Projekt

Oststeinbek bekommt für rund 11.000 Euro zehn Mitfahrbänke

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René Soukup
Die Mitfahrbank nahe der Feuerwache an der Stormarnstraße ist fertiggestellt. Von hier geht es in den Ortsteil Havighorst.

Die Mitfahrbank nahe der Feuerwache an der Stormarnstraße ist fertiggestellt. Von hier geht es in den Ortsteil Havighorst.

Foto: René Soukup

Das Projekt soll bereits bis Ende November umgesetzt sein. Kritiker halten den Zeitpunkt wegen der Corona-Pandemie für unpassend.

Oststeinbek.  Das Stück ist naturbelassen, imprägniert und in hellem Braunton gehalten. Neben der Sitzmöglichkeit aus Holz mit Armlehnen an der Feuerwache in Oststeinbek befindet sich ein Pfahl, in dessen Mitte ein ausklappbarer Richtungsweiser noch durch Kunststofffolie gesichert ist. Weiter oben hängt ein Schild mit der Aufschrift Mitfahrbank. Mindestens zehn von jenen werden bis Ende dieses Monats in der 9000 Einwohner zählenden Gemeinde installiert. An der Stormarnstraße wurde der Anfang gemacht. Fachkräfte haben Platten verlegt, ausgeschachtet und Beton verwendet – jetzt ist der Haltepunkt abnahmefähig.

Angebot ist nicht nur für ältere Menschen gedacht

Rund 11.000 Euro samt Montage kostet das Projekt, 80 Prozent davon steuert die Aktivregion Sieker Land Sachsenwald bei. Die Idee dazu hatte die FDP. Sie hat einen entsprechenden Antrag gestellt, der von anderen Kommunalpolitikern unterstützt wurde. Die Partei ist inzwischen auseinandergebrochen, alle Mandatsträger haben die Fraktion verlassen und einen Nachbarschaftsverein gegründet, der sich Ostbek.net nennt. Unter diesem Namen mischen die ehemaligen liberalen Gemeindevertreter und Ausschussmitglieder in den Gremien weiterhin mit.

Vereinsvorsitzender ist Florian Tange. Über die Mitfahrbänke sagt er: „Ich habe dabei vor allem die Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen im Blick.“ Der Bus der Linie 233 nach Havighorst und in die andere Richtung fährt von montags bis freitags nur im Stundentakt. Daher sind die Mitfahrbänke eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Das Angebot ist nicht nur für ältere Menschen ohne eigenen fahrbaren Untersatz sowie mit gesundheitlichen Problemen, die auf dem Beifahrersitz eines Autos gratis zwecks Arztbesuch oder Einkauf pendeln, gedacht. „Es richtet sich an alle Altersgruppen“, sagt Bürgermeister Jürgen Hettwer.

„Wir können nicht alle Baumaßnahmen an der Pandemie ausrichten“

Laut dem Verwaltungschef waren die Bänke schon Thema bei der Bürgerbeteiligung für das Klimaschutzkonzept der Gemeinde. Haltepunkte sind unter anderem am Barsbütteler Weg, an der Kirche, beim Einkaufszentrum und in Havighorst Am Ohlendiek sowie nahe der Kindertagesstätte. Die Politik hat bei der Standortsuche mitgewirkt. Womöglich wird noch eine elfte Bank am Ostkreuzcenter im Gewerbegebiet an der Landesgrenze zu Hamburg errichtet, heißt es im Rathaus.

Nutzer bedienen den Richtungsweiser, damit Autofahrer erkennen, wohin der Weg führen soll. Auf Facebook haben Oststeinbeker Freude über die Umsetzung bekundet, andere üben Kritik. Tenor: In Corona-Zeiten, wo Kontakte vermieden werden sollen, sei das unpassend. Bürgermeister Hettwer sagt: „Wir können nicht alle Baumaßnahmen an der Pandemie ausrichten. Außerdem war die Bewilligung der Fördermittel damit verbunden, dass wir die Maßnahme 2020 abschließen.“ Man solle im Pkw auf jeden Fall Mund-Nasen-Schutz tragen.

Laut Tange ist es ohnehin das Ziel, dass sich Oststeinbeker zu bekannten Personen wie Nachbarn ins Auto setzen. Der Vereinsvorsitzende sagt: „Ich freue mich, wenn ich das erste Mal jemanden mitnehmen darf und es für beide Seiten ein Erlebnis wird.“ In Stormarn wurden Mitfahrbänke schon vielerorts installiert, zum Beispiel in Bargteheide, Bargfeld-Stegen, Jersbek, Tremsbüttel, Trittau und Barsbüttel. Bei der Nachbargemeinde hatte sich die Oststeinbeker Verwaltung auch Informationen vor dem Kauf der Holzstücke eingeholt.

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