Kunst

Pop-Art-Künstler fühlt sich in Ahrensburg zu Hause

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Melissa Jahn
Pop-Art-Künstler Devin Miles fertigt seine Werke im Bargteheider Gewerbegebiet an.

Pop-Art-Künstler Devin Miles fertigt seine Werke im Bargteheider Gewerbegebiet an.

Foto: Melissa Jahn

Devin Miles lebt seit zehn Jahren in der Schlossstadt. Seine Werke werden weltweit verkauft, kosten bis zu 30.000 Euro

Ahrensburg. Er erschafft mit seinen Händen, was ihm gefällt, verkauft seine Werke auf der Aida – und verdient dabei auch noch richtig gut. Der Ahrensburger Devin Miles wird als einer der bekanntesten Pop-Art-Künstler weltweit gehandelt und hat damit längst das erreicht, wovon viele Menschen träumen. Doch der Ausbruch der Corona-Pandemie hat den 59 Jahre alten Selfmade-Künstler ebenfalls zum Umdenken gezwungen.

Der Künstler begann als Kfz-Mechaniker

Kaum einer kennt die 800 Quadratmeter große Produktionsstätte im Bargteheider Gewerbegebiet. Hinter unscheinbaren Lagertoren in zweiter Reihe befindet sich seit 2017 ein Kleinunternehmen mit mittlerweile 17 Mitarbeitern, die sich um die Produktion und Vermarktung der Kunstwerke kümmern. Überall warten unfertige Werke auf ihre Vollendung, Kartons werden verpackt und in die ganze Welt verschickt. Besonders das Weihnachtsgeschäft habe sich gut entwickelt, sagt Miles. Dabei lief die Karriere des Stormarner Künstlers alles andere als klassisch. Miles, der in Duisburg geboren wurde, startete seine berufliche Laufbahn als Kfz-Mechaniker, schulte aber bald zum Gartenbautechniker um. „Gezeichnet habe ich schon immer“, sagt er. „Das passte gut zusammen.“

Miles versuchte sich zunächst in digitaler Kunst

Vor knapp 20 Jahren entstanden so die ersten Arbeiten des Künstlers, zunächst jedoch unter anderem Namen. Der Autodidakt probierte sich aus, experimentierte mit verschiedenen Techniken und studierte bekannte Werke von Andy Warhol und Robert Rauschenberg, um einen eigenen Stil zu entwickeln. „Zu dieser Zeit arbeitete ich mit Kunstverlegern und Händlern zusammen, versuchte mich in digitaler Kunst“, sagt Miles. „Durch die Poster und Prints waren meine Werke für die Galeristen jedoch unattraktiv geworden.“

Er sattelte um, legte sich einen zum Pop-Art-Stil passenden Künstlernamen zu, inspiriert durch Jazz-Trompeter Miles Davis, zudem das Symbol eines Geckos, der sinnbildlich für Glück steht. Es folgten erste Arbeiten auf gebürsteten Aluminiumplatten, Ausstellungen und Messeauftritte unter anderem auf der Art Zürich. „Ich hatte Glück, auf einen Händler zu treffen, der meine Werke durch ganz Deutschland gefahren hat“, sagt Miles ehrlich. „So etwas braucht man - zusammen mit dem Glauben an sich selbst und das eigene Können.“

Seine Werke hängen in den Schiffen der Aida-Kreuzfahrtflotte

2015 folgte der große Wurf. Die Aida-Kreuzfahrtflotte nahm Miles unter Vertrag. Heute sind 14 Schiffe mit seinen Bildern ausgestattet, sie hängen in Galerien direkt neben dem Speisesaal und Werken von Udo Lindenberg oder James Rizzi. „Für die Seetage an Bord überlegen sich die Reedereien spannende Events für die Gäste wie Live Painting oder auch Versteigerungen“, sagt der Künstler. „Da bin ich ebenfalls dabei.“

Trotz allem Ruhm – das teuerste Werk, ein Lagerfeld, gedruckt auf 24 Karat Gold – verkauft sich mittlerweile für 30.000 Euro – ist Devin Miles auf dem Boden geblieben. Mit der Geburt seines ersten von drei Kindern (10, 8 und 3 Jahre alt) zog Miles aus der Hafencity bewusst aufs Land. In Ahrensburg fühlt er sich heute heimisch, der Umzug in die Bargteheider Produktionsstätte soll der letzte gewesen sein.

140 Galerien werden von ihm beliefert

Sein Arbeitstag beginne um 4.15 Uhr am Morgen, ein Zugeständnis, um so erfolgreich zu bleiben. Doch Einladungen zur Art Miami, ebenso einen Fernsehauftritt beim NDR, habe er bisher ausgeschlagen. „Meine Familie möchte ich nicht vernachlässigen, sondern dort Geld verdienen, wo ich auch wohne“, sagt der Künstler, der sich selbst als geerdet und transparent bezeichnet. „Ich beliefere mittlerweile 140 Galerien, arbeite mit 65 von ihnen fest zusammen. Mehr arbeiten kann ich nicht.“

Wertigkeit zahlt sich aus, glaubt der Künstler

Es komme ihm besonders auf das Handwerk an, Bilder klassisch mit Siebdruck zu erschaffen, statt am Computer, sei ihm ein Anliegen. Obwohl die beiden Techniken mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden seien, handele es sich beim digitalen Druck um Deko, während wertige Kunst nur beim farbintensiven Siebdruck per Hand entstehe. Trotz einer Schwemme französischer und holländischer Künstler, die ihre Werke unter Wert verkauften, zahle sich Wertigkeit, Nachhaltigkeit und ein guter Name letztendlich aus, dessen ist Miles sich sicher.

Gerade auch in der derzeitigen Situation komme es auf Qualität an. In den ersten Tagen der Corona-Pandemie habe er zuerst das Gefühl gehabt, dass alles zusammenbreche. Die Kreuzfahrtschiffe konnten nicht mehr beliefert werden, Messen und Vernissagen wurden abgesagt. „Aber dann haben wir uns mehr auf unser zweites Vertriebskonzept konzentriert, wieder den Kontakt mit den Galerien intensiviert“, sagt Miles. Nach einer Woche Kurzarbeit lief die Arbeit wieder an. Das Unternehmen richtete sich neu aus, erstellte Editionen, erarbeitete neue Konzepte. Neben Geldscheinen, gedruckt auf handgeformtem Acryl, verkauft Miles nun auch so genannte Artblocks, eine Mischtechnik auf Acrylglas, die aufgrund der geringen Größe auch für den kleineren Geldbeutel erschwinglich ist.

Miles: "Die Menschen wollen frische, ansprechende Farben voller Lebendigkeit"

Geblieben ist seine Leidenschaft für die Kunst, für jedes Werk, das er erstellt. Er mache nur das, was ihm gefalle, wolle authentisch bleiben, selbst wenn es sich um Auftragsarbeiten handele. Es sei ein Schulterschlag, mit den eigenen Werken Geld zu verdienen, doch wahre Kunst verkaufe sich nur so gut, wie das Motiv sei. Die Menschen wollten heute keine abstrakten Werke in ihrer Wohnung hängen haben, sondern frische, ansprechende Farben voller Lebendigkeit. „Mit meinen Werken transportiere ich Emotionen und Illusionen“, sagt Miles. „Das, was auch mir jeden Tag Spaß bringt.“

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