Stormarn

Prozess: Oldesloer attackiert Schwiegersohn mit Beil

Der Angeklagte (l.) mit seinem Anwalt Patric von Minden. Der 65-Jährige soll seinen Schwiegersohn mit einem Beil attackiert haben.

Der Angeklagte (l.) mit seinem Anwalt Patric von Minden. Der 65-Jährige soll seinen Schwiegersohn mit einem Beil attackiert haben.

Foto: Filip Schwen

65-Jähriger soll Ehefrau geschlagen haben. Mann der Tochter wollte schlichten und wurde am Bauch verletzt.

Ahrensburg. Vor seinem geistigen Auge habe er das Beil bereits auf seinen Kopf niederrasen sehen, sagte der sichtlich aufgebrachte Schwiegersohn bei seiner Vernehmung. Die Eskalation eines Ehestreites hat am Mittwoch das Amtsgericht Ahrensburg beschäftigt. Wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Gericht einen 65 Jahre alten Oldesloer zu sieben Monaten und zwei Wochen Haft auf Bewährung.

Angeklagter soll Ehefrau zu Boden geworfen und geschlagen haben

Die Staatsanwaltschaft wirft Hartmut F. (alle Namen geändert) vor, am Abend des 10. Juli des vergangenen Jahres seine Ehefrau während eines Streits zuerst mit einer Backpfeife zu Boden gebracht und der 62-Jährigen anschließend auf ihr kniend mit den Fäusten mehrfach ins Gesicht geschlagen zu haben (Az. 705 Js 35747/20). Die Tat soll sich im Eingangsbereich des Wohnhauses des Ehepaares in Bad Oldesloe ereignet haben.

Nachdem ihr Schwiegersohn Christopher K. (42) hinzugekommen sei und den Angeklagten von seiner Frau losgerissen habe, sei dieser kurz darauf mit einem etwa 35 Zentimeter langen Beil bewaffnet zurückgekehrt, so die Anklagebehörde. Mit diesem habe der Oldesloer seinen Schwiegersohn bedroht. Als der 65-Jährige ausgeholt habe, habe K. ihn am Arm gepackt, um ihm das Beil aus der Hand zu reißen.

Bluttest ergab einen Alkoholwert von 1,29 Promille

„Daraufhin kam es zu einer Rangelei, in deren Zuge der Zeuge dem Angeklagten das Beil abnehmen konnte“, so Staatsanwalt Nils-Broder Greve. Während des Handgemenges habe F. seinen Schwiegersohn mit einem Beilhieb im Bereich des Bauches getroffen, wodurch der 42-Jährige eine leichte Schnittwunde erlitten habe. Als Hartmut F. ins Haus geflohen sei, alarmierte dessen Tochter laut Anklage die Polizei, die den 65-Jährigen in Gewahrsam nahm. Ein Bluttest auf der Wache habe einen Alkoholwert von 1,29 Promille ergeben.

Angeklagter bestreitet, Schwiegersohn vorsätzlich verletzt zu haben

Vor Gericht räumte K. beide Taten ein, bestritt aber, seinen Schwiegersohn vorsätzlich mit dem Beil verletzt zu haben. „Ich wollte ihn nur abschrecken, ich habe nicht auf ihn geschlagen“, sagte der gebürtige Russe in gebrochenem Deutsch.

Und ergänzte erkennbar beschämt: „Ich war richtig besoffen, ich bin Alkoholiker.“ Deshalb habe er sich inzwischen selbst in eine Entzugsklinik eingewiesen. „Die drei Wochen vor dem Streit war ich nie nüchtern“, so der Angeklagte. Was Auslöser für die Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau gewesen sei, daran wollte sich der Oldesloer vor Gericht nicht mehr erinnern.

Ehefrau: „Ich möchte nicht, dass mein Mann bestraft wird“

„Ich weiß noch, dass sie mir eine Backpfeife gab und mich gekratzt hat“, schilderte F. Da habe er wohl zurückgeschlagen. „Ich habe aber nicht mehrfach zugeschlagen, nur einmal“, behauptete er. F.s Ehefrau bestätigte im Gerichtssaal dessen Version des Tathergangs.

„Ich habe ihn zuerst gekratzt und ihm eine geklatscht“, gab die 62-Jährige zu. Warum, das könne sie nicht mehr erinnern. „Ich möchte nicht, dass mein Mann betraft wird“, fügte sie auf Nachfrage von Richterin Gisela Happ hinzu.

Tochter hörte laute Schreie aus dem Haus ihrer Eltern

Tochter Veronica K. sprach sich ebenfalls gegen eine Verurteilung ihres Vaters aus. „Wir wussten ja, dass er eigentlich nicht so ist“, sagte die 42-Jährige. Am Tatabend habe sie von der Küche aus Schreie gehört. „Das Haus meiner Eltern liegt auf demselben Grundstück wie unseres, nur etwas weiter hinten“, erklärte die 42-Jährige.

Von weitem habe sie gesehen, dass die Haustür ihrer Eltern offen stand. „Mein Vater kniete über meiner Mutter und hielt sie am Boden fest“, erinnerte K. sich. Ihr Mann sei dazwischen gegangen. Währenddessen habe sie ihre Mutter in Sicherheit gebracht und sich um ihre neun und 13 Jahre alten Kinder gekümmert.

Tochter: „Habe nicht realisiert, was da passiert“

Hartmut F. starrte während der Vernehmung der Zeugen mit gesenktem Kopf zu Boden. „Mein Vater stürmte weg und rief, er hole jetzt die Axt“, so Veronica K. weiter. Der 65-Jährige sei zum Carport gelaufen und mit dem Beil zurückgekehrt. „Er kam auf meinen Mann zu“, sagte die Tochter. Was dann geschah, wollte die 42-Jährige nicht mehr genau erinnern. Ob ihr Vater den Arm mit dem Beil erhoben und nach ihrem Mann ausgeholt habe, konnte sie nicht eindeutig beantworten. „Ich hatte Angst, ich habe nicht realisiert, was da passiert“, sagte sie.

Kurz darauf habe sie die Polizei alarmiert, die Beamten hätten ihren Vater vorerst mitgenommen, er habe eine Woche nicht bei ihrer Mutter wohnen dürfen. „Als mein Vater zurückkam, habe ich ihn zu einer Therapie gedrängt, als letzte Chance, wenn er weiter bei uns leben möchte“, so Veronica K. Seit er den Entzug mache, habe sich das Verhältnis der Familie zu Hartmut K. entspannt.

Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafe und Fortsetzung des Entzugs

Christopher K. wollte sich hingegen erinnern, wie F. mit dem Beil ausgeholt habe. „Mein Schwiegervater kam mit erhobener Axt auf mich zu“, sagte der 42-Jährige. „Ich habe seine Arme gepackt und das Beil seitlich nach unten gedrückt.“ Dabei sei wohl die Verletzung am Bauch geschehen. „Ich habe das Beil dann genommen und weggeworfen.“ Inzwischen habe er wieder ein gutes Verhältnis zu seinem Schwiegervater. „Er hat sich entschuldigt.“

Obwohl die Familienangehörigen eigenen Angaben zufolge keine Bestrafung Hartmut F.s wünschten, wollte Staatsanwalt Nils-Broder Greve nicht auf eine Verurteilung verzichten. „Es spielt keine Rolle, was die Opfer möchten, der Staat hat in einem Fall, in dem eine gefährliche Körperverletzung im Raum steht, die Pflicht, diese zu ahnden“, betonte er und forderte sieben Monate und zwei Wochen Haft auf Bewährung. Zudem solle dem Angeklagten zur Auflage gemacht werden, seinen Entzug so lange fortzusetzen, wie die behandelnden Ärzte dies für notwendig hielten.

Verteidiger plädiert auf Freispruch: „Geschehen konnte nicht aufgeklärt werden“

F.s Verteidiger Patric von Minden wies das zurück und plädierte stattdessen auf Freispruch. „Meiner Ansicht nach konnte das Geschehen aufgrund der Erinnerungslücken der Zeugen nicht vollumfänglich aufgeklärt werden“, sagte er. Es sei zwar unstrittig, dass es eine körperliche Auseinandersetzung gegeben habe. „Inwiefern mein Mandant einen Schlag seiner Frau erwidert hat und ob er mit der Axt wirklich ausgeholt hat oder er sie nur zur Einschüchterung bei sich trug, bliebt unklar“, so von Minden. Zudem hätten alle Beteiligten zum Ausdruck gebracht, dass sie keine Verurteilung seines Mandanten wünschten.

Richterin Gisela Happ konnte der Anwalt mit seiner Argumentation nicht überzeugen. „Ich sehe es als erwiesen an, dass die Tat wie angeklagt verübt wurde“, sagte Happ und verurteilte F. wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung. Beim Strafmaß folgte sie der Forderung der Staatsanwaltschaft.