Historische Motive

Graffiti-Kunstwerke sollen Siek bunter machen

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Filip Schwen
Wolfgang Babel (l., Vereinigte Stadtwerke) und Sieks Bürgermeister Andreas Bitzer (CDU) neben der Ortsnetzstation an der Hauptstraße.

Wolfgang Babel (l., Vereinigte Stadtwerke) und Sieks Bürgermeister Andreas Bitzer (CDU) neben der Ortsnetzstation an der Hauptstraße.

Foto: Filip Schwen

Gemeinde lässt Stromverteilerkästen für 8000 Euro mit historischen Motiven gestalten. Aktivregion fördert das Projekt mit 6000 Euro.

Siek. Aus Graugrün wird bunt: Die Gemeinde Siek lässt die Stromverteilerkästen und Netzstationen von Graffiti-Sprayern mit künstlerischen Motiven gestalten. In den vergangenen Wochen sind fünf weitere Kunstwerke hinzugekommen, die Bürgermeister Andreas Bitzer (CDU) jetzt vorstellte. „Mit dem Projekt wollen wir das Straßenbild in unserer Gemeinde verschönern“, sagt der Politiker.

Meilsdorfs Alte Kate als größtes Motiv

„Unter anderem durch Witterungseinflüsse war der graue und grüne Anstrich vieler Kästen nicht mehr ansehnlich“, so Bitzer. Fünf neue Motive sind jetzt im Hauptort und im Ortsteil Meilsdorf zu sehen. „Sie haben alle einen Bezug zum jeweiligen Standort oder zur Geschichte unserer Gemeinde“, sagt der Bürgermeister. So ist etwa auf den beiden Stromkästen am ehemaligen Marktplatz unweit der Sieker Friedenskirche eine historische Szene mit regem Markttreiben abgebildet. Zu erkennen ist ein Verkaufsstand, an dem ein Händler mit Waage und Gewichten hantiert.

Der Kasten an der Sieker Amtsverwaltung ist als Bücherregal gestaltet worden. Wenige Meter entfernt steht die „Bücherzelle“, eine umgebaute Telefonzelle, die als kostenfreie Tauschbörse für Literatur dient. Das größte Motiv ist auf der Ortsnetzstation der Vereinigten Stadtwerke (VS) an der Ecke Hauptstraße/An der Lohe unweit des zukünftigen Standortes der Feuerwache zu sehen. Auf dem Häuschen ist Meilsdorfs Alte Kate. Das historische Bauernhaus ist das Wahrzeichen des Sieker Ortsteils und wurde in den vergangenen Jahren aufwendig saniert. „Das Motiv soll das Zusammenwachsen der beiden Sieker Ortsteile symbolisieren“, so Bitzer.

Idee für die Gestaltung kam von Frank Werner (CDU)

Gestaltet wurden die Kästen von der Graffiti-Manufaktur „Die Sprüherei“ aus Reinbek. Die Künstler des 2017 gegründeten Unternehmens haben bereits zahlreiche Fassaden, Stromkästen und Garagen in Stormarn mit Graffiti verschönert. „Zuletzt haben wir in Oststeinbek einen ganzen Schwung Verteilerkästen fertiggestellt“, sagt Geschäftsführer Heiko Eggers. Auch in Ahrensburg, Brunsbek und Barsbüttel sind Kunstwerke der Reinbeker zu sehen. „Bei den historischen Motiven arbeiten wir meist mit einem Foto als Vorlage“, sagt Eggers.

Die Idee für die Gestaltung der Sieker Kästen mit Graffiti-Kunstwerken kam von Frank Werner (CDU), dem Vorsitzenden des Sozial-, Kultur- und Sportausschusses. „Ich habe so ein Graffiti-Kunstwerk auf einem Kasten im Barsbütteler Ortsteil Stemwarde gesehen“, erzählt der Gemeindevertreter.

Die Graffiti-Kunstwerke sollen auch Vandalismus verhindern

„2018 haben wir die Gestaltung der ersten Kästen in Auftrag gegeben“, sagt Werner. Das erste Motiv sei die Friedenskirche gewesen, die einen Stromkasten unweit des ehemaligen Sieker Bahnhofs am Hansdorfer Weg ziere. Seitdem seien mehr als ein Dutzend weitere Standorte dazugekommen. Jährlich investiere die Gemeinde 3000 bis 4000 Euro in die Graffiti-Kunst. „Wir haben Standorte ausgewählt, die von Bürgern und Besuchern häufig frequentiert werden“, sagt Werner.

„Ein Vorteil ist auch, dass die besprühten Kästen nicht beschmiert werden“, so der CDU-Politiker. Bislang sei keines der Kunstwerke bekritzelt worden. Diese Erfahrung bestätigt auch Petra Lüning, Kommunalmanagerin bei der Schleswig-Holstein Netz AG, der viele der besprühten Stationen gehören.

„Wir haben mehr als 650 Kästen und Verteilerhäuschen in ganz Schleswig-Holstein mit Graffiti-Kunst gestalten lassen und nur eine verschwindend geringe Zahl davon wurde beschmiert“, sagt sie. Die Hemmschwelle, die aufwendigen Gemälde zu zerstören, sei mutmaßlich höher.

Die künstlerische Gestaltung steigere die Lebensqualität

75 Prozent der Kosten von 8000 Euro für den diesjährigen größeren Aufschlag mit gleich fünf Kunstwerken in Siek trägt die Aktivregion Sieker Land Sachsenwald. Über das Regionalbudget vergibt der Verein Fördermittel von Bund und Land für Ortsentwicklungsprojekte im ländlichen Raum. Unterstützt werden Kleinstprojekte mit einem Gesamtvolumen bis 20.000 Euro.

„Durch die künstlerische Gestaltung der Stationen wird der Wohnort Siek aufgewertet und die Lebensqualität in der Gemeinde wird gesteigert“, sagt Margarita Schmal-Ghazaryan, Regionalmanagerin der Aktivregion. „Durch die Kunst im öffentlichen Raum wird ein buntes Straßenbild geschaffen, die Werke sind jedem zugänglich“, so Schmal-Ghazaryan. „Genau für solche kreativen kleinen Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität vor Ort ist das Regionalbudget gedacht.“ Daher habe sich der Vorstand der Aktivregion für eine Unterstützung des Projektes entschieden.

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