Buchtipps

Wie Stormarner Autoren ihre Leser während Corona unterhalten

Passend zur Adventszeit präsentiert Buchhändler Joachim Becker (l.) die Anthologie „Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel“, die unter anderem eine Kurzgeschichte von Christian Kraus (r.) enthält. Der Autor wiederum hält seinen neuen Psychothriller „Nichts wird dir bleiben“ in den Händen.

Passend zur Adventszeit präsentiert Buchhändler Joachim Becker (l.) die Anthologie „Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel“, die unter anderem eine Kurzgeschichte von Christian Kraus (r.) enthält. Der Autor wiederum hält seinen neuen Psychothriller „Nichts wird dir bleiben“ in den Händen.

Foto: Elvira Nickmann

Gemütlich zu Hause einkuscheln und lesen: Stoff für wahlweise spannende oder entspannende Stunden liefern Autoren aus dem Kreis.

Ahrensburg.  Manchen Psychothriller-Autoren steht ihr Metier geradezu ins Gesicht geschrieben. Bei Christian Kraus ist das anders. Der Großhansdorfer wirkt eher zurückhaltend, sympathisch, aufgeschlossen – und harmlos. Bei seinen Figuren ist das Gegenteil der Fall, bei ihnen tun sich menschliche Abgründe auf. Auch in Kraus’ neuem Buch „Nichts wird dir bleiben“ nimmt er tiefe Einblicke in die Psyche des Täters.

Das Material sei spannend und liefere viele Ideen

Und die haben es in sich, denn als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie weiß der Autor genau, wovon er spricht uns schreibt. Kraus sagt: „Forensische Psychiatrie ist Teil meines beruflichen Werdegangs.“ Seine Expertise war unter anderem als Gutachter vor Gericht gefragt. Mit dem Schreiben begann Kraus in einer besonders stressigen Phase als Assistenzarzt an einer Klinik. „Ich hatte zwei Wochen Weihnachtsferien und dachte: Jetzt brauchst du was anderes.“ Und stellte schnell fest: „Schreiben macht mir einfach Spaß.“

Der neue Thriller ist sein drittes Buch. „Stofflich befinde ich mich auf sicherem Boden“, sagt der Autor. Das Material sei spannend und liefere viele Ideen. Zwar schreibe er keine True-Crime-Storys. Dennoch „fließen winzige Details aus Biografien und Tatgeschehen mit in meine Bücher ein“. „Nichts wird dir bleiben“ sei für alle Leser geeignet, „die tiefschürfende Thriller mögen“. Inhaltlich gehe es um einen Psychoanalytiker, der in die Fänge eines Sektenpredigers gerate. Ihn interessiere, was manche Menschen dazu bringe, verquere oder gewalttätige Fantasien zu entwickeln. „Die Frage ist: Was treibt die Täter an.“ Daher thematisiere er die inneren Prozesse, die sich in ihnen abspielten und die Tragik ihrer Persönlichkeiten. „Wenn ich beim Schreiben heftige Emotionen habe, weiß ich, dass ich auf der richtigen Fährte bin“, beschreibt der Autor seine Vorgehensweise. Reine Fiktion, aber emotional intensiv erlebbar, voller Wendungen und Überraschungen – „Nichts wird dir bleiben“ ist bei Droemer Knaur als Taschenbuch und eBook erschienen und kostet 9,99 Euro.

Spiegel-Autor berichtet vom Journalismus

Spannung verspricht auch der Wirtschaftskrimi „Das Recht des Geldes“ von Olaf R. Dahlmann. Und wie Christian Kraus kommt auch er aus Großhansdorf und kann aus seinen beruflichen Erfahrungen schöpfen. Joachim Becker von der Buchhandlung Stojan in Ahrensburg sagt: „Olaf Dahlmann hat Karriere als Rechtsanwalt gemacht und ist eine Koryphäe auf dem Gebiet des Steuerrechts.“ In dem Debütroman gehe es um Steuerhinterziehung im großen Stil, Mord, Erpressung und eine bekannte Hamburger Handwerkerfamilie. Durch ihren Job wird die unerfahrene, aber ehrgeizige Juristin Katharina Tenzer in das Geschehen hineingezogen. Sie bewegt sich auf gefährlichem Terrain und ist selbst zum Ziel geworden.

Lust auf Zeitgeschichte? Fritjof Meyer beschreibt in „Die Mücke im Fell des Bären“ sein ereignisreiches Leben als leitender Redakteur für Ost- und Außenpolitik beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Buchhändler Becker nennt ihn eine „beeindruckende Persönlichkeit, wichtigen Publizist und Journalist“, der es auf 108 Titelgeschichten gebracht habe. Meyer habe einen großen, geistigen Horizont, sei ein lebenskluger, dabei humorvoller und freundlicher Mensch. „Er hat eine unglaubliche Karriere hingelegt, war während des Kalten Krieges viel in Moskau und Peking. Es gibt das Zitat von Rudolf Augstein, dass er mit keinem Redakteur so lange und erfolgreich zusammengearbeitet hat.“ Meyers Werk kategorisiert Joachim Becker als romanhafte Autobiografie. „Er hat statt seiner einen Helden vorgeschoben.“ Das Vorwort stammt hingegen von einer ganz realen großen Politikerpersönlichkeit: aus der Feder von Michail Gorbatschow. Joachim Becker erzählt, dass Meyer einmal zu ihm gesagt habe: „Ich beglückwünsche Sie zu dem schönsten Beruf der Welt.“ Damit liege der Autor richtig, so Becker. „Das ganz große Glück ist, ich habe jeden Tag mit Büchern zu tun.“

Spukgeschichte in plattdeutscher Sprache

Das Buch „Sagen und Märchen aus Stormarn“ bietet einen Einblick in die reiche Auswahl an unterhaltsame Geschichten und Legenden, die in der Region verortet sind. Darin tauchen allerlei Spukgestalten, Hexen, Zwerge, Riesen und auch der Teufel höchstpersönlich auf. Zum großen Teil in plattdeutscher Sprache verfasst, bietet diese Sammlung mal heiteren, mal spannenden oder gruseligen Lesestoff und bewahrt zugleich altes Erzählgut.

Ob Christian Kraus, Olaf R. Dahlmann oder Eva Almstädt: Mit allen drei Krimiautoren hat die Buchhandlung Stojan bereits Lesungen veranstaltet. „Eva Almstädt ist eine arrivierte und erfolgreiche Autorin und eines der Aushängeschilder bei Bastei Lübbe“, sagt Joachim Becker. „Wir begleiten ihren Werdegang seit ihrem ersten Buch.“

Eine Singer-Songwriterin schreibt Gedichte

Das war 2004, „Ostseegruft“ ist bereits der 15. Band der Reihe um Kommissarin Pia Korittki. Und auch ihr bisher persönlichster Fall, denn es geht um den Mord an einer Freundin. „Wie alle Krimis der Serie spielt auch dieser an der Ostseeküste. Alle sind spannende handwerklich gut erzählte Regionalkrimis“, sagt Becker. Gabriele Niebuhr, Beckers Frau und Mitinhaberin der Buchhandlung, ergänzt, dass Almstädt eigens für ihren Laden einmal eine Geschichte geschrieben habe, die in Ahrensburg angesiedelt gewesen sei. Mit allerlei Requisiten hätten sie daraus einen Miträtselkrimi für die Ahrensburger konstruiert, unter anderem durch den Einsatz einer Schaufensterpuppe, Ketchup, Absperrband und einer Barbie mit abgesägtem Kopf, die effektvoll am Muschelläufer in Szene gesetzt worden sei. „Das war eine tolle Aktion und hat viel Spaß gemacht“, erinnert sich Niebuhr.

„Reimgefallen – Gedichte zwischen Vernunft und Wahnsinn“ gehört zu einem ganz anderen Genre. Man kann es immer wieder zur Hand nehmen, darin blättern und sich von den Gedichten inspirieren lassen. Niebuhr kennt die Ahrensburger Autorin Stephanie Arndt persönlich. „Sie ist eine Singer-Songwriterin, die musikalisch viel in Stormarn unterwegs ist.“

Stephanie Arndt trage eigene Songs vor, kombiniere ihre Musik mit Gedichten und Texten, außerdem sei sie immer wieder Gast bei Poetry Slams. „Im Oktober hat Arndt ihr erstes Büchlein herausgebracht.“ Sie empfehle den Band Lesern, die es gern etwas tiefsinniger mögen. „In ihren Versen nimmt sie Bezug auf alltägliche Ereignisse und Situationen. Sie bezieht aber ebenso Stellung zu politischen Inhalten.“