die Corona-Krise nicht überstehen werden und für immer geschlossen bleiben werden.

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