Großeinsatz in Stapelfeld

Müllverbrennung: Doppelter Kurzschluss legt Anlage lahm

Zwischenfall in der Müllverbrennungsanlage Stapelfeld bei Hamburg. Katwarn löste aus.

Zwischenfall in der Müllverbrennungsanlage Stapelfeld bei Hamburg. Katwarn löste aus.

Foto: Michael Arning

Stromausfall in zwei Leitungen macht Großeinsatz der Feuerwehr nötig. TÜV prüft Schäden. Anlage für unbestimmte Zeit außer Betrieb.

Stapelfeld/Hamburg. Der Gestank war weit über die Grenzen Stapelfelds hinaus wahrzunehmen und sorgte dafür, dass auch der Umweltdienst der Hamburger Feuerwehr zum Einsatzort gerufen wurde. Dort, wo bereits ein Großaufgebot der Feuerwehr im Einsatz war. Die Quelle der Geruchsbelästigung: die Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld, in der es am Mittwoch brannte. Allerdings unkontrolliert.

Seit Donnerstagmorgen ist auch die Ursache klar, warum die Anlage am Mittwoch völlig ohne Strom war. Gleich ein doppelter Kursschluss hatte die beiden Zuleitungen lahmgelegt. Das erklärte auf Abendblatt-Anfrage der Betreiber, die EEW Energy froom Waste GmbH. „Beide Leitungen unseres Stromversorgers sind nacheinander in kurzen Abständen ausgefallen. Damit waren wir trotz redundanter Systeme ohne Stromversorgung, ein Abfahren des Kessels in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich", sagt dazu der Technische Geschäftsführer Morten Holpert.

Betreiber der Müllverbrennungsanlage ruft selbst die Feuerwehr

Sprich: Die Anlage war wie ein Schiff mit ausgefallenem Antrieb manövrierunfähig. Der Betreiber rief selbst die Feuerwehr, die mit einem Großaufgebot ausrückte. Circa 40 Einsatzkräfte von sieben Freiwilligen Feuerwehren aus Stapelfeld, Braak, Papendorf, Kronshorst, Siek, Langelohe und Barsbüttel waren im Einsatz. Sie brachten einen Schaumteppich über dem Feuer im Abfallbunker aus, um ein mögliches Durchschlagen des Feuers zu verhindern.

Auf diese Maßnahme seien auch die deutlich wahrnehmbaren Schwelgerüche zurückzuführen. „Wir bitten die mit dem Ausfall der Anlage verbunden Beeinträchtigungen zu entschuldigen", so Holpert. Aber zu keinem Zeitpunkt habe eine Gefahr für die menschliche Gesundheit bestanden. Verletzt wurde niemand. Auch der Lagedienst der Feuerwehr teilte diese Einschätzung noch am Abend, daher rückte auch der gerufene Hamburger Umweltdienst nach einer Stunde wieder ab.

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Abfälle müssen auf andere Anlagen umgesteuert werden

Am Mittwochabend war es zu dem Vorfall in der Anlage gekommen. Rauch stieg auf, der weithin zu sehen war. Sogar die Warn-App Katwarn hatte ausgelöst. Laut Betreiber EEW war am Abend gegen 21.30 Uhr die Stromeinspeisung durch den Versorger wieder hergestellt. Allerdings bleibt die Anlage vorerst aus.

„Wir haben die Anlage jetzt vollständig abgefahren. Anlieferungen sind zur Zeit nicht möglich, die Abfälle werden auf andere Anlagen umgesteuert“, erklärt der Technische Geschäftsführer Morten Holpert. Die Anlagentechnik werde zur Stunde vom TÜV geprüft und die Schäden aufgenommen. Wann der Anlagenbetrieb wieder aufgenommen werden könne, sei zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Leitungen könnten bei Baggerarbeiten beschädigt worden sein

Versorgt wird die Müllverbrennungsanlage vom HanseWerk. Pressesprecher Fabian Dahlem bestätigte auf Abendblatt-Nachfrage, dass es gleich zu zwei Ausfällen im Stromnetz kam. "Was genau diese ausgelöst hat, können wir nicht mit Sicherheit sagen", so Dahlem. Ungewöhnlich seien solche Erdschlüsse, wie sie in der Fachsprache heißen, nicht. Unter anderem könnten Leitungen bei Baggerarbeiten von Fremdfirmen beschädigt worden sein. Eindringende Feuchtigkeit könnte dann auch Monate danach für den jetzigen Ausfall sorgen.

Aber Dahlem verspricht: "Das Kabel wurde nun repariert. Perspektivisch soll es ersetzt werden."