Infektionsdynamik

Stormarn hat den kritischen Corona-Wert überschritten

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Lutz Kastendieckund Petra Sonntag
Sind besorgt über die steigenden Infektionszahlen: Christiane Clobes, Leiterin des Gesundheitsamtes Stormarn, und Landrat Henning Görtz.

Sind besorgt über die steigenden Infektionszahlen: Christiane Clobes, Leiterin des Gesundheitsamtes Stormarn, und Landrat Henning Görtz.

Foto: Finn Fischer

Verwaltung hat neue Auflagen und Schutzmaßnahmen angekündigt. Erweiterte Maskenpflicht auf belebten Straßen und Plätzen steht bevor.

Bad Oldesloe.  Der Inzidenzwert, der die Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner angibt, steigt in Stormarn weiter an. Seit Mittwochnachmittag beträgt er mit 93 bestätigten Covid-19-Infektionen in ganz Stormarn innerhalb der letzten sieben Tage nun 38,1. Am gestrigen Dienstag hatte Landrat Henning Görtz gesagt: „Weil die Fallzahlen in Stormarn in den vergangenen Tagen rasant gestiegen sind, gehe ich davon aus, dass es zu einer Überschreitung der ersten kritischen Inzidenzschwelle von 35 noch in dieser Woche kommt, was zu einem Verschärfung der Maßnahmen führen wird.“ Dazu gehören etwa eine erweiterte Maskenpflicht im öffentlichen Raum, Einschränkungen für private Feiern und Veranstaltungen sowie die Einführung einer Sperrstunde in der Gastronomie.

Neue Verordnung wird noch diese Woche verabschiedet

Durch die Dynamik des Pandemieverlaufs hatte Landrat Henning Görtz bereits den nächsten Corona-Erlass der Landesregierung erwartet, der am Dienstagabend veröffentlich wurde. Vorsorglich hatte er in einer Rundmail alle Stormarner Bürgermeister aufgefordert, Straßen und Plätze zu benennen, die durch eine hohe Passantendichte eine besondere Ansteckungsgefahr bergen. Eine erweiterte Maskenpflicht werde es dann in jedem Fall für Wochenmärkte, Einkaufszentren und Sportveranstaltungen geben.

Reduziert werden zudem die Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen. Im öffentlichen Raum dürften nur noch maximal 25 Personen zusammenkommen, bei privaten Feiern nur noch 15. Eine Sperrstunde in der Gastronomie würde ab 23 Uhr gelten.

Krankenhäuser im Kreis auf steigende Zahlen vorbereitet

Derzeit werden drei an Covid-19 erkrankte Stormarner in Krankenhäusern behandelt sowie zwei weitere Personen, die nicht im Kreisgebiet gemeldet sind. 112 aktuell infizierte Personen im Kreisgebiet befinden sich in häuslicher Isolation. Im Reinbeker Krankenhaus St.-Adolf-Stift liegen zwei Covid-19-Patienten, ein 80 Jahre alter Mann aus Stormarn sowie eine 67 Jahre alte Frau mit Zweitwohnsitz im Kreis. Beide bedürfen keiner intensivmedizinischen Behandlung, so Sprecherin Andrea Schulz-Colberg. Ihr Zustand sei stabil.

Zehn von derzeit 20 Intensiv-Betten halte das Krankenhaus ständig für Covid-19-Fälle vor. „Unsere normale Isolierstation umfasst aktuell elf Betten in Einzelzimmern, die für Verdachtspatienten, bei denen das Testergebnis noch aussteht, und positiv getestete Corona-Patienten vorgesehen ist“, sagt Schulz-Colberg. Bei größerem Patientenaufkommen könne binnen 24 Stunden eine weitere Isolierstation öffnen.

25 Prozent der Kapazitäten Corona-Patienten vorbehalten

Auf der Isolierstation der Asklepios Klinik Bad Oldesloe sind derzeit zwei von fünf Betten mit Covid-19-Patienten belegt, ein weiterer liegt auf der Intensivstation. Eine Verdoppelung der Kapazität sei jederzeit möglich, so Klinikmanagerin Helena Geibel. Bei einem Anstieg der Infektionen müssen die Krankenhäuser 25 Prozent ihrer jeweiligen Intensivkapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Patienten freihalten. 15 Prozent davon ständig, weitere zehn Prozent innerhalb von 24 Stunden. Reicht das nicht mehr aus, sollen die Krankenhäuser auf Geheiß des Landesgesundheitsministeriums ihre frei zu haltenden Intensivkapazitäten mit der Möglichkeit zur invasiven Beatmung auf 45 Prozent erhöhen.

In der LungenClinic Großhansdorf, werden aktuell keine Covid-19-Patienten intensiv versorgt. „Wir müssen unser Haus gerade im onkologischen Bereich der Tumordiagnostik und Tumortherapie sauber halten, was Ansteckungsgefahren angeht. Alles andere wäre nicht gut für uns als Versorger für Schleswig-Holstein und Hamburg“, sagt der Ärztlicher Direktor Prof. Klaus F. Rabe.

Zwei Schulen sind von Covid-19-Fällen betroffen

Zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Herbstferien ist es nur an zwei Schulen im Kreisgebiet zu coronabedingten Ausfällen gekommen. An einer Gemeinschaftsschule in Glinde und einem Hort in Hoisdorf sind nach Covid-19-Infektionen Erzieher und vereinzelt auch Schüler vorsorglich in Quarantäne geschickt worden.

Grundschüler müssen Mund-Nasen-Bedeckungen nur dann tragen, sobald sie sich in der Schule und deren Außengelände bewegen. Für alle Schüler an weiterführenden Schulen gilt seit Montag für zwei Wochen die Maskenpflicht auch im Unterricht. Laut Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat der schulische Regelbetrieb höchste Priorität. „Unser Ziel bleibt, so viel Präsenzunterricht wie möglich zu gewährleisten“, sagt Prien. Das Robert-Koch-Institut habe jüngst noch einmal bestätigt, dass Kinder und Jugendliche nicht „Treiber der Pandemie“ seien. Deshalb erwiesen sich Schulen als „verhältnismäßig sicherer Ort“.

Kita in Hoisdorf musste für einen Tag schließen

Drei Kitas waren jüngst von Corona-Infektionen betroffen. Die Kita in Hoisdorf war Montag sogar für einen Tag geschlossen worden. „Unsere Einrichtung konnte Dank des intensiven Zusammenwirkens von Gesundheitsamt und Elternbeirat aber am Dienstag schon wieder ihren Betrieb aufnehmen“, so Kita-Leiterin Tatiana Noori-Lyashko.

In Quarantäne befinden sich lediglich eine Erzieherin und einige Kinder.

Diskussion um Schließung von Umkleiden und Duschen

Nachdem der SV Eichede bereits zwei Oberliga-Punktspiele wegen der Corona-Infektion eines Spielers absagen musste, haben in der Vorwoche mehrere andere Sportvereine ebenfalls positive Covid-19-Fälle gemeldet. „Daraufhin haben wir den Bürgermeistern empfohlen, Umkleiden und Duschen in den Vereinen schließen zu lassen“, so Landrat Henning Görtz.

Dagegen regt sich allerdings Widerstand. Zum aktuellen Zeitpunkt sei die Nutzung dieser Bereiche weder durch die Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes untersagt, noch durch eine Allgemeinverfügung des Kreises. „Unabhängig davon sind Umkleiden und Duschen in Sportstätten laut Robert-Koch-Institut nicht als Übertragungspunkte bekannt“, so Heiko Hubert aus Oststeinbek. Daher stelle sich die Frage, inwieweit eine entsprechende Anordnung seitens der Gemeindeverwaltung zulässig sei.

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