Maßnahmenkatalog

Das sind die Pläne zur Modernisierung des Glinder Friedhofs

Die Witwen Anke Neumann (v. l.), Annemarie Theel und Ingeborg Stoller sind entsetzt über den Zustand des Glinder Friedhofs.

Die Witwen Anke Neumann (v. l.), Annemarie Theel und Ingeborg Stoller sind entsetzt über den Zustand des Glinder Friedhofs.

Foto: René Soukup

Verwaltung präsentiert im Bauausschuss Entwurf des Entwicklungsplans. Von Politik gab es Lob und Kritik. Neugestaltung startet 2021.

Glinde.  Derzeit leben nahezu 19.000 Menschen in Glinde. Selbst bei 30.000 Einwohnern und einer normalen Sterberate wäre auf dem Friedhof genug Platz, um die Toten zu bestatten. Das ist aber auch das einzig Positive. Um den Ort ist es nicht gut bestellt, die Probleme sind vielschichtig. Das soll sich ändern mithilfe des Entwicklungsplans. Einen Entwurf hat die Verwaltung jetzt im Bauausschuss vorgestellt. Er umfasst 55 DIN-A4-Seiten und beinhaltet einen Maßnahmenkatalog mit 25 Punkten.

Verärgerte Bürger beklagen den Zustand des Areals

Bürgermeister Rainhard Zug will schon 2021 erste Änderungen vornehmen lassen, sagt: „Wir müssen jetzt anfangen.“ Er weiß um verärgerte Bürger, die den Zustand des Areals am Willinghusener Weg beklagen. Da sind zum Beispiel Sandwege, die bei Regen aufweichen und zu Schlammpfaden werden. Auf dem Steinweg nahe der Kapelle sind die Platten nicht mehr auf einer Höhe, was ihn insbesondere für ältere Menschen, die mit einem Rollator unterwegs sind, zu einer Stolperfalle macht. Die Baumpflege erledigen hauptsächlich der Baubetriebshof und externe Dienstleister, außerdem hat der Friedhof vier Mitarbeiter. Zu wenig Personal, um für ein gepflegtes Erscheinungsbild zu sorgen. Das gibt die Stadtverwaltung zu. Abhilfe kann durch eine Umgestaltung geschaffen werden.

Zum Handeln ist Glinde aber vor allem gezwungen, weil sich die Nachfrage bei den Bestattungsformen stark verändert hat. Inzwischen gibt es pro Jahr 80 Prozent Urnen- und nur noch 20 Prozent Sargbeisetzungen. Das Angebot muss angepasst werden, sonst sind die Urnenwahlgräber spätestens 2027 belegt. Eine entsprechende Stätte für 25 Jahre inklusive Beisetzung kostet in Glinde 1450 Euro, bei der Erdbestattung sind es immerhin 3500 Euro.

Konzept soll Attraktivität der Urnenanlagen stärken

Hält der Trend an, wovon auszugehen ist, müssen die Gebühren erhöht werden, um gesund zu wirtschaften. Das ist laut Entwicklungsplan auch beabsichtigt. 2019 betrug das Defizit der städtischen Einrichtung 158.000 Euro, im Jahr davor rund die Hälfte davon. Per anno werden im Schnitt 170 Menschen auf dem 1958 eröffneten Friedhof beigesetzt.

Das Konzept sieht als Attraktivitätssteigerung Urnengemeinschaftsanlagen vor. So können auf 33 Quadratmetern bis zu 66 Grabstätten entstehen. In der Mitte befindet sich dabei eine Stele, an der Namensschilder der Verstorbenen angebracht sind. Teile der Fläche werden bepflanzt. Auch wird auf die Notwendigkeit von zusätzlichen Autostellplätzen hingewiesen. Der Bereich soll begrünt sein, um sich dem Waldcharakter des Friedhofs anzupassen, die Anlage durch sogenannte Ökopflaster aus Beton oder Rasengitter aus Kunststoff erstellt werden. Fahrradbügel ergänzen das Angebot, stärken somit die klimafreundlichere Mobilität.

Friedhof soll ein Ort für die Naherholung werden

Geplant ist eine Optimierung der Wegeverbindung und die Pflasterung bestimmter Routen mit Naturstein – flankiert durch ein Leitsystem mit Schildern und zeitgemäßen Übersichtskarten. Der Friedhof soll ein Ort der Naherholung für alle Bürger werden. Die Verwaltung schlägt daher eine formelle Öffnung für Radfahrer und Jogger vor. Kunstwerke gerade an den Achsenpunkten sollen die Aufenthaltsqualität steigern, ebenso kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und kleine Konzerte.

Auf dem Gelände befinden sich vier Gebäude, darunter ein Wohnhaus mit zwei Geschossen und Teilkeller samt Anbau. Während die Wohnung im Erdgeschoss vermietet ist, steht die darüberliegende wegen Schimmelbefalls seit Jahren leer. Wärmetechnisch ist die Immobilie in einem mangelhaften Zustand, eine Sanierung wäre zu teuer. Das Rathaus stuft den Komplex als „nicht erhaltenswert“ ein, plädiert zudem für einen Umbau der Kapelle mit neuen WC-Anlagen. Der Lagerraum soll zum Friedhofsverwaltungsbüro werden mit Pausenzimmer samt Küchenzeile. Der Entwicklungsplan ist nicht in Stein gemeißelt, soll alle fünf Jahre überprüft und angepasst werden.

Fraktionen beraten über Bewilligung von 100.000 Euro

Und was sagen die Politiker zu dem Konzept? Matthias Sacher (CDU) bewertete es als „sehr interessant“, brachte noch das Thema Sicherheit ins Spiel und berichtete von zwei Grabschändungen. Peter Michael Geierhaas (SPD) sagte: „Das ist eine Unterlage, mit der wir gut arbeiten können.“ Zur Abstimmung stand das Werk auf der Sitzung nicht. Votiert werden sollte hingegen über zwei andere Punkte: Bürgermeister Zug warb darum, 30.000 Euro für eine Urnengemeinschaftsgrabanlage und 70.000 Euro für die Erweiterung und Sanierung der Urnengräber in Rasenlage im Haushalt 2021 zu verankern.

Grünen-Fraktionschefin Petra Grüner sagte, sie wolle erst eine Reihenfolge der kompletten Maßnahmen aufgelistet haben. Es wurde viel diskutiert mit diesem Ergebnis: Die Fraktionen beraten noch einmal intern. Am 11. Januar trifft sich der Bauausschuss zu einer Sondersitzung, kann das Geld so zeitig bewilligen. Geschieht das nicht, beginnt die Umstrukturierung des Friedhofs frühestens 2022. „Ich glaube, dass wir die Sache durchkriegen“, sagt der Ausschussvorsitzende Stefan Nowatzki (CDU). Für Marlies Kröpke (SPD) ist das Konzept nicht der große Wurf: „Es gibt Alternativen zu Urnengräbern, die auch pflegeleicht sind und durch die mehr Geld generiert werden kann.“ Sie denke an kleine gemauerte Grabstätten und Pflanzen drumherum. Laut Rainhard Zug werden per anno 100.000 Euro benötigt, um den Friedhof „binnen zehn Jahren wieder in einen tollen Zustand zu versetzen“.