Verabschiedung

Diese Ammersbekerin traute mehr als 2000 Paare

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Harald Klix
Blumen für die Standesbeamtin zum Abschied in den Ruhestand: Heike Ladwig vor dem Rathaus mit dem Trauzimmer im ersten Stock.

Blumen für die Standesbeamtin zum Abschied in den Ruhestand: Heike Ladwig vor dem Rathaus mit dem Trauzimmer im ersten Stock.

Foto: Harald Klix

Mit 15 Jahren begann Heike Ladwig ihre Ausbildung im Amt Bünningstedt, blieb dem Rathaus 48 Jahre lang treu. Dort hat sie viel erlebt.

Ammersbek.  48 Jahre bei ein und demselben Arbeitgeber: Auf diese eindrucksvolle Zeitspanne kann die Ammersbeker Standesbeamtin Heike Ladwig zurückblicken. Jetzt hat Bürgermeister Horst Ansén die 63-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Bünningstedterin stieg früh ins Berufsleben ein

Heike Ladwig war gerade mal 15 Jahre alt, als sie im September 1972 ihren ersten Arbeitstag im Amt Bünningstedt hatte. In ihrer Bewerbung als Stenotypistin, die bis heute in der Personalakte liegt, steht nur die Anrede „Sehr geehrte Herren“ – Frauen kamen in Führungspositionen nicht vor.

Niemand anderes im Rathaus hat die Entwicklung des Ortes im vergangenen halben Jahrhundert so direkt verfolgt wie die Bünningstedterin. Zunächst war sie in der Amtsverwaltung tätig für die damals noch eigenständigen Dörfer Bünningstedt und Hoisbüttel. 1978 folgte der Zusammenschluss zur Gemeinde Ammersbek. Seitdem ist die Einwohnerzahl um ein Viertel von knapp 8000 auf rund 10.000 gestiegen.

Nicht alle Brautpaare stammen aus der Gemeinde

Etliche dieser Menschen hat Heike Ladwig kennengelernt. Mehr als 2000 Paare dürfte sie getraut haben – mitgezählt hat sie nicht. „Zu Beginn waren es circa 70 Trauungen jährlich, mittlerweile sind es 100 bis 120“, sagt sie. Allerdings kommen bei Weitem nicht alle aus der Gemeinde. „Unser Rathaus ist wegen der idyllischen Lage mit der alten Pferdeschwemme direkt vor der Tür sehr beliebt bei Brautpaaren.“ Der Ausblick ins Grüne lässt sogar die eher funktionale Einrichtung des Trauzimmers in den Hintergrund treten – der Raum wird sonst als Sitzungszimmer genutzt.

„Je mehr Menschen dabei sind, desto interessanter sind meist auch die Trauungen“, sagt Heike Ladwig. Es komme schon mal vor, dass die Gäste im Saal mit 20 Stühlen in zweiter Reihe stehen. Doch ausgerechnet in ihren letzten Arbeitsmonaten ging’s deutlich ruhiger zu: Wegen der Corona-Pandemie sind seit März maximal zehn Personen erlaubt.

Ein Paar heiratete sofort nach dem Beratungsgespräch

Einmal saß sie sogar ganz allein mit dem Brautpaar im Trauzimmer. Bei einem Gespräch hatten die Besucher gefragt, wann sie denn heiraten könnten. „Ich antwortete mit ,Sofort’, weil alle nötigen Unterlagen vorhanden waren“, sagt die Standesbeamtin. Als das Paar spontan einwilligte, habe sie ergänzt: „Gehen Sie noch mal eine Runde um den Teich und denken darüber nach, was die Familie sagt, wenn sie plötzlich als Ehepaar nach Hause kommen.“ Doch die Entscheidung stand. Wenig später unterzeichneten die Beteiligten die Urkunden.

Andererseits wurden vereinbarte Termine auch kurzfristig abgesagt. Ein Bräutigam wollte besonders witzig sein und antwortete auf die entscheidende Frage mit einem ganz offensichtlich scherzhaft gemeinten „Nein“. „Das wäre eigentlich ein Grund für einen sofortigen Abbruch“, sagt die Standesbeamtin. Sie habe die Situation gerettet, indem sie die Bemerkung einfach überhörte.

Ein weiteres Paar saß gleich dreimal bei Ladwig im Trauzimmer. Die Beiden hatten sich nach den ersten Versuchen scheiden lassen, dann aber doch wieder zusammengefunden.

Dokumente müssen aus aller Welt angefordert werden

Im März 1996 hatte Heike Ladwig die Aufgabe des Standesbeamten von Jürgen Ehrig übernommen. In der Abteilung war sie schon zuvor. „Die Trauungszeremonie ist immer etwas Schönes“, sagt sie, „aber die Arbeit hinter den Kulissen finde ich auch sehr interessant.“ Das gelte vor allem für die schriftlichen Dinge, die mit Behörden im Ausland zu erledigen seien – ein ständig wachsendes Feld. „So stand ich immer mit der Welt in Kontakt“, sagt Ladwig. Die Verbindungen reichten von den Philippinen und Thailand über Kuba und Brasilien bis nach Trinidad und Tobago. Zuletzt habe sie häufig Unterlagen aus Syrien und Albanien angefordert. Beurkundungen von Geburten („Ein, zwei Kinder kommen jährlich in Ammersbek noch zu Hause auf die Welt“) und Sterbefällen gehören ebenfalls zu den Aufgaben.

Ihre neu gewonnene Freizeit möchte Heike Ladwig mit verstärkter Gartenarbeit und mit Reisen füllen – „wenn das nach Corona wieder möglich ist“. In heimischen Gefilden ist sie seit dem Sommer vermehrt mit dem neu gekauften ­E-Bike statt mit dem Auto unterwegs. Auf die 48 Jahre in den Verwaltungen von Bünningstedt und Ammersbek blickt sie mit einem für eine Standesbeamtin sehr passenden Vergleich zurück: „Die Zeit war wie in einer Ehe: Mal geht’s bergauf und mal bergab.“

Nachfolgerin kommt aus Bad Oldesloe

Neue Standesbeamtin im Ammersbeker Rathaus ist Kathrin Beriša. Die ausgebildete Verwaltungsfachangestellte war bei der Stadt Bad Oldesloe bereits Vertreterin in diesem Bereich. Nach einem Wechsel in die Ausländerbehörde kann sie sich in Ammersbek künftig ganz darauf konzentrieren, „glückliche Paare auf ihrem Weg in die Ehe begleiten zu dürfen“.

Hochzeitspaare können einen Beratungstermin für individuelle Wünsche per E-Mail (kathrin.berisa@ ammersbek.de) oder Telefon (040/605 81-131) vereinbaren.

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