Kultur

Konzert vom Großenseer Tramper Aio im Livestream zu sehen

„Andre Weiskeller vor seinem alten VW Bulli „Mathilda“, mit dem er im kommenden Jahr zu mehreren Musikfestivals fahren möchte.

„Andre Weiskeller vor seinem alten VW Bulli „Mathilda“, mit dem er im kommenden Jahr zu mehreren Musikfestivals fahren möchte.

Foto: Ben Brecht

Andre Weiskeller tritt mit Schlagzeuger Tilo Guckuk in der Bergedorfer Mühle auf. Ihr neues Album präsentieren die Musiker online.

Grossensee/Bergedorf.  Für den gebürtigen Reinbeker Andre Weiskeller sollte dieses Jahr ein ganz besonderes werden. Sein Terminplaner war voll, seiner Band Tramper Aio (steht für „Alles in Ordnung“) standen viele spannende Auftritte bevor: auf Stadtfesten, auf Hochzeiten und nicht zuletzt auch auf mehreren Festivals in ganz Deutschland. Doch dann kam Corona und somit auch eine Absage nach der nächsten.

Der 34-Jährige ließ sich davon aber nicht unterkriegen, nutze die Zeit für Studioaufnahmen und kann jetzt zumindest gegen Ende des Jahres gleich zwei Highlights feiern. Zum einen steht ihm nun doch ein Live-Auftritt bevor und zum anderen hat er gemeinsam mit seinem Band-Mitglied Tilo Guckuk das neue Album „Türme“ fertig produziert.

Das Duo spielte schon in unterschiedlichster Besetzung

Andre Weiskeller, der mittlerweile seit einigen Jahren in Hamburg wohnt, klingt trotz der schwierigen Lage für freischaffende Künstler gut gelaunt am Telefon: „Natürlich hat mich dieses Jahr total getroffen“, sagt er. Rund 95 Prozent aller Auftritte seien abgesagt worden. „Zum Glück habe ich mich aber von Beginn meiner Musikkarriere an breiter aufgestellt“, sagt er. So konnte er zumindest seine Miete durch Gitarrenunterricht und Dreadlocks machen finanzieren. „Aber auch das Corona-Hilfspaket für Soloselbstständige habe ich angenommen“, erzählt und hält kurz inne. „Ich bin schon froh, dass wir Musiker in Deutschland solch eine Unterstützung erhalten“, fügt er dann hinzu. Die vergangenen Monate hat Weiskeller genutzt, um an seinem neuen Album „Türme“ zu arbeiten.

Hierfür hat er sich Unterstützung von Schlagzeuger Tilo Guckuk geholt. „Wir haben uns bei der Talentshow ,Wie krass bist du denn!?’ im Delphi Showpalast in Hamburg kennengelernt. Sein Sohn ist dort als Zauberer aufgetreten, ich als Musiker. Nach der Show kam Tilo zu mir und fragte, ob ich noch einen Schlagzeuger suche“, erinnert sich Weiskeller zurück.

Der gebürtige Großenseer scheint regelmäßig zu „trampen“

Die Idee gefiel dem 34-Jährigen, denn bisher hatte er meist selbst neben Gitarre und Gesang auch mal zum Cachon gegriffen. „Durch Tilos Unterstützung konnte ich mich noch mehr auf den Gesang konzentrieren. Und wir haben den bisherigen Pop-Folk-Sound von Tramper auch etwas in die rockige Richtung gedreht“, verrät Weiskeller mit Blick auf das neue Album.

Der gebürtige Großenseer scheint, wie sein Bandname es auch verrät, regelmäßig zu „trampen“. Zumindest hatte er in den vergangenen Jahren von unterschiedlichsten Musikern Unterstützung. Zuerst startete er 2013 mit Violinistin Ida Luzie Philipp durch. Das Duo gewann unter anderem im Jahr 2014 den Nachwuchswettbewerb MusicStorm vom Hamburger Abendblatt, es folgte ein Jahr später die Veröffentlichung des Albums „Grün“, welches groß mit einer Release Party im Molotow Club auf der Reeperbahn in Hamburg gefeiert wurde. Dann zog sich Philipp zurück und Cellist Niklaas Zylmann spielte zunächst mit Weiskeller auf Festivals, aber auch an ganz besonderen Orten, wie zum Beispiel im Sozialkaufhaus in Ahrensburg. „Das war ein großartiges Wohnzimmerkonzert“, sagt Weiskeller. Er ist froh darüber, mittlerweile sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

In einem der Songs wird eine Festivalszene dargestellt

Zurück zur Corona-Pandemie, denn in dieser Zeit kehrte Weiskeller auch zu seinem Ursprung zurück. „Da ich keine Konzerte spielen konnte, habe ich mich wie zu Beginn meiner Karriere als Straßenmusiker durchgeschlagen“, sagt er. „Oft hab ich im Sommer im Hamburger Stadtpark gespielt, manchmal aber auch auf anderen öffentlichen Plätzen. Das hat mir auch etwas gegeben. Es war schön zu sehen, dass ich vielen Menschen in dieser schwierigen Zeit ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte.“ Und nicht zuletzt hat Weiskeller gemeinsam mit seinem Schlagzeuger zehn Titel für das neue Album in einem Hamburger Tonstudio eingespielt.

„Und für das Musikvideo zum Song ,Dahin wo es laut ist’ sind wir sogar zum Großensee gefahren“, sagt Weiskeller, der in der Vergangenheit schon häufiger den Großensee als Filmlocation nutzte. In dem Song wird eine Festivalszene dargestellt: mehrere Bullis und Camper stehen nebeneinander auf dem Gelände, Tramper spielt Musik und Menschen lassen sich in einem alten VW Bulli ein Tattoo stechen.

Großensee diente als Kulisse für Musikvideo

Eine Idee, die übrigens bald in die Realität umgesetzt werden soll. Weiskeller: „Meine Freundin und ich haben einen T 3 Bulli namens Mathilda und wir wollen im nächsten Jahr mehrere Festivals besuchen. Dann möchte ich kleine Musiksessions geben und meine Freundin, die Tätowiererin ist, den Besuchern auf Wunsch verschiedene Motive stechen.“

Während das neue Album „Türme“ vermutlich erst im nächsten Jahr veröffentlich wird, da Weiskeller dies gern mit einer Release-Party feiern möchte, sind einige Song schon am heutigen Dienstag via Online-Konzert zu hören. Die Redaktion konnte „Tramper Aio“ für das Online-Festival „Bühne frei – live dabei“ gewinnen. Das Duo spielt ab 20.15 Uhr ein Konzert in der Bergedorfer Mühle. Livestream auf www.abendblatt.de/hamburg/bergedorf/live-dabei/.​