Wahrzeichen

Wird die Suck’sche Kate in Glinde nie mehr saniert?

Das älteste Haus der Stadt: Die Suck’sche Kate, ein Kulturdenkmal in Glinde, verfällt zusehends.

Das älteste Haus der Stadt: Die Suck’sche Kate, ein Kulturdenkmal in Glinde, verfällt zusehends.

Foto: Ha

Kulturdenkmal verfällt. Baugenehmigung für Sanierung abgelaufen. Denkmalschutzamt drängt nur auf Erhalt. Bürgerinitiative will handeln.

Glinde.  Viele Glinder hoffen immer noch, dass die Suck’sche Kate bald wieder im alten Glanz erstrahlt. Dafür müsste das 1855 erbaute Kulturdenkmal gründlich saniert werden. Das hat der Eigentümer auch versprochen, kommt dem aber seit Jahren nicht nach. Stattdessen verschlechtert sich der Zustand des Hauses zusehends. Auf Hilfe der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises können die besorgten Bürger nur bedingt zählen. Ihr sind ab einem gewissen Punkt die Hände gebunden, das Verhängen von Sanktionen ist dann unmöglich. Konkret bedeutet das: Der Geschäftsmann aus Hamburg-Bergedorf muss sich um die Optik der Immobilie nicht wirklich Sorgen machen, lediglich aufpassen, dass sie nicht einstürzt. Nur ein Kauf durch die Stadt würde sicherstellen, dass das Gebäude vollends auf Vordermann gebracht wird. Zumindest stehen erneut Verhandlungen an.

Behörde kontrolliert regelmäßig den Zustand

„Der Besitzer ist im Rahmen des Zumutbaren verpflichtet, das Denkmal zu erhalten, sachgemäß zu behandeln und vor Gefährdung zu schützen“, sagt Behördenmitarbeiterin Claudia Riemer. Maßgeblich für Instandsetzungsforderungen sei der Zustand des Gebäudes zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung im August 2015. Damals sei es größtenteils entkernt und nicht bewohnbar gewesen. Daraus schlussfolgert Riemer: „Vor dem Hintergrund wird die Kate nicht über das Denkmalschutzgesetz in den Zustand versetzt werden können, den sich vermutlich einige Bürger der Stadt wünschen.“ Allerdings sei man im Austausch. „Und der Eigentümer muss jetzt auch wieder etwas tun“, so Riemer. Um welche Art von Arbeiten es sich handelt, will sie nicht verraten.

Die Behörde hatte in der Vergangenheit schon einmal interveniert und den Eigner aufgefordert, das reetgedeckte Fachwerkhaus an der Dorfstraße standsicher zu machen. Das setzte er 2016 auch um, installierte unter anderem Stützbalken an der Außenwand. Die Löcher im Mauerwerk sind immer noch nicht geflickt. Als ein Jahr später die Baugenehmigung für die Sanierung erteilt wurde, sah es so aus, als sollte das Projekt starten. Doch daraus wurde nichts. Inzwischen ist sie abgelaufen – nach drei Jahren. Ein erneuter Antrag wurde nicht gestellt. Das bestätigte Riemer auf Anfrage und fügte hinzu: „Wir sind regelmäßig vor Ort und kontrollieren den Zustand des Gebäudes.“

SPD-Fraktionsvorsitzender kritisiert die Behörde

Das stellt Frank Lauterbach, den SPD-Fraktionsvorsitzenden, nicht zufrieden. Er sagt: „Die Denkmalschutzbehörde macht zu wenig.“ Eine Option wäre, eine Resolution an das Land zu schicken. Der Sozialdemokrat ist auf den Eigner ebenso wenig gut zu sprechen wie Politiker anderer Parteien. Die Entscheidungsträger beschäftigten sich auch schon mit einem Enteignungsverfahren. 2018 ließ die Stadt für 6000 Euro ein Rechtsgutachten anfertigen, um auszuloten, welche Möglichkeiten das Denkmalschutzgesetz auch für drastische Schritte bietet. Das Ergebnis: Glindes Erfolgsaussichten sind diesbezüglich mehr als ungewiss. Also hielten sich die Fraktionen zurück.

Stattdessen wurde der Ruf nach einem Kauf durch die Stadt lauter. Bürgermeister Rainhard Zug verhandelte mehrfach mit dem Eigner: „Bisher hat er immer abgelehnt.“ Der Verwaltungschef berichtet auch jetzt von laufenden Gesprächen, will aber keine Details nennen. Es wird kolportiert, dass der Hamburger einen zu hohen Preis aufruft. Jener wollte auf Anfrage dieser Redaktion keine Stellung zu dem Thema nehmen, machte nur eine Aussage zu Treffen mit dem Bürgermeister: „Das nächste ist noch in diesem Jahr und zeitnah.“

Stadt hatte sich Vorkaufsrecht gesichert

Auf einen Kauf hofft auch eine jüngst gegründete Bürgerinitiative. Zu den vier Initiatoren zählt der Grünen-Politiker Jan Schwartz, der einen Einsturz des ältesten Hauses der Stadt fürchtet. Er hatte mit seiner Partei in der Vergangenheit zwei Demonstrationen für den Erhalt organisiert. Auch wurde eine Aktion umgesetzt, bei der rund 30 Bürger Büsche und Bäume auf dem Areal zurückschnitten, um von der Straße wieder einen freien Blick auf das Gebäude zu haben. Über die neue Gruppe sagt Schwartz: „Wir machen das außerhalb von Parteien und hoffen, so einen besseren Zugang zum Eigentümer zu bekommen.“ Dabei setzt er auf das Mitwirken von Ingeborg Stoller, die in Glinde gut vernetzt und Trägerin der goldenen Ehrennadel der Stadt ist. „Wir geben nicht auf. Die Kate liegt Glindern am Herzen“, so Schwartz. Er plant eine Versammlung, auf der im großen Kreis die Ziele der Initiative besprochen werden sollen. Der Zeitpunkt hängt allerdings von den durch die Corona-Pandemie verhängten Einschränkungen ab.

In dem Fachwerkbau wohnte einst der Schuhmacher Johannes-Hinrich Suck, der 28 Jahre lang Gemeindevorsteher war. Als seine Enkelin 2011 starb, verkauften die Erben die Kate. Die Stadt hatte die Kosten für die Feuerversicherung des Reetdachs übernommen und sich ein Vorkaufsrecht gesichert, machte davon aber keinen Gebrauch. Im September 2012 erwarb der Geschäftsmann die Immobilie. Experten schätzen die Kosten der Sanierung auf mehr als 600.000 Euro. Sollte sich die Stadt mit dem Eigner einigen und das Objekt in ihr Eigentum übergehen, müsste sie wohl einen siebenstelligen Betrag investieren, um es nutzbar zu machen.