Beautysalons

Kein Abstand im Job – aber auch keine Angst vor Corona

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René Soukup
Corona: Barbara Krepczynska trägt bei der Arbeit Mund-Nasenschutz, ein Visier und Handschuhe. Nach jedem Kunden wird der Raum durchlüftet.

Corona: Barbara Krepczynska trägt bei der Arbeit Mund-Nasenschutz, ein Visier und Handschuhe. Nach jedem Kunden wird der Raum durchlüftet.

Foto: René Soukup

Glinder Kosmetikerin arbeitet nah am Kunden. Sie schützt sich und andere mithilfe mehrerer Mittel vor Infektion.

Glinde. Wer bei Barbara Krepczynska an der Tür klingelt, wird nach dem Öffnen mit einem Lächeln sowie freundlichen Worten begrüßt – und bekommt sofort einen Behälter mit Desinfektionsmittel in die Hand gedrückt. Sie selbst trägt eine FFP2-Maske, verlangt von Kunden beim Eintreten einen Mund-Nasenschutz. Darauf weist ein Zettel an der Außenfassade des Hauses hin. Sauberkeit ist hier oberstes Gebot. Und das kommt nicht von ungefähr.

Sie musste ihren Salon dieses Jahr zweimal schließen

Die 62-Jährige betreibt in Glinde ein Kosmetikstudio, musste wegen Corona in diesem Jahr wie auch alle anderen Beautysalons hierzulande gleich zweimal schließen. Erst der Lockdown im März, dann die weichere Variante im November. Seit wenigen Tagen dürfen Visagisten in Schleswig-Holstein wieder ihrer Arbeit nachgehen. Es ist für sie unmöglich, dabei den 1,50-Meter-Mindestabstand zu halten. Trotzdem: Angst vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko muss bei der im polnischen Danzig aufgewachsenen Frau niemand haben.

Das findet zum Beispiel Kundin Heidi W. (Name von der Redaktion geändert), die sich seit zwei Jahren im Vier-Wochen-Intervall einem Intensivgesichtspeeling unterzieht und gerade das Kontaktformular ausfüllt. Die Rentnerin (72) sagt: „Ich fühle mich hier sehr sicher. Alles ist desinfiziert.“ Sie sehe keinen Unterschied zu einem Friseurbesuch. „Ich bin jedenfalls froh, mich jetzt wieder verwöhnen lassen zu können.“ Auf Klönschnack bei der Anwendung in der Tagesschönheitsfarm mit dem Namen Kassiopeja muss sie jedoch verzichten. In Pandemie-Zeiten herrscht Redeverbot. Da ist Barbara Krepczynska konsequent.

Kunden mit Erkältung verwehrt Kosmetikerin Zutritt

Während ihre Kundin auf der Liege ihre Maske abnehmen darf, hat die Kosmetikerin, die ausschließlich Behandlungen im Gesicht vornimmt, ein Kunststoffvisier als weiteren Schutz übergestülpt. Und sie trägt Handschuhe. Das Fenster in dem Raum hat sie gerade geschlossen. Es ist noch frisch, allerdings nicht unangenehm. Im Anschluss an das Peeling wird erneut gründlich gelüftet. Außerdem wischt Krepczynska durch und desinfiziert Liege sowie den Arbeitsbereich jedes Mal, nachdem ein Gast das Haus verlassen hat. Menschen mit einer Erkältung gewährt sie keinen Eintritt.

Im Wartebereich zwischen den beiden Behandlungsräumen hat schon lange keiner mehr gesessen. Die Glinderin legt Termine so, dass sich Kunden im Gebäude nicht begegnen. Und Getränke schenkt sie derzeit auch nicht aus. Es ist alles ein bisschen anders als früher, aber Krepczynska nimmt es sportlich und ist froh, dass sie überhaupt arbeiten darf.

Handlungsunfähigkeit setzte der 62-Jährigen enorm zu

Wenn sie über dieses Frühjahr spricht, als ihr Geschäft rund drei Monate geschlossen blieb, verzieht sich ihre Miene. Kein Kichern mehr zwischen den Sätzen. Das streut sie oft ein, künstlich wirkt es nicht. „Ich war mit den Nerven am Ende, lag im März drei Wochen krank auf der Couch. Für mich ist es wichtig, dass ich meinem Beruf nachgehen kann.“ Krepczynska hat einen betagten Yorkshire Terrier, legte sich noch ein jungen Schäferhund zu, der sie beim Nordic-Walking begleitete. Das half ihr, um aus dem Tief herauszukommen.

Staatshilfe hat die Solo-Selbstständige für die Zeit ohne Umsatz zu Beginn der Pandemie zwar bekommen und auch jetzt wieder einen Antrag für den Ausfall im November gestellt. Allerdings, und das macht sie mehrmals deutlich, sei das nur der finanzielle Aspekt. In beruflichen Dingen handlungsunfähig zu sein, das habe ihr enorm zugesetzt. „Ich habe daran gedacht, hinzuschmeißen.“ Einen Vorwurf macht die Unternehmerin der Politik aber nicht, sagt: „Ich verstehe die Maßnahmen.“

Krepcynska kann auf viele ihrer Stammkunden zählen

Krepczynska ist als junge Frau nach Deutschland gekommen, hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Vor 22 Jahren eröffnete sie das Kosmetikstudio in Glinde, hat keine Mitarbeiter. Die rund 60 Quadratmeter im Souterrain hat sie im orientalischen und mediterranen Stil eingerichtet. Staub ist nicht einmal in der hintersten Ecke zu entdecken. Überall sind Desinfektionsmittel und Tücher greifbar.

In Pandemie-Zeiten bekommen Krepczynskas Kunden nach der eigentlichen Anwendung noch zehn Minuten lang gratis eine Plasma-Farblicht-Behandlung unter einer speziellen Haube. Das Gerät ist Bestandteil ihres Hygienekonzepts. „Weil das Gesicht so desinfiziert wird“, sagt die Kosmetikerin. Einen Anruf des Gesundheitsamts wegen einer Kontaktnachverfolgung habe sie bislang nicht erhalten. Auf viele Stammkunden wie Heidi W. kann die Glinderin zählen, sagt aber: „Manch einer bleibt gänzlich zu Hause, das merke ich auch im Geschäft.“

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