Wohn- und Geschäftshaus

25-Millionen-Euro-Baustelle in Ammersbek liegt brach

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Harald Klix
Auf dem 3700 Quadratmeter großen Grundstück an der Hamburger Straße in Ammersbek wachsen schon wieder Büsche und Bäume. Im Sommer sollte eigentlich Baubeginn sein.

Auf dem 3700 Quadratmeter großen Grundstück an der Hamburger Straße in Ammersbek wachsen schon wieder Büsche und Bäume. Im Sommer sollte eigentlich Baubeginn sein.

Foto: Harald Klix

Investor Procom gibt Plan für Wohn- und Geschäftshaus am U-Bahnhof Hoisbüttel überraschend auf. Was wird nun aus dem Projekt?

Ammersbek.  Das neue Eingangstor von Ammersbek bleibt weiterhin ein Luftschloss. Das Hamburger Immobilienunternehmen Procom, das 25 Millionen Euro in ein Wohn- und Geschäftshaus direkt am U-Bahnhof Hoisbüttel investieren wollte, ist überraschend abgesprungen. Die Geschäftsführung hat auf Abendblatt-Anfrage bestätigt, die Pläne zur Projektrealisierung nicht weiter zu verfolgen.

„Das planerisch bereits fertige Bauvorhaben ließ sich nicht so ins aktuelle Geschäftsportfolio einfügen wie zunächst erhofft“, sagt ein Sprecher des Investors. Von der geplanten Übernahme des Grundstücks nehme Procom deshalb Abstand. „Aufgrund des wertschätzenden, konstruktiven Dialogs mit der Gemeinde und des attraktiven Standorts ist das Interesse an einem Bauprojekt in Ammersbek aber weiterhin groß.“

Läden im Erdgeschoss, rund 50 Mietwohnungen darüber

Nun liegt das rund 3700 Quadratmeter große Grundstück an der Ecke Hamburger Straße/Georg-Sasse-Straße weiter brach. Auf dem Areal, das für aus Richtung Hamburg kommende Autofahrer das Entree der Gemeinde ist, wachsen bereits wieder kleine Bäume und Büsche. Offensichtlich konnte Procom eine Art Ausstiegsklausel nutzen, sodass die Fläche nach wie vor der in Ahrensburg ansässigen Jürgen Westphal Projekt Hoisbüttel GmbH & Co. KG gehört. Unter dem Namen „Lottbeker Hof“ entwickelte das Architektenbüro Westphal + Berwing schon vor gut vier Jahren ein Konzept für den Neubau.

Ende April 2020 verkündete dann das Hamburger Unternehmen Procom Invest seinen Einstieg. „Wir freuen uns darauf, dieses Projekt in Ammersbek entwickeln zu dürfen“, sagte Geschäftsführer Dennis Barth voller Zuversicht. Dank der vorhandenen Baugenehmigung wolle man kurzfristig starten. Baubeginn sollte im vergangenen Sommer sein und Fertigstellung Anfang 2022.

Im Erdgeschoss waren Geschäfte geplant, unter anderem ein Drogeriemarkt und eine Bäckerei sowie ein Gastro-Pavillon. In den vier Etagen darüber sollten in einem L-förmigen Baukörper rund 50 Mietwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern und 45 bis 120 Quadratmetern entstehen. Die Bruttogeschossfläche lag bei rund 8600 Quadratmetern, davon 1800 Quadratmeter im gewerblichen Teil.

750 Bike-and-ride-Plätze sind rund um den Bahnhof geplant

„Der Standort für unser Bauvorhaben ist dank der guten Infrastruktur mit dem U-Bahnhof vor der Tür für kurze Wege in die Hamburger City hochattraktiv“, sagte der Geschäftsführer des bundesweit tätigen Unternehmens. In Hamburg ist Procom unter anderem an den beiden Türmen am Fern- und Regionalbahnhof Altona (circa 350 Millionen Euro Investitionssumme) und an einem gleich teuren Wohn- und Geschäftshaus auf der Nikolai-Insel in der Altstadt beteiligt.

Was den Tatendrang auf dem Filetgrundstück in Ammersbek so abrupt gestoppt hat, ist unklar. Noch im Mai erteilte der Bauausschuss seine Genehmigung zum Eigentümerwechsel. „Parallel gab es noch Gespräche über Veränderungen bei der Innenaufteilung des Gebäudes“, sagt Bürgermeister Horst Ansén. Im Anschluss sei die Gemeinde an den Verhandlungen nicht weiter beteiligt gewesen.

Nun wundern sich viele Ammersbeker darüber, dass bald ein weiteres Jahr vorüber ist, in dem sich nichts getan hat. „Egal was jetzt kommt: Es muss bebaungsplankonform sein“, sagt Bürgermeister Ansén. Das Verfahren sei schwierig genug gewesen und werde nicht erneut aufgenommen.

Tiefgarage für Autos der Bewohner vorgesehen

Die ersten Ideen für ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der zentralen Stelle stammen aus den 1990er-Jahren. Doch die damaligen Eigentümer wollten keine größere Bebauung. Die Nachbargebäude, in die 1999 die heutige Sparkasse Holstein einzog, hatte Architekt Westphal ebenfalls entworfen. Im Frühjahr 2017 präsentierte sein Büro bei einer Einwohnerversammlung einen ersten Entwurf für das zur Hamburger Straße hin gelegene freie Areal.

Für die Autos der Bewohner des Hauses ist eine Tiefgarage mit bis zu 80 Plätzen geplant. Zentraler Bestandteil ist ein Gastronomie-Pavillon auf dem Platz, der künftig den Eingang zur Haupteinkaufsstraße markieren soll.

Geplant sind auch Stellplätze für Fahrradfahrer

Die letzten alten Gebäude auf dem Eckgrundstück wurden 2017 abgerissen. Im Laufe der Planung brachten die Kommunalpolitiker etliche Änderungen auf den Weg. Einigen waren die Gebäude zu massiv, anderen gefiel die Dachform oder die Farbe der Fassade nicht. Eine alte Linde, die der Kreis Stormarn unter Schutz gestellt hat, bleibt stehen und wird den Bahnhofsvorplatz prägen. Der Baum ist vermutlich 1797 zur Eröffnung der Gaststätte Lottbeker Krug gepflanzt worden.

Vorgesehen sind auch öffentliche Stellplätze für Fahrradfahrer, die in die U-Bahn umsteigen. Insgesamt will die Gemeinde das Abstellproblem rund um den Bahnhof Hoisbüttel mit fast 750 Bike-and-ride-Plätzen lösen. In der ersten von drei Bauphasen sollen im nächsten Jahr vor allem im westlichen und nördlichen Bereich knapp 290 Stellplätze für rund eine halbe Million Euro entstehen. Vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (NAH.SH) ist eine bis zu 75-prozentige Förderung möglich.

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